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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Haller von Hallerstein; Hallerde; Hallermund; Hallers saure Mischung; Hallertau; Halley; Halleysche Periode; Hallier

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Haller von Hallerstein - Hallier.

zösische, Italienische und Englische übersetzt. In spätern Jahren schrieb er politische Romane mit der besondern Absicht, nachzuweisen, daß es bei der Staatsverfassung eines Landes auf die Handhabung, nicht auf die Form derselben ankomme. Diese Romane sind: "Usong" (Bern 1771; zuletzt, das. 1778), "Alfred, König der Angelsachsen" (Götting. 1773) und "Fabius und Cato" (das. 1774), worin die absolute, die beschränkte und die aristokratisch-republikanische Staatsform behandelt wird. Die "Tagebücher seiner Reisen nach Deutschland, Holland und England 1723 bis 1727" gab Hirzel heraus (Leipz. 1883). Vgl. Zimmermann, Das Leben des Herrn v. H. (Zürich 1775); Heinzmann, Tagebuch von H. (Bern 1787, 2 Bde.); "Biographie de A. de H." (Laus. 1840); Baggesen, H. als Christ und Apologet (Bern 1865); Henle in "Göttinger Professoren" (Gotha 1872); Lissauer, A. v. H. (Berl. 1874); Blösch, Hirzel u. a., Albrecht v. H., Denkschrift (Bern 1877); Frey, A. v. H. und seine Bedeutung für die deutsche Litteratur (Leipz. 1879); Bodemann, Von und über A. v. H. (ungedruckte Briefe und Gedichte etc., Hannov. 1885).

3) Karl Ludwig von, Enkel des vorigen, geb. 1. Aug. 1768 zu Bern, ward 1795 Sekretär des Täglichen Rats daselbst, 1806 Professor der Geschichte und der Staatswissenschaften an der Universität, 1814 Mitglied des Kleinen und Großen sowie des Geheimen Rats. Nach seinem Übertritt zum Katholizismus (1821) seiner Stellen entsetzt, erhielt er 1825 eine Anstellung beim Departement der auswärtigen Angelegenheiten in Paris, 1830 als Professor an der École des chartes. Nach der Julirevolution begab er sich nach Solothurn, wo er 1833 in den Großen Rat gewählt wurde und zu den Häuptern der ultramontanen Partei zählte. Er starb 20. Mai 1854. Von seinen Werken erwähnen wir die berüchtigte "Restauration der Staatswissenschaft" (Bd. 1-4, Winterth. 1816-20; 2. Aufl. 1820-22; Bd. 5, 1834; Bd. 6, 1826).

4) Johann, Bildhauer, geb. 1792 zu Innsbruck, war seit 1810 Schüler Schöpfs in München und später Zögling der Akademie, erhielt 1817 den Auftrag, die kolossalen Statuen für die Nischen an der vordern Seite und 1818 die Statuen im Giebelfeld der Glyptothek auszuführen. Er starb 1826 in München. Von seinen zur Vollendung gebrachten Werken sind zu nennen: die Statuen des Hephästos, Prometheus, Dädalos, Pheidias, Perikles und Hadrian, für die Nischen der Glyptothek; ein Basrelief im Göttersaal der Glyptothek, den Sieg des Jupiter über die Giganten darstellend; drei Kolossalstatuen: der Bronzegießer, der Bildhauer und der Modellierer, für das Giebelfeld der Glyptothek.

Haller von Hallerstein, Karl, Freiherr von, Architekt, geb. 10. Juni 1774 zu Hilpoltstein aus einem altnürnbergischen Geschlecht, studierte Baukunst an der Karlsakademie zu Stuttgart und dann in Berlin unter Gilly, wurde 1806 als königlicher Bauinspektor in Nürnberg angestellt, besuchte Rom und ging mit Koes und Bröndsted im Juni 1810 über Neapel, Korfu und Korinth nach Athen, wo er mit dem englischen Architekten Cockerell die antiken Bauwerke Athens studierte. 1811 entdeckte er mit letzterm die berühmten äginetischen Statuen (jetzt in der Münchener Glyptothek). In Phigalia grub H. mit Gropius, Linckh, Stackelberg, Bröndsted und Foster die Tempelruine aus. Der dort gefundene Fries befindet sich im Britischen Museum. Später leitete er noch in Ithaka und im Theater zu Milo Ausgrabungen. Er starb 5. Nov. 1817 zu Ampelakia in Thessalien.

Hallerde, s. Salzthon.

Hallermund (Hallermünde), ehemalige Reichsgrafschaft im hannöv. Fürstentum Kalenberg, 55 qkm groß, mit dem Hauptort Eldagsen, fiel, nachdem die Grafen von H. 1191 im Mannesstamm ausgestorben waren, an die Grafen von Käfernburg (Schwarzburg), welche in H. eine Seitenlinie gründeten. Nach ihrem Aussterben 1436 kam H. an Braunschweig und 1707 an die Grafen von Platen (s. d.).

Hallers saure Mischung (Mixtura sulfurica acida, Elixir acidum Halleri), Mischung aus 1 Teil Schwefelsäure und 3 Teilen Spiritus, wird mit Wasser verdünnt bei Blutungen, Kongestionen, Schwäche, auch äußerlich als Einreibung benutzt.

Hallertau, Landschaft, s. Holledau.

Halley (spr. hälli), Edmund, engl. Mathematiker u. Astronom, geb. 29. Okt. 1656 zu Haggerston bei London, studierte in Oxford Mathematik und Astronomie und veröffentlichte schon 1677 eine Methode, die Aphelien und Exzentrizitäten der Planeten zu bestimmen ("Methodus directa geometrica investigandi excentricitates planetarum"), ging 1677 nach St. Helena und bestimmte dort die Sterne des südlichen Himmels ("Catalogus stellarum australium", Lond. 1679). In Aufträgen der königlichen Societät, deren Sekretär er später wurde, begab er sich nach Danzig, zunächst um den zwischen Hooke und Hevelius entstandenen wissenschaftlichen Streit zu schlichten, 1680-81 nach Frankreich und Italien, um einen gegenseitigen Verkehr zwischen den Sternwarten von Greenwich und Paris anzubahnen. Zwischen Calais und Paris beobachtete er den nach ihm benannten berühmten Kometen. 1677 und später wiederholt machte er auf die Wichtigkeit der Venusdurchgänge für die Bestimmung der Sonnenparallaxe aufmerksam. 1698-1700 machte er zwei Reisen nach Amerika, um die Richtung der Magnetnadel an verschiedenen Punkten der Erdoberfläche zu bestimmen, und gab 1701 die erste größere Karte der magnetischen Deklination heraus. 1703 zum Professor der Geometrie an der Universität zu Oxford ernannt, bearbeitete er die Theorie des Mondes, um sie bis zur Anwendung auf Längenbestimmungen zur See zu vervollkommnen. 1705 berechnete er nach neuen Methoden die Bahnelemente der Kometen von 1531, 1607 und 1682 und sprach die Vermutung aus, daß diese Erscheinungen sämtlich Wiederkünfte eines und desselben Kometen seien, der gegen Anfang 1759 zurückkehren werde. Diese Voraussage bestätigte sich, und der Komet wird seitdem als Halleyscher bezeichnet. Nach Flamsteeds Tod 1719 zum königlichen Astronomen in Greenwich ernannt, gab er seine Stelle als Sekretär der königlichen Societät auf und starb 14. Jan. 1742. Die vorzüglichste Frucht seiner gelehrten Arbeiten sind seine "Tabulae astronomicae" (Lond. 1749 und, von Lalande hrsg., Par. 1759), die Verbesserung der Taucherglocke und die Erfindung des Spiegeloktanten, eines zu astronomischen Beobachtungen auf dem Meer sehr brauchbaren Instruments. Seine Ausgabe des Ptolemäischen Sternverzeichnisses in den "Geographiae veteris scriptores graeci minores" ist die korrekteste, eleganteste und bequemste von allen.

Halleysche Periode, s. Chaldäa.

Hallier (spr. hallihr), Ernst, Botaniker, geb. 15. Nov. 1831 zu Hamburg, erlernte 1848-51 in Jena die Gärtnerei, studierte 1855-58 Naturwissenschaft und Philosophie in Berlin, Jena und Göttingen, ward 1858 Lehrer am pharmazeutischen Institut in Jena, habilitierte sich daselbst 1860 als Privatdozent für Botanik und erhielt 1865 eine außerordentliche Professur. 1884 legte er seine Professur nieder und lebt