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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ham - Hamann.

Ham (spr. hamm, West-H.), vorstädtischer Bezirk von London, in der englischen Grafschaft Essex, jenseit des Lea, der sich von Stratford le Bow bis gegenüber Woolwich erstreckt und (1881) 128,953 Einwohner hat. Es gehören zu ihm die Stadtteile Stratford le Bow (s. d.), West- und Ost-H., Plaistow, Canningtown, Silvertown und Nord-Woolwich. Den südlichen Teil durchziehen in einer Länge von 4400 m die Viktoria- und Albert-Docks. Neben Gemüsegärten sind Fabriken zahlreich; die Industrie liefert namentlich Chemikalien, Seife, Öl, Lichte und Zündhölzer, künstlichen Dünger, Gummiwaren, Zement, Teer, Maschinen, Dampfkessel und auch eiserne Schiffe. Der früher lebhafte Schiffbau hat sich indes meist nach den Häfen des Nordens gezogen. S. "Karte der Umgebung von London".

Ham (spr. amm), Stadt im franz. Departement Somme, Arrondissement Péronne, an der Somme und der Nordbahn, inmitten ausgedehnter Sümpfe gelegen, hat eine Abteikirche aus dem 12. Jahrh., mit Krypte und alten Grabmälern, ein altes, aus mehreren starken, 30 m hohen, durch Mauern verbundenen Türmen bestehendes Kastell und (1881) 3043 Einw., welche Torfgewinnung, Zucker- und Ölfabrikation betreiben. Das Kastell diente als Staatsgefängnis, in welchem unter andern von 1830 bis 1836 die letzten Minister Karls X., der Fürst Polignac, Peyronnet, Chantelauze und Guernon de Ranville, später (1840-1846) Ludwig Napoleon nach dem Boulogner Attentat und nach dem 2. Dez. 1851 mehrere Generale und Deputierte gefangen saßen. Im deutsch-französischen Krieg ward H. 21. Nov. 1870 von den Deutschen besetzt, dann 10. Dez. von der 1. Division der Faidherbeschen Armee wieder genommen, beim Herannahen Manteuffels von den Franzosen geräumt und von den Deutschen wieder besetzt. Vgl. Gomard, H., son château et ses prisonniers (St.-Quentin 1864).

Ham, Sohn Noahs, s. Cham.

Ham., Hamilt., bei botan. Namen Abkürzung für W. Hamilton. Flora Westindiens (1825).

Hama, Hauptstadt eines Sandschaks im asiatisch-türk. Wilajet Syrien, am Nahr el Asi (Orontes), von vielen Gärten umgeben, eng und unregelmäßig bergauf und bergab gebaut, hat schlecht gepflasterte Straßen, 13 Moscheen, öffentliche Bäder, eine Menge riesiger Schöpfräder und angeblich 45,000 Einw. (darunter 2-3000 griechische Christen und einige Juden), welche grobe wollene Mäntel und Garne fabrizieren. Der Handel richtet sich nach Tarabulus und Latakieh. - H. ist das Hamat der Bibel, einst ein selbständiges Reich an der Nordgrenze der jüdischen Monarchie. In hellenistischer Zeit erscheint der Ort unter dem Namen Epiphania. Im Mittelalter ist er wieder Zentrum eines kleinen Reichs (vgl. Abulfeda). Berühmt sind die "Hamah stones", vier hier gefundene, noch unentzifferte Inschriften (jetzt in Konstantinopel).

Hamaaloth, s. Schir Hamaaloth.

Hamâda (Hammada), Name der felsigen, wasserlosen Hochebenen in der Sahara, welche durch niedrigere Dünenregionen voneinander geschieden sind und besonders charakteristisch im W. des Tuareglandes bis an den Ozean, Senegal und Niger hin auftreten. Ganz mit Rollkieseln oder spitzen Steinen bedeckt, schließen die Hamâdas jede Kultur aus; nur vereinzelt werden sie, wie die H. el Homra ("die rote H."), welche Tripolis von den Tuareg und Fezzan scheidet, von tiefen und fruchtbaren Thälern durchbrochen.

Hamadan, Stadt in der pers. Provinz Irak Adschmi, in einer ausgedehnten und wohlbewässerten Ebene am Nordfuß des Elwend (Orontes), mit ziemlich verfallenen Moscheen und Bazaren, mehreren Grabmonumenten (z. B. von Avicenna), ferner den angeblichen Grabmälern der Esther und des Mardochai, zu denen die Juden wallfahrten, und 30-40,000 persischen Einwohnern, während in der Umgebung nur Türken wohnen. Die Juden zählen gegen 1000 Familien. Die Industrie liefert besonders Wollteppiche und vorzügliches Saffianleder, die Landwirtschaft treffliche Trauben (zu Rosinen) und viel Mohn (zur Opiumbereitung). Für den Handel zwischen Teheran und Bagdad ist der Ort wichtig, auch der Verkehr nach Luristan ist bedeutend. H. steht auf den Trümmern von Ekbatana (s. d.), daher die vielen kleinen Altertümer, wie Münzen, Schmucktrümmer, Votivgegenstände (in Gestalt von Vögeln, Fischen, Händen etc.), die sich im Boden der Umgegend finden.

Hamadryaden (griech.), s. v. w. Dryaden.

Hamadryas, s. Pavian.

Hämagoga (griech.), "blutausleerende" Mittel, wie Aderlaß, Blutegel, Schröpfen etc.

Hamal, der Fixstern a dritter Größe am Kopf des Widders, einer der Besselschen Fundamentalsterne.

Hamam (arab.), das Bad in der Türkei und allen mosleminischen Ländern; eigentlich ein Schwitzbad, das, unterirdisch geheizt, in gewissen Räumen oft die Temperatur von 40° R. erreicht. Im innersten Raum befinden sich kleine Zellen behufs Waschungen, in welche das warme Wasser mittels Röhren geleitet wird. Diese Bäder sind unter gleicher Benennung oder als Turkish baths auch in England eingeführt worden. Die schönsten und luxuriösesten Hamams sind in Konstantinopel anzutreffen und dort das Werk frommer Stiftungen. H. parasi, Trinkgeld, eigentlich Badegeld. Hamamdschi, Aufseher oder Inhaber eines Bades. Vgl. Vambéry, Sittenbilder aus dem Morgenland (Berl. 1876).

Hamamelideen, dikotyle, etwa 30 Arten umfassende, in Amerika, Asien und Afrika einheimische Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Saxifraginen, Holzpflanzen mit abwechselnden Blättern und variabel gebauten Blüten, die sich von denen der verwandten Saxifragaceen im wesentlichen nicht unterscheiden. Auch die Familie der Bucklandiaceen steht mit den H. in naher Verwandtschaft.

Hamamelis L. (Zaubernuß), Gattung aus der Familie der Hamamelideen, Sträucher mit eirunden, gekerbten Blättern, gelben, im Herbst erscheinenden, zu 2-3 knäuelförmig vereinigten Blüten und im nächsten Jahre reifenden holzigen Kapseln. H. virginica L., auf der Ostseite Nordamerikas, ein 1-3 m hoher Strauch, der an unsre Hasel erinnert, mit kurzgestielten, eirund-länglichen, grob gekerbten, nur in der Jugend unterseits behaarten Blättern und linienförmigen, gelben Blumenblättern, wird von den Indianern zu allerlei geheimnisvollen Gebräuchen benutzt und bei uns als Zierstrauch kultiviert.

Haman, Günstling des pers. Königs Ahasverus (Xerxes), (Esther 3, 1 ff.), suchte aus Erbitterung gegen Mardochai den König zur Vertilgung sämtlicher Juden zu bestimmen, fiel aber in königliche Ungnade und fand durch Esther und Mardochai selbst den Tod am Galgen. Zum Andenken daran wurde später Purim (s. Feste, S. 171), selten Hamansfest genannt, gefeiert.

Hamann, Johann Georg, deutscher Schriftsteller, gemeinhin der Magus aus Norden genannt, geb. 27. Aug. 1730 zu Königsberg i. Pr., widmete sich seit 1746 daselbst dem Studium der Philosophie, sodann dem der Theologie und endlich dem der Rechte, beschäf-^[folgende Seite]