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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Halsschwindsucht - Halys.

(torques). Letztere wurden seit den Kriegen mit den Galliern, wo T. Manlius sich mit der Kette eines erlegten Feindes schmückte (daher Torquatus), auch wohl über der Rüstung getragen und vertraten in gewisser Hinsicht die Stelle unsrer Orden, wenn sie der Feldherr als Belohnung verlieh. Die römischen Frauen verwendeten in der spätern Zeit auf solchen H. ungeheure Summen. Perlenhalsbänder kamen zuerst zu Alexanders d. Gr. Zeit in Gebrauch, galten noch bei den Römern als etwas höchst Kostbares und wurden auch mehrfach um den Hals geschlungen oder hingen bis auf die Brust herab und trugen dann zuweilen eine kleine Kapsel (bulla), die ein Amulett gegen Krankheit und Fascination enthielt. Die Germanen trugen Ringe aus gewundenem Bronzedraht, außerdem Schnüre von Glas- und Metallperlen, seltener Ketten, die erst im Mittelalter bei den Rittern lang herabhängend üblich wurden, um den Hals. Zu einer Spezialität der Juwelier- und Goldschmiedekunst wurde der H. in der Renaissance und ist seitdem ein bevorzugter Gegenstand künstlerischer Behandlung geblieben. (S. umstehende Abbildung und die Tafeln "Kostüme" I, Fig. 13; Tafel II, Fig. 7, 9, 11 u. 13; Tafel III, Fig. 2, 4 u. 8.) Diamanten und Halbedelsteine, Perlen, Kameen, Gemmen und Email werden mit Gold und Silber zu den reizvollsten Kombinationen verbunden. Vgl. auch die Tafel "Schmucksachen" und in Bezug auf vorhistorischen H. die Tafeln "Metallzeit I u. II".

Halsschwindsucht, s. v. w. Kehlkopfschwindsucht.

Halstead (spr. hällsted), Stadt in der engl. Grafschaft Essex, nordwestlich von Colchester, am Colne, mit Fabriken für Seide, Samt und Flor, Strohflechterei, Papiermühlen und (1881) 5804 Einw.

Halstuch kam als Teil der männlichen Kleidung zur Zeit Ludwigs XIV. auf, als der herrschende breite Reiterkragen durch die Allongeperücke verdrängt wurde. Es wurde aus feinem, weißem (bei den untern Ständen auch farbigem oder schwarzem) Stoff gefertigt und unter dem Kinn gebunden, so daß die in Falten gelegten und mit Spitzen besetzten Zipfel auf die Brust herabfielen. Im 18. Jahrh. war es lange Zeit durch das Jabot, die Busenkrause, verdrängt, bis es in den 80er Jahren wieder auftrat. Es bestand damals aus feiner weißer Leinwand und umschloß den umgeschlagenen Hemdkragen. Zur Zeit der französischen Revolution wuchsen die Halstücher bis übers Kinn hinauf und wurden bis zu dreien übereinander getragen, bis sie sich mit dem nun aufrecht stehenden Hemdkragen (Vatermörder) allmählich wieder verkleinerten und senkten. Jabots waren noch bis in die 20er Jahre im Gebrauch; dann kam das schwarze H. auf, seit 1830 auch in Form gesteifter Halsbinden. Seit Beginn der 50er Jahre besteht das H. meist nur noch aus einem Band oder wird durch die sogen. Krawatten oder Schlipse, die durch einen Mechanismus befestigt werden, vertreten. S. Tafel "Kostüme III", Fig. 7, 10, 12 u. 13.

Halsvogel, s. v. w. Mandelkrähe.

Halswirbel, s. Wirbelsäule.

Haltaus, Christian Gottlob, deutscher Historiker und Sprachgelehrter, geb. 24. April 1702 zu Leipzig, wurde 1746 Konrektor und 1752 Rektor der Nikolaischule daselbst, wo er 11. Febr. 1758 starb. Durch sein "Calendarium medii aevi, praecipue germanicum" (Leipz. 1729; deutsch von Scheffer, Erlang. 1797) brach er spätern Forschern die Bahn. Wertvoll ist noch immer sein "Glossarium germanicum medii aevi" (mit einer Vorrede von J. G. Böhme, Leipz. 1758, 2 Bde.).

Haltefrauen, s. Engelmacherinnen.

Halteren (griech.), Metallstücke, die man bei Springübungen zur Verstärkung des Schwunges in den Händen hielt. Der Gestalt nach waren sie entweder halboval mit je einer Öffnung, um die Hand hindurchzustecken, oder es waren je zwei Kugeln durch ein dünneres Glied miteinander verbunden. Ihre praktische Brauchbarkeit beim Weitsprung scheint zweifelhaft, ist aber durch praktische Versuche in der Zentralturnanstalt zu Berlin erwiesen. Beim Absprung vom Sprungbrett wurden die bis dahin zurückgehaltenen Arme plötzlich vorgeschleudert, dadurch der Oberkörper mehr nach vorn gebeugt und so der Sprung erleichtert. Beim Niederspringen verhüteten sie das sonst unvermeidliche Hinfallen, indem sie, plötzlich wieder nach hinten geworfen, dem Körper das Gleichgewicht wiedergaben. Vgl. Phayllos. - In der zoologischen Terminologie heißen H. oder Schwingkölbchen die verkümmerten Hinterflügel der Zweiflügler (Diptera); sie bestehen aus einem dünnen Stiel mit kugeligem Endknopf und sind häufig von einem kleinern oder größern, einfachen oder doppelten Flügelschüppchen bedeckt. Werden sie dem lebenden Tier abgeschnitten, so fliegt dieses nicht mehr freiwillig und läßt sich, in die Luft geworfen, rasch und in unregelmäßigen Bahnen zur Erde nieder, scheint also seinen Orientierungsapparat eingebüßt zu haben. In der That finden sich auch in den H. besondere Sinnesorgane, die aber von einigen Forschern als Ohr gedeutet werden.

Haltern, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Münster, Kreis Koesfeld, 45 m ü. M., am Einfluß der Steuer in die Lippe, Knotenpunkt der Linien Wanne-Bremen und Venloo-Wesel-H. der Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, eine Synagoge, ein Amtsgericht, Landwirtschaft und (1885) 3004 meist kath. Einwohner.

Haltica, s. Erdflöhe.

Haltung, in der Börsensprache s. v. w. Verlauf der Geschäfte; man spricht demgemäß von matter, fester, abwartender H. Papiere halten sich, wenn sie ihren Kurs behaupten. In der Malerei bezeichnet H. die Abstufung und harmonische Verteilung von Licht und Schatten in einem Bild; in der Schauspielkunst die Beobachtung des durch den darzustellenden Charakter geforderten Verhältnisses der einzelnen Teile der Darstellung, also sowohl der Gebärden wie des rentierenden Vortrags.

Halurgie (griech., Halotechnik), die Lehre von der Gewinnung des Kochsalzes.

Halver, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Altena, hat bedeutende Fabrikation in Eisenwaren und landwirtschaftlichen Maschinen und (1885) 7781 meist evang. Einwohner.

Halymenia Agardh (Seeband, Hautalge, Hauttang), Algengattung aus der Ordnung der Florideen, Meergewächse mit bandförmig flachem, dünnhäutigem, gallertartigem und schlüpfrigem Laub von verschiedener Gestalt, in welchem die Sporenfrüchte eingesenkt sind, so daß sie nur an der Oberfläche mit ihrer Mündung punktförmig vorstehen. Von H. edulis Ag., in der Nordsee und im Atlantischen Ozean an den europäischen Küsten, wird das dicke, saftige, dunkel blutrote, matte, spannen- bis fußlange, flache, fast keilförmige, ganzrandige oder zerschlitzte, an der Basis in einen rabenfederdicken Stiel verschmälerte Laub in Irland und Schottland als Gemüse und Salat gegessen.

Halys, alter Name des Flusses Kisil Irmak in Kleinasien, in alter Zeit Ostgrenze des Lydierreichs.