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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hanfpappel - Hängen.

zu den trocknenden Ölen. Das spezifische Gewicht des Hanföls ist bei 15° C. 0,93; bei -11° C. ist es noch vollkommen flüssig, und erst bei -27° erstarrt es zu einer bräunlichgelben Masse. Das H. löst sich in 30 Teilen kaltem, leichter in kochendem Alkohol. Läßt man es in stachen Schalen im Sonnenlicht stehen, so wird es gebleicht und nimmt erst die Konsistenz eines sehr dicken Balsams an, ehe es völlig austrocknet. Das H. wird in allen Ländern, wo Hanf gebaut wird, dargestellt, besonders aber in Rußland. Man raffiniert es mit Schwefelsäure und benutzt es dann als Brennöl; am häufigsten aber dient es zur Darstellung grüner Seife, zur Ölgaserzeugung, zum Malen und zur Teerbereitung.

Hanfpappel, s. Malva.

Hanfstängl, 1) Franz von, Lithograph und Photograph, geb. 1. März 1804 zu Bayernrain im bayrischen Hochland, kam 1816 nach München in die Zeichenschule, sodann in die lithographische Anstalt des Professors Mitterer, der ihn an seinen Versuchen zur Vervollkommnung der Lithographie teilnehmen ließ, mit deren Erfinder H. in vielfachen Verkehr kam. Nachdem er von 1819 bis 1825 die Akademie besucht hatte, kehrte er zur Lithographie zurück. Im J. 1834 eröffnete er ein lithographisches Atelier, das er bald zu hoher Blüte brachte, und publizierte eine große Anzahl von ihm selbst gezeichneter Porträte. In demselben Jahr begab er sich nach Paris, namentlich um Lemerciers Betrieb der Lithographie kennen zu lernen. 1835 erhielt er einen Ruf nach Dresden, um dort auf Staatskosten die Nachbildung der vorzüglichsten Gemälde der dortigen Galerie in Lithographien zu übernehmen. Das Werk, erst 1852 vollendet, zählt 190 große, von H. eigenhändig gearbeitete Blätter. Im J. 1844 kaufte H. das alte Schloß Pähl unweit des Ammersees, das seitdem der Sammelpunkt zahlreicher Münchener Künstler ward. Zu gleicher Zeit errichtete er in München ein neues großes Atelier, während er das zu Dresden seinen durch ihn ebenfalls zu Künstlern herangebildeten Brüdern Hans und Max überließ. Hanfstängls Drucke zeichnen sich durch Reinheit, Klarheit und Kraft aus und bestehen neben den besten französischen und englischen Lithographien nicht nur die Probe, sondern behaupten in Hinsicht auf Harmonie noch den Vorzug vor jenen. Im J. 1848 wandte er sich fast ausschließlich der von Franz v. Kobell erfundenen, von Leo Schöninger ausgebildeten Galvanographie (s. d.) zu und errichtete eine galvanographische Anstalt, aus welcher viele Blätter, wie der Colombo nach Ruben, die Prozeßentscheidung nach Flüggen etc., hervorgingen. Im J. 1853 gab er jedoch diesen Kunstzweig wieder auf, um sich der Photographie zuzuwenden, und gründete in München ein Atelier, dessen Erzeugnisse bereits 1854 zu Brüssel, dann zu München und Paris bei den Ausstellungen die ersten Medaillen gewannen und mit der weitern Ausbildung der Photographie und der auf ihr begründeten Reproduktionsverfahren (Lichtdruck und Heliogravüre) immer weiter vervollkommt wurden. Zu Aufnahmen nach der Natur gesellten sich später solche nach modernen und alten Gemälden. H. starb 18. April 1877. Das von ihm begründete Geschäft wird von seinen Erben fortgeführt.

2) Marie, geborne Schröder, Bühnensängerin, geb. 30. April 1848 zu Breslau, begann hier ihre Gesangstudien, studierte darauf zwei Jahre bei Frau Viardot-Garcia in Baden-Baden und ging 1866 nach Paris, wo sie sofort ein vorteilhaftes Engagement am Théâtre lyrique bekam, das sie 1870 mit einem noch glänzendern an der Italienischen Oper vertauschen sollte, als der Krieg dies verhinderte. Nach Deutschland zurückgekehrt, wurde sie 1871 am Hoftheater in Stuttgart engagiert und 1873 zur königlich württembergischen Kammersängerin ernannt. Sie gastierte während der Weltausstellung in Wien mit so großem Erfolg, daß ihr dort vorteilhafte Engagementsanträge zugingen, die sie aber ablehnte. 1878 machte sie bei Vannucini in Florenz noch Gesangstudien und wurde dort Ehrenmitglied der Philharmonischen Gesellschaft. Seit 1873 ist sie die Gattin des Photographen Erwin H. in Stuttgart. Schöne, trefflich geschulte Stimme und glänzende Virtuosität des Vortrags machen sie zu einer ausgezeichneten Koloratursängerin. Zu ihren besten Rollen gehören: Rosine ("Barbier"), Gretchen (in Gounods "Faust"), Amine ("Nachtwandlerin"), Philine ("Mignon"), Lucia, Martha etc.

Hangard (franz., spr. anggar), Schutzdach, offener Schuppen; in der Befestigungskunst größere Schutzhohlräume unter dem Wall für Mannschaften und Material; in der Neuzeit auch für Friedenskasernierung (Hangardkaserne) eingerichtet.

Hangbau, s. Bewässerung, S. 859.

Hängebank (Tagekranz), das oberste, über Tage befindliche Gerüst eines Schachtes, von dessen Bretterbelegung aus die aus der Schachtmündung hervortretenden vollen Fördergefäße entleert und die leeren in den Schacht eingelassen werden, welch letzterer hierauf mit einer Klappe an seiner Mündung geschlossen wird.

Hängebauch, übermäßige Ausdehnung des Leibes schwangerer Frauen bei zu reichlichem Fruchtwasser und Zwillingen, erfordert das Anlegen zweckmäßiger Bandagen und ruhiges Verhalten. Bei schlaffer Konstitution bildet sich oft auch nach Entbindungen ein H., indem die während der Schwangerschaft erfolgte starke Ausdehnung der betreffenden Körperteile nicht wieder hinreichend zurückgeht. Diese lästige Erscheinung wird vermieden, wenn bald nach der Entbindung Bandagen angelegt werden.

Hängebock, Holzverbindung, s. Bock.

Hängebrücke, s. Brücke, S. 495.

Hängefrucht, s. Eccremocarpus.

Hängefrüchtchen, s. Doldenfrüchtchen.

Hängelampe, eine an der Decke befestigte Lampe, welche mittels Ketten und Glieder, die durch eine durchbrochene Rosette laufen, hinauf- und herabgezogen werden kann. Die H. ist keine Erfindung der Neuzeit, sondern schon im 15. Jahrh. in den Niederlanden im Gebrauch gewesen.

Hängematten, die hangenden Betten der Kriegsschiffsmatrosen aus Segeltuch mit Leinen an den Enden, die durch Ringe vereinigt werden. Mittels dieser Ringe werden die H. an Haken der Deckbalken zur Nachtruhe aufgehängt, frühmorgens aber in ihre Magazine (die Finknetze) zurückverstaut, Kasten, welche in einer Auskehlung der bordlängs sich erstreckenden Brustwehr (Reling) angeordnet sind. Matrosen auf Handelsschiffen schlafen in mit dem Schiffskörper fest verbundenen Bettstätten (Kojen). In den Tropenländern gebraucht man die H. auch am Land, um sich vor dem auf der Erde kriechenden Ungeziefer zu sichern, und benutzt dann im Freien gewöhnlich Bäume zum Aufhängen derselben.

Hängen (Henken, Suspensio), eine gewaltsame Todesart, die als Strafe noch in manchen Ländern, wie in England, Österreich-Ungarn und in den Vereinigten Staaten, im Gebrauch ist (s. Galgen). Der Tod erfolgt hierbei in der Regel durch Erstickung. Geschickte Henker haben ihn aber noch schneller, durch