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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hänslein; Hanslick; Hansom; Hanssen; Hansteen; Hanstein

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Hänslein - Hanstein.

samsten wurde sein "Liederbuch für Deutsche in Böhmen" (Prag 1864), welches den nationalen Kampf mutig aufnahm und, von namhaften Tonsetzern mit Melodien versehen, weite Verbreitung fand. Samt den Kompositionen erschienen die Lieder im "Liederbuch für Männergesang" (Prag 1865). Außerdem schrieb H.: "Kaiserkronen und Schwertlilien", patriotische Dichtungen (Pilsen 1868), und die Romane: "Begebnisse auf einem böhmischen Grenzschloß" (Wien 1863) und "Ich oder du" (1873). - Seine Gemahlin Therese, geborne Jobisch, geb. 28. März 1833 zu Budweis, jetzt in Berlin wohnhaft, ist unter dem Pseudonym Theodor Reinwald als gute Erzählerin hervorgetreten. Sie veröffentlichte den Roman "Dunkle Fügungen" (Prag 1862) und "Gesammelte Novellen" (das. 1874, 2 Bde.).

Hänslein oder Schecke (v. engl. jacket), Scheckenrock, der im 14. Jahrh. in Deutschland aufgekommene Name des kurzen, engen, unter den andern Gewändern, jedoch auch über dem Harnisch getragenen Rockes mit engen, ganzen oder halben Ärmeln. Die Benennung war ebenso von dem Namen Hans hergenommen worden wie die Bezeichnung Jacke (Jackett) von Jakob.

Hanslick, Eduard, Musikschriftsteller, geb. 11. Sept. 1825 zu Prag, Sohn des böhmischen Bibliographen Joseph Adolf H. (gest. 2. Febr. 1859), widmete sich den juridischen Studien, welche er in Wien 1849 vollendete, und schlug dann die Staatskarriere ein. Neben seinen Berufsarbeiten hatte er von Jugend auf mit großer Liebe die Musik gepflegt und noch in Prag unter Tomaschek Komposition und Klavierspiel studiert; von 1856 an widmete er sich jedoch ausschließlich der Musik, indem er sich als Privatdozent für Ästhetik und Geschichte der Tonkunst an der Wiener Universität habilitierte, welche ihn 1861 zum außerordentlichen, später zum ordentlichen Professor ernannte. H. hat sich durch zahlreiche und gediegene Kritiken in Zeitschriften (namentlich in der "Presse" und seit 1864 in der "Neuen Freien Presse"), besonders aber durch sein Werk "Vom Musikalisch-Schönen" (Leipz. 1854, 7. Aufl. 1885) einen geachteten Namen gemacht. Prinzipieller Gegner der neuen Musikrichtung, bestreitet H. in der genannten Schrift die Ansicht, daß es Aufgabe der Tonkunst sei, Gefühle darzustellen und zu erregen, wogegen er behauptet, daß die Musik als Kunst, wie jede andre Kunst, nichts andres darzustellen habe als die reine Schönheit, und daß bei ihr Inhalt und Form eins seien. Ferner veröffentlichte er: "Geschichte des Konzertwesens in Wien" (Wien 1869-70, 2 Bde.); "Aus dem Konzertsaal", eine Sammlung seiner 1848-68 geschriebenen Kritiken und Aufsätze (das. 1870); "Die moderne Oper; Kritiken und Studien" (Berl. 1875, 3. Aufl. 1885; neue Folge 1879); "Aus dem Opernleben der Gegenwart" (das. 1884) und "Suite, Aufsätze über Musik und Musiker" (Teschen 1885).

Hansom (engl., spr. hännssöm), eine nach dem Erfinder benannte zweiräderige schnell fahrende Droschke mit nur zwei Sitzen. Der Kutscherbock befindet sich im Rücken der Fahrgäste.

Hanssen, Georg, Nationalökonom, geb. 31. Mai 1809 zu Hamburg, studierte in Heidelberg und Kiel, habilitierte sich 1833 als Privatdozent an der Universität Kiel, war 1834-37 Mitglied der deutschen Abteilung des Generalzoll- und Handelsdepartements in Kopenhagen, wurde hierauf als ordentlicher Professor nach Kiel, 1842 nach Leipzig, 1848 nach Göttingen und 1860 als Dietericis Nachfolger nach Berlin berufen, wo er zugleich Mitglied des Statistischen Bureaus mit dem Titel eines Geheimen Regierungsrats ward. Im J. 1862 erfolgte sodann seine Aufnahme in die Berliner Akademie. Seit 1869 wirkte er wieder an der Universität zu Göttingen. H. hat vorzüglich einzelne nationalökonomische oder finanzielle Fragen geschichtlich behandelt. Viele seiner Arbeiten sind im "Neuen staatsbürgerlichen Magazin", im "Journal für Landwirtschaft", in der "Tübinger Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft" und in dem in neuer Folge von H. in Gemeinschaft mit Rau herausgegebenen "Archiv der politischen Ökonomie" enthalten. Von besonders erschienenen Schriften Hanssens sind zu erwähnen: "Historisch-statistische Darstellung der Insel Fehmarn" (Altona 1832); "Statistische Forschungen über das Herzogtum Schleswig" (das. 1832-33, 2 Hefte); "Das Amt Bordesholm" (Kiel 1842); "Die Aufhebung der Leibeigenschaft und die Umgestaltung der gutsherrlich-bäuerlichen Verhältnisse in Schleswig-Holstein" (Petersb. 1861); "Die Gehöferschaften im Regierungsbezirk Trier" (Berl. 1863); "Über die Fleischkonsumtion in Deutschland" (Götting. 1872); "Zur Geschichte norddeutscher Gutswirtschaft seit Ende des 16. Jahrhunderts" (das. 1875). Eine Sammlung früherer Arbeiten gab er als "Agrarhistorische Abhandlungen" (Leipz. 1880-84, 2 Bde.) heraus. Ein Verzeichnis seiner Schriften enthält Heft 4 der "Jahrbücher für Nationalökonomie" 1880.

Hansteen, Christopher, Astronom, geb. 26. Sept. 1784 zu Christiania, studierte in Kopenhagen die Rechte, dann Mathematik, ward Lehrer zu Frederiksborg auf Seeland und erhielt auf Grund einer Schrift über den Erdmagnetismus 1814 einen Ruf als Professor an die Universität zu Christiania. Seine "Untersuchungen über den Magnetismus der Erde" (Christ. 1819, mit Atlas) gaben Veranlassung, daß auf fast allen seitdem gemachten Entdeckungsreisen magnetische Beobachtungen nach seinem Verfahren angestellt wurden. H. selbst unternahm zu diesem Zweck viele Reisen, namentlich auch 1828-30 eine solche in Begleitung von Erman aus Berlin und Leutnant Due von der norwegischen Marine nach Sibirien bis Irkutsk und Kiachta. Die Resultate dieser Reise finden sich in den "Reiseerinnerungen aus Sibirien" (deutsch von Sebald, Leipz. 1854) und in dem Hauptwerk: "Resultate magnetischer, astronomischer und meteorologischer Beobachtungen auf einer Reise nach Sibirien" (Christ. 1863). Unter Hansteens Leitung wurden die Sternwarte zu Christiania und das magnetische Observatorium im Park der Sternwarte angelegt (vgl. "Beschreibung und Lage der Universitäts-Sternwarte in Christiania", Christ. 1849). H. hielt nicht nur an der Universität, sondern auch an der Artillerie- und Ingenieurschule Vorlesungen über angewandte Mathematik und leitete seit 1837 die trigonometrische Vermessung Norwegens; auch wurde bei der großen russisch-skandinavischen Breitengradmessung unter seiner Leitung 1845-60 der Bogen von Fuglenäs bei Hammerfest unter 70° 40' bis Atjik unter 68° 54' gemessen. Er starb 11. April 1873 in Christiania. Von seinen übrigen Schriften sind zu nennen: "Vorlesungen über die Astronomie", ein "Lehrbuch der Geometrie" (Christ. 1835), "Reiseerinnerungen aus Sibirien" (deutsch, Leipz. 1854; franz., Par. 1857), ein sehr wertvolles "Lehrbuch der Mechanik" (Christ. 1836-38) und der "Norwegische Almanach"; seit 1822 redigierte er mit Lundh und Maschmann das "Magazin for Naturvidenskaberne".

Hanstein, Johannes von, Botaniker, geb. 15. Mai 1822 zu Potsdam, erlernte die Gärtnerei, be-^[folgende Seite]