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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Harnstoff - Háromszék.

bei Berührung des Steins. Hat man sich von dem Vorhandensein eines Steins in der Blase überzeugt, so ist die Entfernung desselben angezeigt. Diese kann aber nur in zweierlei Weise geschehen: entweder durch Eröffnen der Blase von außen her (Steinschnitt, Lithotomie) oder durch mechanische Zertrümmerung des Steins innerhalb der Blase und Ausspülen, resp. Ausziehen der Fragmente durch die Harnröhre (Steinzertrümmerung, Lithotripsie). Denn weder durch innere Mittel noch durch chemische Agenzien, welche man in die Blase direkt einspritzt, ist bis jetzt die Auflösung oder Verkleinerung des Steins erreicht worden. Vgl. Ebstein, Die Naturbehandlung der H. (Wiesb. 1884).

Harnstoff (Karbamid) CH4N2O ^[CH_{4}N_{2}O] findet sich im Harn aller Säugetiere (besonders der Fleischfresser), der Vögel, Reptilien und andrer Tiere, in geringer Menge auch im Blut, im Chylus sowie im Schweiß. In den Muskeln der meisten Wirbeltiere scheint der H. ganz zu fehlen; dagegen findet er sich in sämtlichen Organen der Knorpelfische, besonders der Plagiostomen, und in dem alkalischen Saft, welchen gereizte Kröten aus den Hautdrüsen absondern. Bei Unterdrückung der Nierenfunktion steigert sich der Harnstoffgehalt in fast allen Flüssigkeiten, und man findet ihn dann auch im Speichel, in der Galle, im erbrochenen Magensaft, in der Milch, im Eiter etc. Der H. ist isomer mit cyansaurem Ammoniak und entsteht, wenn man die Lösung desselben zur Trockne verdampft, ferner beim Erhitzen von kohlensaurem oder karbaminsaurem Ammoniak auf 130-140°, bei der trocknen Destillation der Harnsäure, bei Einwirkung von Alkalien auf Kreatin und von übermangansaurem Kali auf Eiweißkörper etc. Zur Darstellung von H. verdampft man Harn zur Sirupskonsistenz, mischt ihn bei sehr niedriger Temperatur mit konzentrierter Salpetersäure, reinigt den ausgeschiedenen salpetersauren H., zersetzt ihn mit kohlensaurem Baryt und zieht aus der zur Trockne gebrachten Masse den H. mit Weingeist aus. Auch durch Versetzen einer Lösung von cyansaurem Kali mit schwefelsaurem Ammoniak, Verdampfen und Ausziehen des Rückstandes mit Alkohol kann man H. erhalten. Er bildet farb- und geruchlose Kristalle, schmeckt dem Salpeter ähnlich kühlend, löst sich leicht in Wasser und Weingeist, nicht in Äther, ist völlig neutral, verbindet sich aber mit Sauerstoffsäuren zu salzartigen Körpern, von denen besonders der salpetersaure CH4N2O.HNO3 ^[CH_{4}N_{2}O.HNO_{3}] und der oxalsaure H. CH4N2O.C2H2O4 + 2H2O ^[CH_{4}N_{2}O.C_{2}H_{2}O_{4} + 2H_{2}O] in Wasser schwer löslich sind. H. ist nicht flüchtig, er schmilzt bei 120° und zersetzt sich bei wenig höherer Temperatur. Beim Erhitzen mit Wasser über 100° und bei der Einwirkung von Alkalien und Fäulnisfermenten zerfällt er in Wasser, Kohlensäure und Ammoniak. H. ist das letzte im Körper gebildete Zersetzungsprodukt der Eiweißsubstanzen im tierischen Organismus, und der größte Teil des in der Nahrung aufgenommenen Stickstoffs wird in Form von H. durch den Harn wieder ausgeschieden. Der H. wird aber nicht erst in den Nieren gebildet, sondern durch dieselben nur aus dem Blut abgesondert, und wenn dies nicht geschieht, so entstehen schwere Störungen der Gesundheit. H. wurde 1773 von Rouelle entdeckt, von Fourcroy und Vauquelin rein dargestellt und von Liebig und Wöhler analysiert. 1828 stellte Wöhler H. aus cyansaurem Ammoniak dar und lieferte damit das erste Beispiel der Darstellung organischer Verbindungen außerhalb des lebenden Organismus.

Harnstrang, s. Urachus.

Harnstrenge (Dysurīa), s. v. w. Harnverhaltung.

Harnträufeln, s. Harnabfluß.

Harntreibende Mittel, Arzneimittel, welche angewendet werden, um krankhafterweise in den Höhlen und Geweben des Körpers angehäufte Flüssigkeiten zur Aufsaugung zu bringen und durch die Harnwerkzeuge aus dem Organismus zu entfernen. Daher werden die harntreibenden Mittel vorzugsweise bei Wassersucht, bei der Brustfellentzündung mit flüssigem Exsudat und bei ähnlichen Affektionen benutzt. Die üblichsten harntreibenden Mittel sind der Aufguß des Fingerhutkrauts, die Meerzwiebel und das essigsaure Kali, welche sämtlich direkt erregend auf das Herz wirken. Ihr Nutzen ist deshalb sehr zweifelhaft.

Harnvergiftung, Harnstoffvergiftung des Bluts, s. Urämie.

Harnverhaltung (Dysurie, Ischurie, Harnstrenge, Anurie), das vollständige Aufhören der Ausleerung des Harns, tritt ein, wenn in den Nieren kein Harn mehr abgeschieden wird, wie bei verschiedenen Formen der Nierenentzündung etc., oder wenn der in der Harnblase angesammelte Harn aus irgend einem mechanischen Grund nicht durch die Harnröhre abfließen kann. Die Entleerung der Harnblase kann verhindert werden durch Entzündungen und Lähmungen derselben, durch Blasensteine, welche die Harnröhre verlegen, durch Vergrößerung der Vorsteherdrüse (besonders häufig bei alten Männern), durch narbige Verengerung der Harnröhre etc. Die H. ist in der Mehrzahl der Fälle ein gefahrdrohender Zustand und kann schon nach sehr kurzer Dauer zum Tod führen. Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen und kann nur von einem Arzt geleitet werden.

Harnwege, die der Harnentleerung dienenden Organe: Harnleiter, Harnblase, Harnröhre.

Harnwerkzeuge, s. Nieren.

Harnwinde, s. Kreuzlähmung.

Harnzucker, der bei der Zuckerharnruhr (s. Harnruhr) im Harn auftretende Zucker, ist identisch mit dem Traubenzucker. Bei einer gewissen Form der Harnruhr findet sich auch Inosit im Harn.

Harnzwang (Bradysurie, Strangurie), der quälende Drang zum Harnen bei nicht gefüllter Blase, der unter schneidenden Schmerzen zur Entleerung von jedesmal wenigen Tropfen führt. Der H. ist ein Symptom des Blasenkatarrhs; s. Harnblase. Eine besondere, unter dem Namen der kalten Pisse bekannte Form von H. kommt bei Männern zuweilen nach dem Genuß reizender Substanzen, namentlich schlechten Biers, vor; sie geht nach reichlichem Trinken kohlensauren Wassers leicht vorüber. Warmhalten des Unterleibes durch heiße Kompressen lindert die Schmerzhaftigkeit.

Haro, Bezirksstadt in der span. Provinz Logroño, in reicher, sorgfältig angebauter Gegend, am Einfluß des Tiron in den Ebro und an der Eisenbahn Tudela-Bilbao, mit Gerbereien, Hutfabrikation, Kupferbergwerken, Gipsbrüchen, Weinbau und (1878) 6447 Einwohnern.

Háromszék (spr. -ssēk), ungar. Komitat im südöstlichen Teil Siebenbürgens, grenzt an die Komitate Kronstadt, Udvarhely, Csik und an die Walachei, umfaßt 3556 qkm (64,6 QM.). Es ist gebirgig und enthält im Innern die größte und anmutigste siebenbürgische Ebene, welche von der Aluta und dem Feketeügy (Schwarzbach) durchströmt wird. Es hat in 113 Ortschaften (1881) 125,277 Einw., meist Szekler (Reformierte und Unitarier), und produziert vortreffliches Getreide, Mais, sehr guten Tabak, Obst, Hanf, Flachs. Komitatssitz ist Sepsi-Szent György.