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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Härtling; Hartlot; Hartmanganerz; Hartmann

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Härtling - Hartmann.

rückführt, physiologisch dadurch zu begründen gesucht, daß er jene Eindrücke durch Gehirnschwingungen, die Verknüpfung derselben aber durch Association von Gehirnschwingungen veranlaßt sein läßt, ohne jedoch (wie allerdings sein Nachfolger und Herausgeber Priestley [1775] gethan hat) die erstern mit den letztern für identisch zu erklären. Empfindung und Muskelbewegung werden seiner Lehre zufolge durch eine schwingende (zitternde) Bewegung der Nerven verursacht, welche sich in das Gehirn fortpflanzt und dadurch in diesem letztern eine Veränderung (Schwingung) erzeugt, welcher ihrerseits eine Veränderung im Bewußtsein (Vorstellung) entspricht. Durch die häufige Wiederholung ähnlicher Schwingungen im Gehirn entsteht in diesem eine Disposition (Leichtigkeit), dieselbe Schwingung und dadurch die derselben entsprechende Vorstellung hervorzurufen, worauf das Gedächtnis, und ebenso durch die Wiederholung der nämlichen Bewegung eine Geneigtheit des Gehirns, die mit einer gewissen Vorstellung associierte Muskelempfindung und durch diese die entsprechende Muskelbewegung zu erzeugen, worauf die Fertigkeit beruht, Konsequenz dieser Gebundenheit der künftigen durch das ursprüngliche Verbundensein vorangegangener Zustände ist daher allerdings (wie bei Locke) Determinismus, keineswegs aber (wie bei Priestley) Materialismus, da die Vorstellung (das Psychische) zwar durch die Gehirnschwingung (das Physische) veranlaßt, nicht aber mit dieser notwendig dasselbe ist. H. wurde durch seine (physiologische) Lehre von den Nervenschwingungen der Vorgänger der neuern Nervenphysiologie, welche die Gesetze der physikalischen Wellenlehre auch auf die Nervenvorgänge ausdehnt, war aber selbst so weit entfernt, aus derselben für die Psychologie materialistische Konsequenzen zu ziehen, daß er daneben am Spiritualismus festhielt und im Geiste des Deismus seiner Zeit den Glauben an Gott und die Unsterblichkeit der Seele behauptete.

2) Sir Charles Augustus, Wasserbauingenieur, geb. 1825 zu Hewarth in England (Durham), war 1845 in Schottland beim Eisenbahnbau praktisch thätig, wurde 1848 bei den Hafenbauten in Plymouth und Devon angestellt, trat 1855 mit königlicher Bewilligung in die Dienste der Türkei und befehligte deren Ingenieurkorps vor Kertsch. 1857 zum Ingenieur en chef der europäischen Donaukommission ernannt, erhielt er 1862 die englische Ritterwürde und wurde von Österreich wegen der Hafenbauten in Triest, von den Russen wegen der Donmündung, von England wegen des Hugliarms des Ganges, von der rumänischen Regierung wegen ihrer Küstenbefestigungen zu Rate gezogen. 1867 gewann H., der fortwährend die Stelle eines Beraters der Donaukommission einnimmt, den großen Preis von 8000 Rubel für seine Pläne zu den neuen Hafenanlagen in Odessa.

Härtling, zinnhaltiges Eisen, öfters mit geringen Mengen von Kupfer, Wismut etc., welches sich beim Verschmelzen eisenhaltiger Zinnerze in Schachtöfen auf deren Sohle und im Herd ansetzt oder beim Seigern von eisenhaltigem Zinn zurückbleibt.

Hartlot, s. Lot.

Hartmanganerz, s. v. w. Psilomelan.

Hartmann, 1) geistlicher Dichter des 12. Jahrh., der sich mit Rücksicht auf seine Sündhaftigkeit "den Armen" nennt, verfaßte eine gereimte "Rede vom Glauben", eine erweiternde Paraphrase des Credo. In dem rein didaktischen Teil hat er Legenden, wie die von Theophilus, eingeflochten, welche er als Belege seiner Mahnungen zur Buße benutzte. Seiner Sprache nach war er in Mitteldeutschland zu Hause. Eine Ausgabe lieferte Maßmann in den "Gedichten des 12. Jahrhunderts" (Quedlinb. 1837). Vgl. Reißenberger, Über Hartmanns Rede vom Glauben (Leipz. 1871).

2) Jakob, Freiherr von, bayr. General, geb. 4. Febr. 1795 als Sohn eines Hufschmiedes zu Maikammer in der bayrischen Pfalz, erhielt durch Fürsprache des französischen Generals Geither eine ausgezeichnete militärische Erziehung im Militärinstitut von Bonn und später zu St.-Cyr und trat 1. Dez. 1811 als Oberleutnant in das 1. Regiment des Großherzogtums Berg. Nach Entwaffnung der Rheinbundstruppen in ein französisches (das 27.) Linienregiment versetzt, zeichnete er sich 1814 aus und rettete in der Schlacht bei Belle-Alliance nach Verteidigung von Planchenois den Adler seines Regiments, wofür er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt wurde. Nach dem zweiten Pariser Frieden 1815 verließ er den französischen Dienst, und trat 1816 in das bayrische 10. Infanterieregiment. 1818 ward er in das topographische Büreau kommandiert, 1820 unternahm er zum Studium militärischer Bildungsanstalten eine Reise durch die Schweiz, Rheinpreußen, Frankreich und Oberitalien. 1822 wurde er zum Pionierkorps, 1824 zum Generalstab versetzt, 1827 aber als Hauptmann in das Kriegsministerium kommandiert. 1838 ward er zum Major, 1842 zum Adjutanten des Kronprinzen Maximilian, 1848 zum königlichen Flügeladjutanten und 1849 zum Generalmajor und Brigadekommandeur ernannt. 1854 besuchte er Frankreich, namentlich Paris und das Lager von Boulogne, und studierte die Einrichtungen der Armee sowie das Fortifikationssystem von Paris und der Ostgrenze. Auf Grund der damals gemachten Erfahrungen und des spätern Studiums des Kriegs in Oberitalien von 1859 veröffentlichte er 1860 eine Schrift über strategische, taktische und fortifikatorische Fragen. 1861 ward H. Generalleutnant und Kommandeur der 4. Infanteriedivision. Als solcher nahm er Anteil am Krieg 1866. Am 4. Juli lieferte er das ehrenvolle Gefecht bei Roßdorf gegen die preußische Brigade Wrangel; 10. Juli, während des Gefechts bei Kissingen, erhielt er den Befehl zum Vorrücken zu spät, um noch eingreifen zu können. Am 26. Juli lieferte er mit seiner Divisionskavallerie bei den Hettstädter Höfen der preußischen Reiterei ein siegreiches Gefecht. 1869 zum General der Infanterie ernannt, führte er im Krieg 1870/71 das 2. bayrische Armeekorps. Nachdem er auf demselben 4. Aug. Weißenburg erstürmt hatte, focht er in der Schlacht bei Wörth auf dem rechten Flügel und drang zu gleicher Zeit mit dem 5. und 11. Korps in Fröschweiler ein. In der Schlacht bei Sedan nahm eine seiner Divisionen das Dorf Balan, die andre drang bis Klein-Torcy am Fuß des Glacis vor. Von höchster Wichtigkeit war die Einnahme des Plateaus von Châtillon 19. Sept. 1870, aus dem H. nebst einem Teil des 5. Korps die Franzosen unter Ducrot vertrieb. Das Plateau, in der Armee die "Bayernschanze" genannt, welches die Südfronte von Paris beherrschte, behauptete er bis zum Waffenstillstand und lieferte manches Gefecht gegen die französischen Ausfalltruppen. H. starb als Kommandeur des 2. bayrischen Armeekorps 23. Febr. 1873 in Würzburg.

3) Johann Peter Emilius, dän. Komponist, geb. 14. Mai 1805 zu Kopenhagen als Sohn einer deutschen Musikerfamilie, erhielt den ersten Musikunterricht von seinem Vater, seine weitere Ausbildung aber durch Weyse (s. d.), widmete sich dann dem Studium der Rechte und bekleidete zeitweilig auch ein