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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hartmann

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Hartmann.

Staatsamt, bis er sich in den 30er Jahren ausschließlich der Musik zuwandte. Nachdem er schon früher als Organist an der Kopenhagener Garnisonkirche thätig gewesen war, debütierte er 1832 als Komponist mit der Oper "Ravnen", der in den nächsten Jahren noch die Opern: "Liden Kirstin" (Text von Andersen) und "Corsarerne" (Text von Herz), ferner die Ballette: "Valkyrien", "Thrymskviden" und "Et Folkesagn", endlich die Vokalwerke: "Dryadens Bryllup", "Undine", "I Provence", "Syvsoverdag", "Sulamith og Salomon" folgten. Auch schrieb er die Musik zu mehreren Dramen Öhlenschlägers, drei Melodramen, darunter "Guldhornene" (Text von Öhlenschläger), Symphonien, Klavier- und Gesangstücke. Fast alle Arbeiten Hartmanns zeichnen sich durch künstlerischen Ernst, dramatisches Leben und namentlich durch nationales Kolorit aus und haben demzufolge im Vaterland des Künstlers reichen Beifall gefunden.

4) Richard, Industrieller, geb. 8. Nov. 1809 zu Barr bei Straßburg, lernte als Zeugschmied und trat 1830 bei Haubold, dem Begründer der Chemnitzer Maschinenindustrie, als Gehilfe in Arbeit. Im J. 1837 machte er sich selbständig und begann mit nur drei Arbeitern den Bau von Baumwollspinnmaschinen. Durch die Erfindung und Ausführung der "Continue", einer Vorspinnvorrichtung für Streichgarnspinnerei, gewann seine Fabrik einen wesentlichen Aufschwung; nun richtete er auch Eisen- und Metallgießerei ein und baute Dampfmaschinen und Dampfkessel. 1847-48 errichtete er eine Werkstätte für Lokomotiven- und Tenderbau, und 1858 vollendete er die 100. Lokomotive. Seit 1855 lieferte er auch Turbinen und Tangentialräder, bald darauf größere Bergwerksmaschinen, Kunstgezeuge, Bohrapparate und endlich auch Werkzeugmaschinen. Auf den großen Industrieausstellungen mehrfach durch die höchsten Preise ausgezeichnet, gehört Hartmanns Maschinenbauanstalt, welche 1870 durch Kauf in den Besitz einer Aktiengesellschaft, der "Sächsischen Maschinenfabrik zu Chemnitz", überging, zu den großartigsten und vor allem zu den vielseitigsten Instituten dieser Art in Deutschland; sie beschäftigt etwa 3000 Arbeiter. H. starb 16. Dez. 1878 in Chemnitz.

5) Alfred, Schriftsteller, geb. 1. Jan. 1814 auf Schloß Thunstetten bei Langenthal im Kanton Bern, studierte von 1831 an in München, Heidelberg und Berlin die Rechtswissenschaft, verlor aber während eines längern Aufenthalts in Paris den Geschmack an diesem Studium und widmete sich litterarischen Beschäftigungen. In die Heimat zurückgekehrt, nahm er 1836 seinen bleibenden Wohnsitz in Solothurn, wo er unter anderm in rege Verbindung mit dem bekannten Maler Disteli trat und 1845-75 den "Postheiri", ein spezifisch schweizerisches Witzblatt, herausgab. Am bekanntesten ist H. geworden durch seinen "helvetischen" Roman "Meister Putsch und seine Gesellen" (Solothurn 1858, 2 Bde.), wie er sich denn überhaupt neben dem biographischen Gebiet ("Martin Disteli", 1861; "Galerie berühmter Schweizer", 1863-71, 2 Bde.; "Die Denkwürdigkeiten des Kanzlers Hory", 1876, u. a.) mit vielem Glück auf dem des Romans und der Novelle bewegt. Wir nennen noch: "Kiltabendgeschichten" (Solothurn 1853-55, 2 Bde.); "Erzählungen aus der Schweiz" (das. 1863); "Junker und Bürger", historischer Roman aus den letzten Tagen der alten Eidgenossenschaft (das. 1865, 2 Bde.); "Schweizernovellen" (Berl. 1877); "Neue Schweizernovellen" (das. 1879); "Fortunat" (das. 1879, 3 Bde.); "Der gerechte Branntweinbrenner", Volksroman (Bern 1881), und "Auf Schweizer Erde", Novellen (das. 1883-84, 3 Bde.). Auch auf dramatischem Gebiet hat sich H. mit dem Schauspiel "Ein Pamphlet vor hundert Jahren" (1870) versuchte.

6) Julius von, preuß. General, geb. 2. März 1817 zu Hannover, Sohn des hannöverschen Generals der Artillerie, Georg Julius von H. (geb. 1774, gest. 1856), welcher unter Wellington in Spanien und bei Waterloo sich einen bedeutenden Namen gemacht hatte und in Hannover eine der populärsten Persönlichkeiten war, trat 1834 in das 10. preußische Husarenregiment, ward 1835 Leutnant, besuchte 1839 bis 1842 die Kriegsschule in Berlin und zeichnete sich, zum topographischen Büreau kommandiert, hier so vorteilhaft aus, daß er 1848 zum Generalstab versetzt ward. Er nahm dann am Feldzug in Baden im Stab der 4. Division des 1. Armeekorps teil. Seine Gewandtheit und gediegene Bildung veranlaßten von da an seine häufige Verwendung zu Geschäften diplomatischer Natur. 1850 ward er nach Schleswig-Holstein gesandt, später nach Österreich und Sachsen. Ende 1850 ward er Generalstabsoffizier bei dem um Kreuznach konzentrierten Korps, bald darauf Generalstabsoffizier Wrangels und trat nach vierjährigem Dienst im Generalstab wieder in die Truppe ein. Er stand bei dem 3. Ulanen-, dem Gardekürassier- und dem 2. Dragonerregiment, welch letzteres er, zuletzt als Oberstleutnant, kommandierte. 1857 ward H. als Chef der Abteilung für Armeeangelegenheiten ins Kriegsministerium berufen und bearbeitete die Pläne für die Reorganisation der Armee, die er auch als Regierungskommissar im Landtag vertrat. 1860 ward er Generalstabschef des 6. Armeekorps, dann Oberst und 1863 Kommandeur der 9. Kavalleriebrigade, als welcher er während des polnischen Aufstandes im Winter 1863/64 ein ausgedehntes Kommando an der Grenze befehligte. 1865 ward er Generalmajor und erster Kommandant von Koblenz. 1866 kommandierte er eine Kavalleriedivision und nahm an den Gefechten bei Zwittau, Tobitschau und Rokeinitz wesentlichen Anteil. Anfang 1867 ward er zum Generalleutnant befördert und als preußischer Militärbevollmächtigter nach München gesandt, um den Bayern bei der Reorganisation ihrer Streitkräfte nach preußischem Vorbild beratend zur Seite zu stehen. Anfang 1868 erhielt H. das Kommando der 2. Infanteriedivision in Danzig, ward jedoch bei Beginn des deutsch-französischen Kriegs Kommandeur der 1. Kavalleriedivision. Dieselbe war der ersten Armee zugeteilt. H. kämpfte in den Schlachten von Colombey-Nouilly und Gravelotte, blieb bis Anfang Oktober vor Metz, erhielt das Kommando vor Diedenhofen, zog dann mit der Armee des Prinzen Friedrich Karl an die Loire und machte den schwierigen Feldzug daselbst mit der größten Auszeichnung mit. Am 6. Jan. 1871 erhielt er das Kommando über ein größeres, aus allen drei Waffen gemischtes Detachement, mit dem er das Gebiet zwischen Loire und Loir zu okkupieren hatte, 7. und 8. Jan. siegreiche Gefechte bei St.-Amand und Château-Renault bestand und am 19. Tours besetzte. Ende Mai 1871 erhielt er den Vertrauensposten eines Gouverneurs von Straßburg und wurde General der Kavallerie, nahm im Mai 1875 seinen Abschied und starb 30. April 1878 in Baden-Baden. Er schrieb: "Kritische Versuche" (Berl. 1876 bis 1878, 3 Hefte), "Die allgemeine Wehrpflicht" (Heilbr. 1876), und nach seinem Tod erschienen noch "Lebenserinnerungen, Briefe und Aufsätze des Generals J. v. H." (Berl. 1882).

7) Moritz, Dichter, geb. 15. Okt. 1821 zu Duschnik