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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hassenfratz; Hassenpflug

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Hassenfratz - Hassenpflug.

deur de l'art en Belgique" (das. 1848); "La Belgique pittoresque" (das. 1858). Auch an den patriotischen Sammelwerken: "Les Belges illustres", "La Belgique monumentale", "La bibliothèque nationale" u. a. nahm er Anteil und förderte ebenso lebhaft die belgisch-französische Volkslitteratur durch Novellen, Dorfgeschichten und Chrestomathien für Schule und Haus. Seine "Poésies" (Brüssel 1852-63, 3 Bde.) reihen ihn den talentvollsten belgischen Dichtern an; als bedeutendste Leistung auf diesem Feld werden die "Quatre incarnatons du Christ", Epopöe in vier Gesängen, angeführt. Seine gesammelten Werke erschienen zu Brüssel 1875-78 in 8 Bänden. Sein Leben beschrieb Alvin (Brüssel 1877).

2) Arend Ludolf van, niederländ. Ethnograph, geb. 6. Jan. 1848 zu Groningen, war ursprünglich niederländischer Offizier, trat 1870 in den holländisch-indischen Zivildienst und wurde 1877 zum Chef der sogen. Sumatra-Expedition ernannt, deren in zwei Jahren gesammelte linguistisch-ethnographische Resultate er in Holland in dem Werk "Midden-Sumatra" (Leiden 1880 ff.) verarbeitete, worauf er 1880 nach Java zurückkehrte.

Hassenfratz, Jean Henri, Chemiker, geb. 20. Dez. 1755 zu Paris, kam jung nach Martinique, war dann in Paris Zimmermann, bildete sich theoretisch im Baufach aus und bereiste 1783 im Auftrag der Regierung Steiermark, Kärnten, Ungarn und einen Teil Deutschlands, um Bergbau und Hüttenwesen näher kennen zu lernen. Nach seiner Rückkehr erhielt er die Direktion des Laboratoriums Lavoisiers. Während der Revolution Mitglied des Jakobinerklubs und des Pariser Gemeinderats, setzte er es durch, daß die auf 31. Mai nachts beschlossene Verhaftung der Girondisten auf den nächsten Morgen verschoben wurde, wodurch er vielen Freiheit und Leben rettete. Revolutionäre Tendenzen verfolgen seine damals abgefaßten Schriften: "École d'exercice, ou manuel militaire de l'infanterie, cavalerie et artillerie nationale" (Par. 1790; erschien bald darauf als "Catéchisme militaire, ou manuel du garde national", das. 1790) und "Cours révolutionnaire d'administration militaire" (das. 1794). Im J. 1793 übertrug ihm der Minister Servant die Aufsicht über die Kriegsmunition. Großes Verdienst erwarb er sich um das Bergbauwesen, um Reorganisation der Militärschule und Begründung der polytechnischen Schule, an der er 1794 als Professor der Physik angestellt wurde. 1797 wurde er Professor an der Bergwerksschule, und 1814 trat er in den Ruhestand. Er starb 26. Febr. 1827. Von seinen Schriften erwähnen wir noch: "Sidérotechnie, ou l'art de traiter les minéraux de fer, pour en obtenir de la fonte, du fer et de l'acier" (Par. 1812, 4 Bde.); "Dictionnaire physique de l'Encyclopédie" (das. 1816-21, 4 Bde.); "Traité de l'art de calciner la pierre calcaire" (das. 1825).

Hassenpflug, 1) Hans Daniel Ludwig Friedrich, kurhess. Minister, geb. 26. Febr. 1794 zu Hanau, studierte 1812-13 und 1814-16 in Göttingen die Rechte, machte den Feldzug von 1813 als Freiwilliger mit und wurde 1821 mit dem Titel eines Obergerichtsrats als Assessor bei dem Oberappellationsgericht zu Kassel angestellt, im März 1832 zum Ministerialrat und Mitglied des Gesamtstaatsministeriums, 19. Mai zum Justizminister und Geheimrat und 27. Mai zugleich zum Minister des Innern ernannt. Sofort begann er mit großer und eines bessern Ziels würdiger Energie den Kampf gegen die Grundsätze der neuen kurhessischen Verfassung, indem er alle auf dieser Verfassung beruhenden Rechte der Einzelnen wie der Korporationen zu verkümmern und zu vernichten und die ministerielle Allgewalt wiederherzustellen suchte. Nachdem er die Presse unterdrückt, begann er den Kampf mit der Ständeversammlung, indem er die Rechte und Kompetenz derselben bestritt, sich in deren Legitimationsrecht einmischte, die legislatorische Mitwirkung derselben durch Verordnungen außer Kraft setzte und durch Urlaubsverweigerung, Vertagung und Auflösung der Kammern, Epuration der Gerichte und kirchliche Intoleranz der Reaktion auf staatlichem wie auf kirchlichem Gebiet Bahn zu brechen suchte, wobei ihm hervorragende Begabung, Gewandtheit und Geschäftskenntnis sehr förderlich waren (vgl. "Aktenstücke, die landständischen Anklagen wider den kurfürstlich hessischen Staatsminister H. betreffend", Stuttg. 1836). Durch sein rücksichtsloses Verfahren selbst dem Kurfürsten unbequem geworden, erhielt er im Juli 1837 die ihm vorher verweigerte Entlassung aus dem kurhessischen Staatsdienst. Im November 1838 ward er als Chef der Regierung und des Hofgerichts nach Hohenzollern-Sigmaringen und im Juni 1839 als Zivilgouverneur an die Spitze der Verwaltung des neu zu organisierenden Großherzogtums Luxemburg berufen. Doch glaubte er die Interessen des Landes durch die niederländische Regierung beeinträchtigt und nahm daher 1840 seine Entlassung. Er fand darauf in Preußen einen Wirkungskreis, ward 1841 Mitglied des Obertribunals zu Berlin und 1846 Präsident des Oberappellationsgerichts in Greifswald. Ein ärgerlicher Prozeß, in welchen er wegen Fälschung eines Rechnungsbelegs verwickelt ward, der aber zuletzt mit seiner Freisprechung endete, verleidete ihm seine Stellung, weshalb er die Gelegenheit, wieder in den kurhessischen Staatsdienst einzutreten, gern benutzte. Auf von seiten des Kurfürsten an ihn ergangene Einladung traf er 22. Febr. 1850 wieder in Kassel ein und wurde nach der an demselben Tag erfolgten Entlassung des Märzministeriums an die Spitze der Verwaltung gestellt. Seine anfangs gegebenen beruhigenden Versicherungen erwiesen sich als trügerischer Schein, nur zu bald nahm er den Kampf gegen die Stände wieder auf und machte sich durch sein verfassungswidriges Schalten und Walten bei allen Parteien verhaßt. Nachdem sich der Kurfürst im September 1850 mit H. nach Wilhelmsbad begeben, erfolgte die Anrufung des restaurierten Bundestags zum Einschreiten, das Einrücken österreichischer und bayrischer Truppen ins Land, die Beseitigung der Verfassung und die Oktroyierung einer neuen unter Mitwirkung des Bundestags. Der Urheber und Leiter aller dieser Maßregeln war H. Seine amtliche Wirksamkeit in Kurhessen war aber wieder nicht von langer Dauer. Nachdem er schon Ende 1853 wegen seiner Mißhandlung durch den Schwiegersohn des Kurfürsten, Grafen Isenburg-Wächtersbach, der übrigens nachher ins Irrenhaus kam, seine Entlassung erbeten, aber nicht erhalten hatte, wurde ihm dieselbe auf sein wiederholtes Ansuchen 16. Okt. 1855 verwilligt, worauf er nach Marburg übersiedelte. Er starb hier 10. Okt. 1862.

2) Karl, Bildhauer, Sohn des vorigen, geb. 5. Jan. 1824 zu Kassel, kam nach Berlin in das Atelier von Wichmann und war 1844-47 Schüler von Schaller in München. Von 1848 bis 1850 verweilte er in Rom und modellierte dort die Gruppe: Simson und Delila. Nach Deutschland zurückgekehrt, arbeitete er in Hannover für das neue Theater, machte eine Reise nach England und hielt sich dann in Kassel auf, wo er mehrere plastische Arbeiten für die Elisabethkirche in Marburg und die Michaelskirche in Fulda aus-^[folgende Seite]