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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hasserode; Haßfurt; Hassi; Hassk.; Haßkarl; Haßler; Häßlich

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Hasserode - Häßlich.

führte. 1856 ging er zum zweitenmal nach Rom und schuf dort aus dem Mythenkreis seine schönsten Arbeiten von großer Lieblichkeit der Formen, namentlich die Marmorgruppe: Amor und Psyche (für den König Friedrich Wilhelm IV.), Eros und Anteros (Museum in Köln), Ariadne, Galatea von Amorinen umgeben. 1868 ward er Professor der Bildhauerkunst an der Akademie seiner Vaterstadt und schuf daselbst für das Orangeriegebäude mehrere Medaillons hessischer Fürsten und für das Galeriegebäude die Gruppen der Giebelfelder sowie Genregruppen und Reliefs.

Hasserode (H.-Friedrichsthal), Dorf im preuß. Regierungsbezirk Magdeburg, Kreis Wernigerode, liegt langgestreckt im Thal der Holzemme, unmittelbar an Wernigerode anschließend, mit freundlichen Villen, hat eine Erziehungsanstalt für blödsinnige Mädchen, 2 Papierfabriken, eine Filztuchfabrik, Bierbrauerei, eine Sägemühle und Holzschleiferei, bedeutende Granitbrüche und (1885) 2545 evang. Einwoher ^[richtig: Einwohner]. In der Nähe (4 km) die Steinerne Renne, das vielbesuchte, steil abfallende, tiefe Thal der Holzemme, mit schönen Kaskaden und herrlicher Fichtenwaldung.

Haßfurt, Bezirksstadt im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, 221 m ü. M., am Main und an der Linie Bamberg-Würzburg der Bayrischen Staatsbahn, hat ein Amtsgericht, eine schöne kath. Pfarrkirche, die sehenswerte Ritterkapelle (1392 erbaut, 1856-65 restauriert), eine Lateinschule, Präparandenschule, Fabriken für Zigarren, Malz, landwirtschaftliche Maschinen, Knochenmehl und Leim, ferner Bierbrauerei, Holzhandel, Viehzucht, ein schwach besuchtes Wildbad, Obst-, Hopfen- und Weinbau, besuchte Viehmärkte und (1885) 2560 meist kath. Einwohner. - Im 13. und 14. Jahrh. werden Ritter von H. genannt. Im Bauernkrieg 1525 nahm H. für die Bauern Partei; 1541 wurde es durch den Markgrafen Albrecht Alcibiades, 1632 durch Tillys Truppen, 1639 durch das weimarisch-französische Korps geplündert.

Hassi (arab.), Brunnen, in Nordafrika und der Sahara häufig Name für kleine Ortschaften.

Hassk., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für J. K. Haßkarl (s. d.).

Haßkarl, Justus Karl, Reisender und Naturforscher, geb. 6. Dez. 1811 zu Kassel, erlernte seit 1827 die Gärtnerei in Poppelsdorf und widmete sich seit 1834 naturhistorischen Studien zu Bonn, um sich für wissenschaftliche Reisen vorzubereiten. 1836 ging er nach Java, erhielt die wissenschaftliche Leitung des botanischen Gartens zu Buitenzorg und machte viele Ausflüge und Reisen in das Innere des Landes. 1846 in die Heimat zurückgekehrt, nahm er das Sekretariat der Handelskammer zu Düsseldorf an. 1852 ging er im Auftrag der holländischen Regierung nach Lima und im Frühjahr 1853 ins Innere Perus, um den Chinarindenbaum nach Java überzusiedeln. Er sandte Samen von Uchubamba nach Holland, und 1854 erreichte er mit ca. 500 jungen Calisaya-Chinabäumchen aus der Nähe der brasilischen Grenze östlich vom Titicacasee die Küste. Seine Rückkehr glich einer Flucht, da der eigentliche Zweck seiner Reise inzwischen bekannt geworden war. Bei seiner Ankunft auf Java leitete er sofort die Kultur der Chinabäume ein, mußte aber 1856 seiner Gesundheit halber nach Europa zurückkehren und nahm seinen Abschied aus dem holländischen Staatsdienst. Er schrieb: "Plantae javanicae rariores" (Berl. 1847), bearbeitete einige Familien in den "Plantae Junghuhnianae" (Leid. 1851-52) und besorgte auch die deutschen Ausgaben einiger Werke Junghuhns und die Übersetzung von Coles Werk "Das Kap und die Kaffern" (Leipz. 1852). Er schrieb ferner: "Filices javanicae" (Batav. 1856); "Retzia s. observationes botanicae de plantis horti botanici Bogoriensis" (Leid. 1856); "Hortus Bogoriensis descr. seu Retziae editio nova" (1. Teil, Amsterd. 1858; 2. Teil in "Bonplandia" 1859). Gegenwärtig in Kleve wohnhaft, beschäftigt sich H. namentlich mit der ostindischen Flora; er beteiligte sich auch an dem botanischen Teil des Petersschen Werkes über Mosambik und untersuchte und beschrieb die Commelinaceae der Schweinfurthschen Sammlung abessinischer Pflanzen. Außerdem erschienen von ihm: "Neuer Schlüssel zu Rumphs Herbarium amboinense" (Halle 1866); "Horti malabarici Rheedeani clavis locupletissima" (Dresd. 1867) und "Commelinaceae indicae" (Wien 1870).

Haßler, Hans Leo, s. Hasler.

Häßlich, von Haß abgeleitetes Wort, das aber gewöhnlich in ästhetischem, nicht in moralischem Sinn von Gegenständen gebraucht wird, die durch ihre Form das ästhetische Urteil beleidigen und dadurch unbedingtes Mißfallen erregen. Das Häßliche steht also dem Schönen entgegen, welches das ästhetische Wohlgefallen erweckt (s. Ästhetik), und ist sowenig mit dem bloß Unangenehmen und Schädlichen wie dieses mit dem Angenehmen und Nützlichen zu verwechseln. Dasselbe ist nicht, wie das weder Gefallende noch Mißfallende, unästhetisch, sondern antiästhetisch und die häßliche Form das Gegenteil der schönen Form. Im Gegensatz zum Großen, Mannigfaltigen und Wohlgeordneten ist daher das Kleine, Einförmige und Verworrene h., ebenso im Gegensatz gegen das Harmonische (Charakteristische und im Einklang Stehende) das Disharmonische (Inkorrekte und in unaufgelöster Dissonanz Beharrende). Das Häßliche wäre dadurch von der Kunst einfach ausgeschlossen, wenn nicht eben die jeweilige Einführung des Disharmonischen (der Dissonanz in der Musik etc.) das wirksamste Mittel würde, den schließlichen Eindruck der Harmonie durch Wiederherstellung derselben aus ihrem Gegenteil (Auflösung der Dissonanz in der Musik etc.) zu erhöhen. Dasselbe kann daher immer nur in einem größern Ganzen als integrierender Bestandteil, als Durchgangs- oder Übergangsstadium zum Schönen auftreten, als Mittel, nicht als Zweck der Kunst (der hinkende Vulkan in der Versammlung der olympischen Götter, Thersites in jener der Homerischen Helden). Obgleich seiner Form nach mißfällig, kann der häßliche Gegenstand doch in andern Hinsichten Interesse einflößen: entweder als charakteristisches Spiegelbild gegebener Wirklichkeit (in Natur oder Geschichte) oder durch stoffliche Reize, die er mit sich führt, und zu welchen vor allen das Unerwartete oder der erregten Erwartung Widersprechende, z. B. der sichtbare Widerstreit zwischen dem gleichgültigen oder gar abstoßenden Äußern und dem anziehenden, ja fesselnden Innern, gehört. Gelehrte, ja in gewissem Sinn Männer überhaupt, genießen "das Privilegium der Häßlichkeit"; der Franzose, der das "Pikante" noch über das Schöne setzt, spricht von einer "belle laideur". Absolut Häßliches gibt es nicht, denn auch dasjenige, was alle häßlichen Formen in sich auf charakteristische Weise vereinigte, würde eben als "Typus" des Häßlichen wenigstens Eine wohlgefällige Seite, die des Charakteristischen, darbieten. Wenn man das Laster h. nennt, so hat man insofern ein Recht dazu, als auch das Gute und Sittliche ein Schönes (ein wohlgefälliges, wie das Böse und Unsittliche ein unbedingt mißfälliges Wollen) ist. Doch hat man dabei weniger die mora-^[folgende Seite]