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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Haynau; Hayne

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Haynau - Hayne.

Haynau, 1) Wilhelm Karl von, kurhess. General, natürlicher Sohn des Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen und der Frau v. Lindenthal, gebornen Rosa Ritter (geb. 1764 zu Biel in der Schweiz, gest. 1833 in Hanau), geb. 24. Dez. 1779 zu Hanau, war nach langjähriger Dienstzeit im hessischen Heer 1847 wegen Altersschwäche als General pensioniert worden. Als sich während der Vorgänge von 1850 kein höherer Offizier fand, der den vom Ministerium Hassenpflug über das Land verhängten Kriegszustand handhaben wollte, ward er 30. Sept. zum Oberbefehlshaber der Armee ernannt. Eine Proklamation an die Soldaten und eine Anrede an die Offiziere (4. Okt.) waren indessen die einzigen Akte, die seine Amtsführung bezeichneten. Der Versuch, die Ausnahmegesetze durch Verhaftungen, Maßregeln gegen die Presse und Auflösung der Bürgerwehr zu vollziehen, hatte zur Folge, daß der landständische Ausschuß eine Klage wegen Verfassungsverletzung und Hochverrats gegen H. einreichte, der das Generalauditoriat auch Folge gab. Vergeblich suspendierte H. das Obergericht und richtete an die Offiziere eine neue Aufforderung, die nur bewirkte, daß dieselben ein Gesuch um Entlassung (9. Okt.) einreichten. Durch die weitern Vorgänge wurde H. beseitigt und trat wieder ins Privatleben zurück. H. starb 21. Jan. 1856.

2) Julius Jakob, Freiherr von, österreich. General, Bruder des vorigen, geb. 14. Okt. 1786 zu Kassel, trat 1801 als Leutnant in österreichische Dienste und zeichnete sich in dem Feldzug von 1805 so vorteilhaft aus, daß er nach seiner Befreiung aus französischer Gefangenschaft im Juli 1806 zum Hauptmann befördert wurde. Als solcher machte er den Krieg von 1809 und als Major die Kriege von 1813 bis 1815 mit. 1830 wurde er Oberst, 1835 Generalmajor und Brigadier in Italien, 1844 Feldmarschallleutnant und Divisionär in Innerösterreich, 1845 Inhaber des 57. Infanterieregiments und 1847 Divisionskommandeur in Temesvár im Banat, wurde aber wegen seiner Unverträglichkeit seines Postens enthoben und lebte in Graz, als 1848 die Revolution in Italien ausbrach. Er trat nun freiwillig als Oberst in sein damals in Italien stehendes Infanterieregiment und wurde mit unbeschränkter Vollmacht Kommandant in Verona. Durch Entsendung einer Brigade nach Sommacampagna in der Nacht vom 24. zum 25. Juli trug er zum Sieg der kaiserlichen Armee bei, und durch ein glückliches Gefecht bei Lonato und die Beschießung von Peschiera bewährte er seinen Feldherrnruf. Mit eiserner Strenge hielt er darauf in Bergamo und Brescia die Ruhe aufrecht, züchtigte Ferrara für die an österreichischen Soldaten begangenen Unbilden und unterwarf Brescia, das sich im März 1849 erhoben, erwarb sich aber durch die dabei bewiesene, in den italienischen Berichten allerdings übertriebene Grausamkeit (er ließ Frauen peitschen) den Namen. "Hyäne von Brescia". Darauf mit der Belagerung Venedigs beschäftigt, ward er abgerufen, um im Mai 1849 mit der Würde eines Feldzeugmeisters und unbeschränkten Vollmachten das Oberkommando in Ungarn zu übernehmen. Die Erstürmung von Raab (Ende Juni), der Sieg bei Komorn 11. Juli, das Vorrücken der kaiserlichen Armee nach Süden trotz großer Schwierigkeiten, die Besetzung von Szegedin (3. Aug.), die Kämpfe an der Theiß (9. Aug.), infolge deren Temesvár eingenommen ward, und die rasche Beendigung des Kampfes waren die Erfolge, welche Haynaus Wahl zum Oberbefehlshaber rechtfertigten. Aber durch die Zähigkeit des Aufstandes, anderseits durch den entscheidenden Anteil der Russen bei der Niederwerfung der Insurrektion, insbesondere durch die Waffenstreckung Görgeis bei Világos vor den Russen, sehr erbittert, ließ H. auch die Rebellen ohne Rücksicht auf Person und Stand schwer büßen und 6. Okt. in Pest und Arad zahlreiche Hinrichtungen vollziehen. Der Kaiser ließ ihm nicht nur die höchsten Ehren, sondern auch eine reiche Güterschenkung zu teil werden. H. wurde zum Befehlshaber der dritten Armee in Ungarn ernannt, erhielt aber wegen wiederholter Konflikte mit dem Ministerium, welche er durch seine Eigenmächtigkeit veranlaßte, 1850 seinen Abschied. Er war ein tüchtiger Vorgesetzter, aber ein schlimmer Untergebener; er war geschaffen zu befehlen, nicht zu gehorchen. Radetzky bezeichnete H. als ein scharfes Rasiermesser, das man nach dem Gebrauch eilig verwahren müsse. Er zog sich nach Graz ins Privatleben zurück und trat bald darauf eine größere Reise ins Ausland an. Zu Berlin, Frankfurt und an andern Orten gefeiert, wurde er im September 1850 zu London in Barclays Brauhaus von dem dortigen Dienstpersonal als der Unterdrücker der ungarischen Revolution persönlich gemißhandelt und im August 1852 zu Brüssel in einem öffentlichen Garten als Frauenauspeitscher verhöhnt und bedroht. Zu Paris, wo L. Napoleon ihn mit Auszeichnung empfing, wurden ausgedehnte Sicherheitsmaßregeln zu seinem Schutz getroffen. Nach seiner Rückkehr in Wien durch Erteilung des Ehrenbürgerrechts geehrt, starb er 14. März 1853 daselbst. Von ihm ist die H.-Stiftung, ein Fonds zur Unterstützung von Invaliden, Militärwitwen und -Waisen, gegründet. Seine Biographie schrieb Schönhals (3. Aufl., Wien 1875).

3) Friedrich Wilhelm Karl Eduard von, kurhess. Generalleutnant, Sohn von H. 1), geb. 5. Dez. 1804 zu München, trat 1819 in das Kadettenkorps zu Kassel, wurde 1822 Leutnant bei der Artillerie, 1834 Flügeladjutant des Kurprinzen-Mitregenten und trat 1836 wieder bei der Artillerie ein. Als Major nahm er vom März bis Juli 1849 an dem Feldzug gegen Dänemark teil und machte das Gefecht auf den Düppeler Höhen (13. April) mit. Der pietistisch-absolutistischen Richtung zugethan, übernahm er 22. Febr. 1850 das Portefeuille des Kriegs im Ministerium Hassenpflug und kontrasignierte alle jene Erlasse, welche den Verfassungsumsturz vorbereiteten und herbeiführten. Im Oktober 1850 nötigte er in Gemeinschaft mit seinem Vater, damaligem Oberbefehlshaber der Armee, das kurhessische Offizierkorps, welches seinen auf die Verfassung geleisteten Eid nicht brechen wollte, zwischen unbedingter Vollziehung der Befehle des Oberkommandos und Verabschiedung zu wählen. 1853 als Generalmajor zum wirklichen Kriegsminister ernannt, mußte er zugleich mit Hassenpflug 4. Okt. 1855 zurücktreten und ward 6. Okt. d. J. interimistisch zum ersten Kommandanten von Kassel und im Juni 1857 zum Generalleutnant ernannt. In einer Broschüre des verabschiedeten Hauptmanns Dörr: "Staatsdiener und Staatsschwächen der Gegenwart" (Frankf. 1862), ward er der Feigheit beziehen, weil er, statt einen Ehrenhandel mit dem General v. Specht durch ein Duell zu erledigen, denselben auf die Festung Spangenberg geschickt hatte. Da H. außer stande war, diesen Vorwurf von sich abzuwälzen, und das ganze Offizierkorps auf Dörrs Seite trat, schied er 3. Jan. 1863 aus dem kurhessischen Militärdienst aus und machte 24. Jan. d. J. in einem Anfall von Irrsinn seinem Leben durch einen Pistolenschuß ein Ende.

Hayne (spr. haihn), Paul, amerikan. Dichter, geb. 1. Jan. 1831 zu Charleston in Südcarolina, studierte