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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heidelsheim; Heiden; Heidenab; Heidenachtigall; Heidenäcker; Heidenchristen

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Heidelsheim - Heidenchristen.

der Karlsschule. Seine Thätigkeit erstreckte sich vorzugsweise auf dekorative Malereien für Schlösser (die vier Jahreszeiten im Residenzschloß zu Stuttgart) und für Festlichkeiten des Herzogs. Er starb 1816 in Stuttgart.

2) Karl Alexander, Architekt, Sohn des vorigen, geb. 2. Febr. 1789 zu Stuttgart, machte hier unter Leitung seines Vaters, Scheffhauers und Danneckers seine ersten Studien auf der Kunstakademie und bildete sich hierauf bei dem Ritter v. Thouret und dem Landbaumeister Arzel in der Architektur aus. Nach fünfjähriger Thätigkeit in Koburg fand H. 1818 als städtischer Baumeister und 1822 als Professor an der polytechnischen Schule zu Nürnberg Anstellung, wo er später auch zum Konservator der Kunstdenkmäler ernannt wurde. Er widmete seine Thätigkeit meistens den Baudenkmälern Nürnbergs und dessen Umgegend. Der neue Altaraufsatz zu St. Sebald, der Dürerbrunnen, das restaurierte Portal der Frauenkirche, der gänzliche Umbau und die neue Dekoration der St. Jakobskirche sind Zeugnisse seines Strebens, den gotischen Stil in seiner ursprünglichen Reinheit wieder einzuführen. Auch der Bau des mit Balkon und Säulen aus Gußeisen geschmückten Plattnerschen Hauses in Nürnberg fällt in diese Zeit. Unter den außerhalb Bayerns nach seinen Plänen ausgeführten Bauten zeichnen sich das Lustschloß Reinhardsbrunn, der Rittersaal in der Feste Koburg, das Schloß Landsberg und die Begräbniskapelle bei Meiningen, das Schlößchen Rosenburg bei Bonn, die Restauration des durch Hauffs Erzählung berühmten Schlosses Lichtenstein, die Kirche zu Sonneberg und die zierliche Kapelle des Schlosses Rheinstein bei Bingen aus. Auch an der Restauration des Doms zu Bamberg war er beteiligt. Er starb 28. Sept. 1865 in Haßfurt, wo er die Ritterkapelle restauriert hatte. H. hat sich in der Wiederaufnahme der Gotik nicht nur von allem Kleinlichen fern zu halten, sondern auch das mit den damaligen Mitteln Erreichbare mit großem Schönheitssinn zu behandeln gewußt. Außer seinen zahlreichen Bauten und Umbauten schuf H. früher mehrere Historiengemälde in Öl, von denen eins: Kaiser Maximilian I., das Grab seines Oheims, des Herzogs Eberhard I. von Württemberg, in dem von ihm gestifteten Kloster Einsiedel im Schönbuch besuchend, in den Besitz der königlichen Familie von Württemberg, ein andres: Ritter Toggenburg, in den des Grafen Fries in Wien gekommen ist. Unter Heideloffs zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: "Die Lehre von den Säulenordnungen" (Nürnb. 1827); "Der kleine Vignola" (das. 1832); "Die architektonischen Glieder, deren Konstruktion, Zusammenstellung und Verzierung" (das. 1831, 2 Hefte); "Nürnbergs Baudenkmäler der Vorzeit" (das. 1838-43, 2. Ausg. 1855); "Die Ornamentik des Mittelalters" (das. 1838-52, 24 Hefte).

Heidelsheim, Stadt im bad. Kreis Karlsruhe, Amtsbezirk Bruchsal, an der Saalbach und der Linie Bruchsal-Bretten der Badischen Staatsbahn, hat Weinbau und (1885) 2271 meist evang. Einwohner. H. kam 1463 von Baden an die Pfalz und 1803 an Baden zurück.

Heiden (Ethnici, Pagani), ursprünglich s. v. w. Landbewohner im Gegensatz zu den Städtebewohnern, dann Gesamtbezeichnung der Bekenner andrer Religions- und Kultusformen als der monotheistischen. Als nämlich Kaiser Konstantin d. Gr. und dessen Nachfolger den alten Götzendienst aus den Städten verdrängt hatten, fristete derselbe noch auf dem Land ein kümmerliches Dasein, weshalb seine Anhänger von den Christen Pagani (von pagus, Dorf) genannt wurden. Die zum Christentum bekehrten Deutschen übertrugen diesen Ausdruck in ihre Sprache und nannten demnach die götzendienerischen Nichtchristen H., Bewohner der Heiden, bei denen sich auch der altgermanische Kult am längsten erhielt. Bis zu den Zeiten der Kreuzzüge rechnete man die Mohammedaner ebenfalls zu den H., während jetzt der Gegensatz von H. und Nichtheiden gleichläuft mit dem von Polytheismus (s. d.) und Monotheismus (s. d.). Die Juden unterschieden von sich alle andern Völker als H. Die daran erinnernde schroffe Behauptung Augustins, daß die H. alles Schöne und Große, was sie vollbracht, nur im Dienste des Satans gethan hätten, und daß deshalb ihre Tugenden nichts als glänzende Laster seien, wurde von der ältern Kirche keineswegs allgemein geteilt. Wohl aber neigten sich die Reformatoren, mit Ausnahme Zwinglis, wieder mehr der strengern Ansicht zu. Noch jetzt gibt es trotz der Mission (s. d.) mehr als 800 Mill, H. (vgl. die Tabellen "Religionen der Erde" bei Bevölkerung).

Heiden, hübsch gebauter Molken- und Luftkurort im schweizer. Kanton Appenzell, in aussichtsreicher Lage (806 m ü. M.), mit (1880) 3192 Einw. Eine Zahnradbahn, eröffnet 1876, führt von Rohrschach auf die Höhe von H.; sie ist 5½ km lang und erklimmt bei einer Maximalsteigung von 9 Proz. in 30 Minuten die relative Höhe von 384 m. Vgl. Scadrowsky, H. und die Rorschach-Heidener Bahn (2. Aufl., Zürich 1877).

Heiden, Eduard, Agrikulturchemiker, geb. 8. Febr. 1835 zu Greifswald, studierte seit 1854 daselbst Staatswissenschaften, dann Naturwissenschaft, insbesondere Agrikulturchemie. 1855 siedelte er nach Eldena über, wurde 1857 Assistent des chemischen Laboratoriums der Akademie daselbst, habilitierte sich 1858 an derselben für Agrikulturchemie und ward 1862 an die landwirtschaftliche Akademie Waldau versetzt. Von dort ging er 1867 nach Berlin; 1868 wurde er Vorstand der Versuchsstation in Pommritz und 1871 zum Professor ernannt. Er schrieb: "Die Phosphorsäure in ihren Beziehungen zur Landwirtschaft" (Hannov. 1864); "Lehrbuch der Düngerlehre" (Bd. 1 u. 2, Stuttg. 1867-68; 2. Aufl., Hannov. 1879-87; Bd. 3: "Statik des Landbaues", das. 1871); "Leitfaden der gesamten Düngerlehre und Statik des Landbaues" (2. Aufl., das. 1882); "Die praktische Düngerlehre" (Berl. 1875); "Die landwirtschaftlichen Versuchsstationen" (2. Aufl., Leipz. 1874); "Die zweckmäßigste Ernährung der Schweine" (Hannov. 1879); "Die menschlichen Exkremente" (das. 1882); "Wie wird schwerer roher Boden fruchtbar gemacht?" (das. 1883); "Die Verwertung der städtischen Fäkalien" (mit Müller und v. Langsdorff, das. 1885).

Heidenab, Fluß, s. Nab.

Heidenachtigall, s. Lerche.

Heidenäcker, s. Hochäcker.

Heidenchristen, im allgemeinen alle aus dem Heidentum zum Christentum Übergetretenen. Insonderheit heißen in der Geschichte des Urchristentums diejenigen Gläubigen so, welche, ohne zuerst Proselyten des Judentums zu werden, vom Apostel Paulus als mit den Judenchristen (s. d.) gleichberechtigte Glieder der christlichen Gemeinde und Bürger des Gottesreichs behandelt wurden. Der Kampf um die Berechtigung dieses Schrittes füllt noch das Leben des Paulus aus, während bald nachher die H. so sehr schon die große Mehrheit bildeten, daß das Judenchristen-^[folgende Seite]