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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heinrich

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Heinrich (Haïti, Hessen, Kärnten, Kastilien).

Armee unterdrückte rasch einige Verschwörungen und Aufstände und hielt die Unterthanen im Zaum. Die Finanzen verwaltete der treffliche Maximilian von Béthune, Marquis von Rosny und Herzog von Sully, so gut, daß die auf 350 Mill. Livres angeschwollene Schuldenlast um 125 Mill. verringert, trotz Verminderung der direkten Steuern um 4 Mill. die Staatseinnahme auf jährlich 39 Mill. mit 18 Mill. Überschuß gesteigert und ein Schatz von 41 Mill. angesammelt wurde. Verkehrsstraßen wurden angelegt, das Kleingewerbe von vielen Schranken befreit, die Großindustrie, namentlich die Seidenmanufaktur, in Aufschwung gebracht; Ackerbau und Viehzucht blühten auf. Verträge mit fremden Mächten sicherten den französischen Handel, in Kanada wurde 1608 die erste Kolonie zu Quebec gegründet. Der Wohlstand hob sich rasch, die Bevölkerung stieg bis 1610 von 10 auf 13 Mill. Auch Künste und Wissenschaften förderte H. Sein Hauptaugenmerk richtete er aber auf die auswärtige Politik. Sein Ziel in derselben war die Schwächung der habsburgischen Macht (der H. zugeschriebene Plan einer europäischen Republik ist Erfindung Sullys), die, obwohl namentlich in Spanien innerlich morsch, doch noch Mittel- und Südeuropa beherrschte. Überall suchte er derselben Feinde und Verlegenheiten zu erwecken und verfuhr dabei ohne alle Rücksicht auf Verträge und Verpflichtungen. Währenddessen rüstete er mit allem Eifer und sammelte so viel Kriegsmaterial in seinen Arsenalen auf, daß er in kurzer Zeit seine Armee von 20,000 Mann auf 70,000 mit 32 Geschützen bringen konnte. Die Verwickelungen in Deutschland, wo die Mehrzahl der Protestanten 1608 die Union schloß, die mit H. ein Bündnis einging, sollten den Anlaß zu dem Entscheidungskrieg zwischen Frankreich und Habsburg geben. Im jülich-klevischen Erbfolgestreit stellte er sich auf die Seite der Feinde des Kaisers, der possedierenden Fürsten von Kurbrandenburg und Pfalz-Neuburg, schloß eine Allianz mit Savoyen, und der Ausbruch des Kriegs sollte 1610 zu gleicher Zeit in Italien, in Navarra und am Rhein erfolgen. Am 17. Mai wollte der König zur Hauptarmee nach Châlons abreisen, 13. Mai fand in St.-Denis die Krönung der Königin Maria von Medicis statt, die Regentin sein sollte; aber 14. Mai wurde H., als er in Paris in offenem Wagen durch eine enge versperrte Straße fuhr, von Franz Ravaillac erdolcht. Der Mörder gab trotz furchtbarster Martern keine Mitschuldigen an. Heinrichs Tod wandte vom Haus Habsburg eine große Gefahr ab; die Geschicke Europas nahmen einen ganz andern Lauf. - Die zahlreichen Lobredner Heinrichs haben seine Geschichte in eine Legende verwandelt, welche dem "guten und großen" König bei der Nachwelt eine unverdiente Popularität verschafft hat. Er war kein sittlich reiner Charakter. Er war nicht rachgierig, aber auch im höchsten Grad undankbar, und zügellose Sinnlichkeit beherrschte ihn bis zu seinem Tod. Unter seinen zahlreichen Geliebten sind Gabrielle d'Estrées, von der die Herzöge von Vendôme abstammen, und Henriette d'Entragues zu nennen. Hoch zu schätzen ist H. als Feldherr und Staatsmann, und Frankreich hat von ihm in fast allen Beziehungen die Richtung vorgezeichnet erhalten, in der es im 17. und 18. Jahrh. sich bewegte und zu glänzenden Erfolgen gelangte. H. war von mittlerer Statur, sehnigem Körperbau, nicht schönen, aber charakteristischen Gesichtszügen. Von seiner zweiten Gemahlin, Maria von Medicis, mit der er sich 1600 nach der Trennung der Ehe mit Margarete vermählte, hinterließ er einen Sohn, Ludwig XIII., welcher sein Nachfolger wurde. Vgl. Péréfixe, Histoire de Henri IV (1661; neue Ausg. von Andrieux, Par. 1822); Poirson, Histoire du règne de Henri IV (3. Aufl., das. 1866, 4 Bde.); Lescure, Henri IV 1553-1610 (das. 1873); Lacombe, Henri IV et sa politique (das. 1878); M. Philippson, König H. IV. von Frankreich (im "Neuen Plutarch", Bd. 1, Leipz. 1874); Guadet, Henri IV, sa vie, son œuvre, ses écrits (1879); de la Barre-Duparcq, Histoire de Henri IV (1884); Rambault, Henri IV et son œuvre (1884); Zeller, Henri IV et Marie de Médicis (1878); Rott, Henri IV, les Suisses et la haute Italie (1882); Philippson, H. IV. und Philipp III., die Begründung des französischen Übergewichts in Europa 1598 bis 1610 (Berl. 1870-73, 2 Bde.).

31) H. V., bei den französischen Legitimisten Name des Herzogs von Bordeaux, Grafen von Chambord, s. Chambord.

[Haïti.] 32) H. I., Kaiser von Haïti, s. Christophe.

[Hessen.] 33) H. I., das Kind, erster Landgraf von Hessen, Sohn Heinrichs I. von Brabant und Sophiens von Hessen, der Tochter des Landgrafen Ludwig des Heiligen von Thüringen und der heil. Elisabeth, geb. 24. Juni 1244. Seine Mutter kämpfte nach Heinrich Raspes, des letzten Landgrafen von Thüringen, Tod (1247) als nächste Erbin desselben mit Heinrich dem Erlauchten von Meißen um das ganze Erbe ihres Kindes, konnte aber durch den Vertrag von 1265 für H., bis dahin "das Kind von Brabant" genannt, nur Hessen erlangen. H. schlug seinen Sitz in Kassel aus, säuberte das Land von Raubrittern und schützte es gegen die Anmaßungen des Erzbischofs von Mainz. Auch in die zerrütteten Verhältnisse seines väterlichen Erbes Brabant griff er thatkräftig ein; Kaiser Rudolf I. unterstützte er in dem Kriege gegen Ottokar von Böhmen. 1292 erhielt er vom König Adolf Boyenburg und Eschwege und die Belehnung mit Hessen als erblichem Reichsfürstentum. H. starb 21. Dez. 1308. Er ist der Begründer des hessischen Fürstenhauses.

[Kärnten.] 34) Herzog von Kärnten, aus dem görz-tirolischen Haus, kämpfte 1298 für Albrecht I. bei Göllheim, ward 1307 nach dem Erlöschen der Przemysliden und dem Tode des Habsburgers Rudolf zum König von Böhmen erwählt, konnte sich aber in dem zerrütteten Land nicht behaupten, wurde 1310 entsetzt und zog sich nach seinen Stammlanden Kärnten und Tirol zurück; doch übte er noch bei der Königswahl seines Neffen Friedrich des Schönen von Österreich (1314) sein titulares Wahlrecht als Kurfürst aus und entsagte der böhmischen Krone erst 1324 zu gunsten Johanns von Luxemburg. Er starb 2. April 1335 auf dem Schloß Tirol. Seine Tochter ist Margarete Maultasch.

[Kastilien.] 35) H. I., König von Kastilien, Sohn Alfons' VIII., geb. 1203, folgte seinem Vater 1214 unter Vormundschaft des Grafen von Lara, wurde aber 1217 von einem herabfallenden Dachziegel getötet. Ihm folgte Ferdinand III.

36) H. II., de la Merced, Graf von Trastamara, König von Kastilien, natürlicher Sohn Alfons' XI. und der Eleonora Guzman, geb. 1333, mußte nach dem Tod seines Vaters 1350, als Peter der Grausame den Thron bestiegen hatte, nach Portugal entfliehen. Peters Grausamkeit und Willkür hatten dem Prinzen bald eine große Partei verschafft, und schon 1354 erhob er die Fahne des Aufruhrs, mußte aber 1356 nach der Einnahme von Toro nach Frankreich flüchten. Von da ging H. nach Aragonien, dessen König Kastilien den Krieg erklärte, an dem sich