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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Heinrich von Freiberg - Heinrich von Plauen.

von Höfler in den "Beiträgen zur Geschichte Böhmens", 1. Abteilung (Prag 1864), und von Böhmer in den "Fontes rerum germ.", Bd. 4 (Stuttg. 1868).

Heinrich von Freiberg (Vriberg), mittelhochd. Dichter, aus Freiberg im Meißenschen, lebte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrh. am Hof Wenzels II. von Böhmen, zeichnete sich durch leichte, gewandte Rede, zierliche Darstellung und schalkhafte Neckerei aus, worin er seinem Meister Gottfried von Straßburg glücklich nachstrebte, zu dessen "Tristan" er den Schluß hinzufügte. Seine Dichtung ist herausgegeben in v. d. Hagens Ausgabe von Gottfrieds Werken (Berl. 1823) sowie selbständig von Bechstein (Leipz. 1877). Weniger bedeuten seine "Ritterfahrt Johanns von Michelsberg" (in v. d. Hagens "Germania", Bd. 2, Berl. 1837) und sein Gedicht vom "Heiligen Kreuz" (in Pfeiffers "Altdeutschem Übungsbuch", Wien 1866).

Heinrich von Hervord, Geschichtschreiber des Mittelalters, Dominikaner, gest. 1370 in Minden, ist der Verfasser einer ihrer Zeit weitberühmten Chronik, welche mit großer Gelehrsamkeit auf der Grundlage der ältern Geschichtswerke die Weltgeschichte, in sechs Weltalter abgeteilt, bis 1355 erzählt, ohne indes für die dem Verfasser gleichzeitigen Ereignisse den Wert einer originalen Quelle zu haben. Herausgegeben ist es von A. Potthast: "Liber de rebus memorabilioribus sive Chronicon Henrici de Hervordia" (Götting. 1859).

Heinrich von Krolewitz, Dichter, aus Kröllwitz im Meißenschen, verfaßte zwischen 1252 und 1255 eine poetische Paraphrase des "Vaterunsers", ein weitschweifiges, in einem schwerfälligen Stil abgefaßtes Werk von 4889 Versen, worin er mancherlei Gelehrsamkeit angebracht hat (hrsg. von Lisch, Quedlinb. 1839).

Heinrich von Laufenberg, mittelhochd. Dichter, Priester zu Freiburg i. Br., trat 1445 in den Johanniterorden zu Straßburg und dichtete zwischen 1415 und 1458 zahlreiche geistliche Lieder, meist zum Lobe der heiligen Jungfrau, teilweise indem er weltliche Lieder umdichtete ("Contrafacta"). An 100 derselben sind in Wackernagels Werk "Das deutsche Kirchenlied" (Leipz. 1864-77) abgedruckt. Außerdem verfaßte H. einen "Spiegel menschlichen Heils" (1437) von 15,000 und ein "Buch von den Figuren" zu Ehren der heiligen Jungfrau (1441) von 25,370 Versen.

Heinrich von Lettland, ein Deutscher von Geburt, ward am Hof des Bischofs Albert von Riga zum Priester erzogen, 1208 als Missionär in das Land der Letten gesandt und predigte, kühn die heidnischen Götterbilder niederwerfend, ihnen und den Esthen das Christentum. Diese seine Missionsthätigkeit, überhaupt die Eroberung und Christianisierung der lettischen und esthnischen Gebiete schilderte er in einer lateinisch geschriebenen und um 1226 abgefaßten Chronik wahrheitsgetreu und lebendig, mit einer Fülle kulturhistorischen Stoffes. Herausgegeben von Arndt (Heinrici Chronicon Lyvoniae in "Monumenta Germaniae historica", XXIII). Vgl. Hildebrand, Die Chronik Heinrichs von Lettland (Berl. 1865).

Heinrich von Meißen (nach neuerer Forschung Heinrich zur Meise), Dichter, s. Frauenlob.

Heinrich von Melk, der älteste deutsche satirische Dichter, stammte aus ritterlichem Geschlecht, trat aus Überdruß am weltlichen Leben als Laienbruder in das österreichische Kloster Melk und verfaßte hier zwischen 1152 und 1163 ein Gedicht: "Von des Todes Erinnerung", dessen Eingang auch den Titel: "Vom gemeinen Leben" führt (hrsg. von Maßmann in "Gedichte des 12. Jahrhunderts", Quedlinburg 1837; von Diemer in "Kleine Beiträge", Bd. 3, Wien 1856). Ein zweites, unvollständig erhaltenes Gedicht von ihm, worin er sich nicht mit Namen nennt, das aber wegen der Gleichheit des Charakters und der Ansichten ihm von Haupt beigelegt wurde, ist das "Pfaffenleben" (hrsg. von Haupt in "Altdeutsche Blätter", Bd. 1, Leipz. 1835). Beide (neu hrsg. von Heinzel, Berl. 1867) zeigen einen ernsten, streng sittlichen Geist, der weder bei Laien noch bei Geistlichen die Gebrechen und Verkehrtheiten schont, und geben anschauliche Kulturbilder des 12. Jahrh. Vgl. Wilmanns, Beiträge zur ältern deutschen Litteratur, Heft 1 (Bonn 1885); O. Lorenz, H. v. M., der Juvenal der Ritterzeit (Halle 1886).

Heinrich von Morungen, einer der fruchtbarsten deutschen Minnesänger, ein Ritter aus Thüringen, nach der Burg Morungen bei Sangerhausen benannt, lebte am Ende des 12. und Anfang des 13. Jahrh., zuletzt am Hof zu Meißen, wo er zwischen 1213 und 1221 als Miles emeritus urkundlich vorkommt. Seine sehr innigen und anmutigen, durch lebhafte Sinnlichkeit und Phantasie ausgezeichneten Lieder, die mehrfach den Einfluß der französischen Troubadoure verraten, findet man in v. d. Hagens "Minnesingern" (Leipz. 1838) und in "Des Minnesangs Frühling" von Lachmann und Haupt (3. Aufl., das. 1882); eine gute Auswahl in den "Deutschen Liederdichtern des 12.-14. Jahrhunderts" von Bartsch (Stuttg. 1864). Vgl. M. Meyr, Über H. v. M. (Programm, Linz 1879); Michel, H. u. die Troubadours (Straßb. 1880).

Heinrich von Müglin, einer der Begründer des Meistergesanges, aus Mügeln im Meißenschen, lebte am Hof Kaiser Karls IV., später an dem des Erzbischofs Rudolf von Österreich (1358-65) und machte sich besonders durch seine Übersetzung des Valerius Maximus (1364), seine ungarische Chronik (in Prosa) sowie durch seine allegorisch-didaktische Dichtung "Der Mägde Kranz", einen Wettstreit der freien Künste darstellend (alles noch ungedruckt), bekannt. Außerdem schrieb er Lieder und Fabeln (hrsg. von W. Müller, Götting. 1845). Vgl. Schröer, Die Dichtungen Heinrichs von Mügeln (Wien 1867).

Heinrich von Neuenstadt, Dichter, aus Wiener-Neustadt gebürtig, kommt als Arzt zu Wien in Urkunden von 1297 bis 1318 vor. Wir besitzen zwei Dichtungen von ihm: die eine behandelt nach lateinischer Quelle die Sage von Apollonius von Tyrus und ist von beträchtlichem Umfang (gegen 21,000 Verse mit vielen Episoden); die andre, früher verfaßte beruht auf der lateinischen Dichtung des Franzosen Alanus ab Insulis, dem "Anticlaudianus", und führt den Titel: "Von Gottes Zukunft", d. h. Christi Wiederkehr am Jüngsten Tag (8587 Verse). Vgl. Strobl, H. v. N. (Wien 1875).

Heinrich von Ofterdingen, Name des in dem Gedicht vom Wartburgkrieg angeführten Sängers, welcher im Wettkampf als Gegner Wolframs von Eschenbach und als Lobredner des Herzogs Leopold VII. von Österreich auftritt, woraus man schloß, daß er seine Jugendzeit an dessen Hof zugebracht habe. Die Tradition der Meistersänger zählt ihn unter den Stiftern derselben auf; doch ist seine Existenz überhaupt gar nicht verbürgt, wenngleich der "Laurin" in überarbeiteten Texten als Ofterdingens Werk bezeichnet wird. Novalis schrieb einen (nicht vollendeten) Roman, dessen Held H. ist.

Heinrich von Plauen, Hochmeister des Deutschen Ordens in Preußen, Sohn des Vogts Heinrich VIII. von Plauen, geboren um 1370, trat nach erlangter Volljährigkeit in den Deutschen Orden und