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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heiserkeit; Heißen; Heißgußporzellan; Heißhunger; Heißluftmaschinen

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Heiserkeit - Heißluftmaschinen.

servatoriums, wirkte 1858-65 als Musiklehrer an der Akademie in Sorö; starb 12. Sept. 1879. H. war ein bemerkenswerter Vokalkomponist; besonders seine Lieder fanden eine weite Verbreitung. Von seinen übrigen Werken seien genannt: die Konzertkompositionen "Herbststürme" und "Bergliot", die Oper "Die Tochter des Paschas" (1869 in Kopenhagen mit großem Erfolg aufgeführt), die Musik zu Öhlenschlägers "Palnatoke", die Ballade "Dornröschen", ferner "Gudruns Trauer" u. a.

Heiserkeit (Rauheit, Raucedo), eine eigentümliche Veränderung der menschlichen Stimme, welche darin besteht, daß dieselbe ihren normalen Wohllaut, ihre Reinheit, ihren vollen, metallischen Klang verliert und statt dessen in verschiedenartige, bald mehr rauhe, schnarrende, bald mehr pfeifende, kreischende, fistulierende Töne, in ein plötzliches Überspringen von diesen zu jenen und umgekehrt ausartet und sich bis zur Stimmlosigkeit (Aphonie) steigern kann. Die Ursachen der H. liegen gewöhnlich in einer Schwellung und Schlaffheit der Kehlkopfschleimhaut und der Stimmbänder infolge katarrhalischer Entzündung der obern Luftwege. Die H. wird oft auch durch Geschwüre der Kehlkopfschleimhaut hervorgerufen, namentlich wenn diese an den untern Stimmbändern sitzen. Geschwülste im Innern des Kehlkopfes oder solche, welche von außen her auf ihn und auf die Luftröhre drücken, wie der Kropf (Schilddrüsengeschwulst), Lymphdrüsen- und Mandelgeschwülste, können ebenfalls H. bewirken. Die Gelegenheitsursachen der H. sind gleichfalls sehr mannigfaltig. Lautes und anhaltendes Reden und Singen, Erkältung des Halses oder auch andrer Körperteile geben wie zum Katarrh der Luftwege, so auch zu der H. als Symptom desselben häufig die Veranlassung. Gewisse fieberhafte Ansteckungskrankheiten (Typhus, Masern) sind fast stets mit Kehlkopfkatarrh und H. verbunden. Ungemein häufig ist H. bei Schwindsüchtigen, wo sich zu der Krankheit der Lungen eine chronische Entzündung und Geschwürsbildung der Kehlkopfschleimhaut hinzugesellt hat. Je nach den Ursachen ist die H. bald eine vorübergehende, bald eine bleibende oder wenigstens sehr lange andauernde Störung. Beruht sie auf einfachem Katarrh der Kehlkopfschleimhaut, so pflegt sie bald vorüberzugehen, während Geschwüre und Geschwülste des Kehlkopfes chronische, oft bis zum Tod anhaltende H. bedingen. Die Behandlung richtet sich nach den Ursachen. S. Aphonie.

Heißen (hissen), einen Gegenstand mit einem Tau oder mit Hilfe eines Flaschenzugs (Gien, Takel, Talje, Klappläufer, Jollentau) hochbringen, wie z. B. schwere Lasten, Schiffsgüter, Geschütze, Boote, Segel, Flaggen etc.

Heißgußporzellan, s. Kryolith.

Heißhunger (Ochsenhunger, Bulimus, Bulimia), eine krankhafte, mit heftiger Begierde nach sofortiger Nahrungsaufnahme verbundene Empfindung, welche sich namentlich bei sogen. nervösen Personen von Zeit zu Zeit, oft ganz plötzlich und ohne bestimmt nachweisbaren Grund einstellt. Diese Empfindung wird meistens dadurch gemildert oder zum Verschwinden gebracht, daß der Kranke wenige Bissen von Brot, Semmel und dergleichen trocknen Speisen zu sich nimmt. In manchen Fällen verbindet sich der H. mit Ohnmachtsanfällen und andern Nervenzufällen. Gewöhnlich hält er nur ganz kurze Zeit an. Der H. ist manchmal ein Symptom des Diabetes (s. Harnruhr) oder des chronischen Magenkatarrhs, während er in andern Fällen als reine Nervenaffektion des Magens zu betrachten ist. Mit dem H. darf nicht verwechselt werden das krankhafte Vielessen oder die Gefräßigkeit (Polyphagie), welche z. B. bei manchen Blödsinnigen vorkommt.

Heißluftmaschinen, Motoren, bei welchen die Ausdehnung atmosphärischer Luft beim Erwärmen als Triebkraft benutzt wird. Man unterscheidet offene und geschlossene H., je nachdem die Maschine fortwährend mit neuer, aus der Umgebung zuströmender, nach ihrem Wirken die Maschine verlassender Luft arbeitet oder aber in ihr ein und dasselbe Quantum eingeschlossener Luft abwechselnd erwärmt und abgekühlt wird. Die erste einigermaßen brauchbare, von Ericsson erfundene Heißluftmaschine war eine offene, sie arbeitet mit zwei Kolben in einem durch einen geheizten Feuertopf einseitig abgeschlossenen Cylinder. Die Kolben sind durch einen eigentümlichen Hebelmechanismus untereinander und mit der Kurbel der Schwungradwelle verbunden, so daß sie während des Ganges der Maschine folgende relative Bewegungen machen. Aus der dem Feuertopf fernsten, für beide Kolben ungefähr gleichzeitig eintretenden Stellung kehrt zuerst der innere (Speisekolben) zurück, drängt dabei das zwischen ihm und dem Feuertopf befindliche Luftquantum zu dem durch die Steuerung geöffneten Auslaßventil heraus und saugt gleichzeitig durch Ventile in dem äußern (Arbeits-) Kolben Luft in den Zwischenraum zwischen beiden Kolben. Der darauf nachfolgende Arbeitskolben preßt diese Luft bei geschlossenem Auslaßventil durch Ventile des Speisekolbens in den dem Feuertopf zunächst liegenden Teil der Maschine. Während bei diesen beiden Operationen die in dem Schwungrad aufgespeicherte Arbeit verwendet wurde, wird umgekehrt in der nun folgenden, infolge der Lufterwärmung eintretenden Expansionsperiode durch die gleichzeitig vorgehenden Kolben Arbeit auf das Schwungrad übertragen. Diese Heißluftmaschine arbeitet aber ökonomisch noch sehr unvorteilhaft und mit unangenehmem, beim Öffnen des Auslaßventils entstehendem Geräusch, weshalb sie, wie auch die spätern offenen H. von Redtenbacher, Wilcox etc., schon längst nicht mehr im Gebrauch ist und nur noch historisches Interesse hat. Allerdings knüpften sich an diese höchst geniale Erfindung hochgespannte Erwartungen bezüglich einer durch ihre Verwendung für das Kleingewerbe ermöglichten Konkurrenz desselben mit der die Vorteile der Dampfmaschine in hohem Maß ausnutzenden Großindustrie. Jedoch haben sich dieselben nicht erfüllt, und selbst die verbesserten Konstruktionen der Gegenwart haben nur geringen Einfluß auf die Hebung der Kleinindustrie ausgeübt.

Die neuern, sämtlich zur Gattung der geschlossenen gehörenden H. werden repräsentiert durch die Konstruktionen von Lehmann, Stenberg, Rider, Rennes. Die Einrichtung und Wirkungsweise der Lehmannschen Heißluftmaschine (Fig. 1) ist folgende. In einem geschlossenen gußeisernen Cylinder a a b c, dessen hinteres geschlossenes Ende c, der Feuertopf, in einen Ofen s eingemauert ist, während der vordere offene Teil mit einem zwischen dem Mantel w w und dem Cylinder a a liegenden, Kühlwasser enthaltenden Raum t umgeben ist, bewegen sich zwei Kolben d und l l. Der Kolben d (Arbeitskolben) steht durch eine in der Figur nicht sichtbare Bleuelstange, den Hebel f u. die Stange g mit der Kurbel h der Schwungradwelle i in Verbindung und ist mittels eines nach dem Cylinderinnern gerichteten Lederstulpes derart abgedichtet, daß er, solange der Druck im Innern der Maschine den äußern Luftdruck übersteigt, Luft nicht herausläßt, dagegen bei einer unter den Atmosphärendruck herabgehenden