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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Heinzel - Heise.

Dozent der Philosophie in Leipzig, ging 1874 als ordentlicher Professor der Philosophie an die Universität Basel, im nächsten Jahr an die Universität Königsberg, von wo er schon nach einem halben Jahr an die Universität Leipzig in gleicher Eigenschaft zurückgerufen wurde. Er schrieb neben kleinern Arbeiten über Descartes, die Ethik der Stoiker, Spinoza etc. "Die Lehre vom Logos in der griechischen Philosophie" (Oldenb. 1872), "Der Eudämonismus in der griechischen Philosophie" (Leipz. 1883, Bd. 1) und gab seit 1875 die 5. und 6. Auflage von Überwegs "Grundriß der Geschichte der Philosophie" (3 Bde.) in neuer Bearbeitung heraus.

Heinzel, Richard, Germanist, geb. 3. Nov. 1838 zu Capo d'Istria, wurde nach mehrjähriger Thätigkeit als Gymnasiallehrer 1868 Professor an der Universität in Graz, 1873 an der Universität in Wien. Von seinen Arbeiten, die sich teils auf sprachlichem, teils auf litterarischem Gebiet bewegen, erwähnen wir: "Heinrich von Melk" (Berl. 1867); "Über Gottfried von Straßburg" (Wien 1868); "Gottfrieds von Straßburg Tristan und seine Quelle" (in der "Zeitschrift für deutsches Altertum" 1869); "Geschichte der niederfränkischen Geschäftssprache" (Paderb. 1874); "Über den Stil der altgermanischen Poesie" (Straßb. 1875); "Wortschatz und Sprachformen der Wiener Notker-Handschrift" (Wien 1875-76, 3 Bde.); "Über die Endsilben der altnordischen Sprache" (das. 1877); "Beschreibung der isländischen Saga" (das. 1881); "Über die Nibelungensage" (das. 1885). Mit W. Scherer gemeinsam gab er heraus: "Notkers Psalmen. Nach der Wiener Handschrift" (Straßb. 1876).

Heinzelin von Konstanz, didaktischer Dichter zu Ende des 13. Jahrh., war Küchenmeister des auch als Minnesänger bekannten Grafen Albrecht von Hohenberg und Haigerloch (gest. 1298). Unter dem Titel: "Der Minne Lehre" verfaßte er eine Minneallegorie, noch im guten Stil der höfischen Kunst; zwei andre Gedichte von ihm gehören der Gattung der Streitgespräche an: "Ritter und Pfaffe" behandelt die Vorzüge der beiden genannten Stände, die durch ihre Vertreter ans Licht gesetzt werden, das Gedicht "Von den beiden Johannsen" in Form einer Vision den Rangstreit zwischen dem Täufer und dem Evangelisten Johannes. Alle drei Werke sind herausgegeben von Pfeiffer: "H. von Konstanz" (Leipz. 1852).

Heinzelmännchen, s. Hausgeister.

Heinzen, Karl Peter, polit. Schriftsteller, geb. 22. Febr. 1809 zu Grevenbroich, wurde 1827, als er in Bonn Medizin studierte, relegiert, ließ sich von den Holländern nach Batavia anwerben, kehrte aber bald zurück und fand eine Stellung im Steuerfach, dann bei der Aachener Feuerversicherungsgesellschaft. Durch seine Beiträge für die "Leipziger Allgemeine Zeitung" und die "Rheinische Zeitung" geriet er mit der Zensur in Konflikt, und das Verbot dieser Zeitschriften reizte ihn zu seinem Buch "Die preußische Büreaukratie", das gleich beim Erscheinen konfisziert wurde. Der gegen ihn erhobenen Anklage entzog sich H. durch die Flucht nach Belgien, dann in die Schweiz, endlich nach Amerika, von wo ihn die deutsche Erhebung von 1848 nach Europa zurückrief. Hier trat er sogleich im Sinn der sozial-republikanischen Partei auf. Nach dem Mißlingen der ersten republikanischen Schilderhebung in Baden setzte er von Straßburg aus seine revolutionäre Thätigkeit fort. Nach dem Ausbruch der badischen Revolution im Sommer 1849 erschien er als Führer einer Freischar auf dem Schauplatz, floh nach Unterdrückung des Aufstandes über die Grenze und kehrte nach Amerika zurück, wo er erst in New York lebte, dann in Cincinnati den "Pionier", eine deutsche, äußerst radikale Zeitung, herausgab, mit welcher er 1860 nach Boston übersiedelte. Dort gab er auch seine "Gesammelten Schriften" (1864-1867, 3 Bde.) heraus und starb 12. Nov. 1880.

Heinzerling, Friedrich, Baumeister und Lehrer der Bauwissenschaften, geb. 15. Dez. 1824 zu Großenbuseck bei Gießen, studierte 1846-48 in Berlin und Gießen Naturwissenschaften, Architektur und Ingenieurwesen, war von 1848 bis 1856 beim Brücken- und Hochbau der Main-Weserbahn thätig, baute 1856-1860 die Bahnstrecke Ingelheim-Bingen, wurde 1860 Lehrer des Ingenieurfachs an der Gewerbeschule zu Darmstadt, 1864 Professor der Bau- und Ingenieurwissenschaften an der Universität Gießen und wirkt seit 1870 als Professor des Brückenbaues und der höhern Baukonstruktionen an der technischen Hochschule zu Aachen. Er schrieb: "Die Brücken in Eisen" (Leipz. 1870); "Beitrag zur Begründung einer allgemeinen Theorie und Systemkunde der Baukonstruktionen" (das. 1870); "Grundzüge zur konstruktiven Anordnung und statischen Berechnung der Brücken- und Hochbauten" (das. 1870-74); "Die angreifenden und widerstehenden Kräfte der Brücken- und Hochbaukonstruktionen" (2. Aufl., Berl. 1876); "Die Brücken der Gegenwart" (Aach. 1874-83, 4 Abtlgn.); "Der Eisenhochbau der Gegenwart" (das. 1878). 1881 gab er mit Intze im Namen der Kommission zur Aufstellung von Normalprofilen für Walzeisen das "Deutsche Normalprofilbuch für Walzeisen" heraus, wodurch die frühere (273) Zahl der Profileisen sehr verringert und deren Form wesentlich vervollkommt erscheint.

Heirat, s. Ehe und Hochzeit.

Heiratsbrief, s. Ehevertrag.

Heiratsbüreaus, Anstalten, welche sich gewerbsmäßig mit der Vermittelung von Heiraten zwischen einander fremden Personen auf Grund von Annoncierungen etc. gegen Zahlung fester Summen oder von Prozenten des eingebrachten Vermögens etc. befassen. Vgl. Adreßbüreaus.

Heiratsgut, s. Mitgift.

Heiratskassen (Brautkassen), s. v. w. Ausstattungskassen, s. Aussteuerversicherung.

Heiratsregister, s. Personenstand.

Heis, Eduard, Astronom, geb. 18. Febr. 1806 zu Köln, wurde 1827 Lehrer an den Gymnasien in Köln und 1837 in Aachen und erhielt 1852 die Professur der Mathematik und Astronomie an der Akademie zu Münster, wo er 30. Juni 1877 starb. H. beschäftigte sich gemeinschaftlich mit Argelander mit der Beobachtung der veränderlichen Sterne, entdeckte den veränderlichen Stern e ^[ε] Aurigae, widmete sich dann der Bestimmung der dem bloßen Auge sichtbaren Sterne und der Beobachtung der Sternschnuppen. Außer kleinen Aufsätzen in Fachzeitschriften schrieb er: "Die periodischen Sternschnuppen etc." (Köln 1849); "Sammlung von Beispielen und Aufgaben aus der allgemeinen Arithmetik und Algebra" (68. Aufl., das. 1885); mit Eschweiler: "Lehrbuch der Geometrie" (das., 3 Bde.; mehrfach aufgelegt); "Neuer Himmelsatlas" (das. 1872); "Zodiakallicht-Beobachtungen in den letzten 29 Jahren, 1847-75" (das. 1875); "Resultate der in den 43 Jahren 1833-75 angestellten Sternschnuppen-Beobachtungen" (das. 1877). 1858-75 redigierte er die "Wochenschrift für Astronomie".

Heisan, s. Thee.

Heise, Peter, dän. Komponist, geb. 11. Febr. 1830 zu Kopenhagen, lernte die Theorie der Musik bei Berggren, war 1852-53 Schüler des Leipziger Kon-^[folgende Seite]