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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heliodoros; Heliogabalus; Heliograph; Heliographie

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Heliodoros - Heliographie.

Heliodoros, 1) Schatzmeister des syrischen Königs Seleukos IV., Philopator, ward 176 v. Chr., von diesem nach Jerusalem gesandt, um die Tempelschätze zu rauben, aber, als er trotz der Gegenvorstellungen des Hohenpriesters Onia den Tempel betrat, der Sage nach von einer wunderbaren Erscheinung zu Boden geschlagen und so von der Ausführung seines Vorhabens abgehalten. Später vergiftete er seinen Herrn und usurpierte den syrischen Thron, wurde aber durch Antiochos Epiphanes gestürzt.

2) H. aus Emesa, ein Sophist aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrh., früher fälschlich mit dem Bischof von Trikka in Thessalien (um 390) identifiziert, ist Verfasser eines griechischen Romans: "Aethiopica", in zehn Büchern, von den wunderbaren Schicksalen der äthiopischen Königstochter Chariklea und des Thessaliers Theagenes. Derselbe ist für die meisten der folgenden Romanschriftsteller Vorbild gewesen. In Erfindung, Anlage, Schilderung und ethischem Gehalt gehört er zu den besten Leistungen auf diesem Gebiet der griechischen Litteratur; ebenso zeichnet er sich durch Reinheit und Eleganz der Sprache aus. Ausgaben lieferten Korais (Par. 1804, 2 Bde.), Mitscherlich (Leipz. 1805, 2 Bde.), I. Bekker (das. 1855), Hirschig (in "Scriptores erotici", Par. 1856); Übersetzungen Göttling (Frankf. 1822), Jacobs (Stuttg. 1837), Fischer (das. 1869).

Heliogabalus (Elagabalus, eigentlich Name des Sonnengottes, unter welchem derselbe zu Emesa in Syrien verehrt wurde), röm. Kaiser von 218 bis 222 n. Chr., hieß ursprünglich Varius Avitus Bassianus und war der Sohn des Varius Marcellus und der Soämis, der Enkel der Julia Mäsa, der Schwägerin des Septimius Severus, welche sich nach dem Sturz des Kaisers Caracalla mit einem großen Vermögen in ihre Vaterstadt Emesa zurückgezogen hatte. Hier ward der Knabe zum Oberpriester des Sonnengottes geweiht und gewann durch die Schönheit seiner Gestalt, besonders durch die Ähnlichkeit seiner Gesichtszüge mit denen des Caracalla die Zuneigung einer in der Nähe von Emesa stationierten Truppenabteilung. Mäsa benutzte diesen Umstand, gab den Enkel für einen Sohn Caracallas aus und bewirkte hierdurch sowie durch reiche Geldspenden, daß ihn die Soldaten, obgleich er erst 17, nach andern sogar nur 14 Jahre alt war, unter dem Namen Marcus Aurelius Antoninus zum Kaiser ausriefen (218). Macrinus, der sich nach Ermordung des Caracalla (221) der Herrschaft bemächtigt hatte, wurde besiegt und auf der Flucht getötet; H. selbst aber eilte, ohne die Bestätigung des Senats abzuwarten, nach Rom, um zu den Genüssen der Hauptstadt zu gelangen. Dort blieb die Verherrlichung des Sonnengottes, dem er diente, und dessen Namen er selbst annahm, seine Hauptbeschäftigung. Auf dem Palatinischen Berg ließ er einen prachtvollen Tempel errichten, worin der Kult des Gottes mit der ausschweifendsten Pracht begangen wurde. Die angesehensten Würdenträger des Reichs mußten dabei als niedrige Tempeldiener figurieren; ja, die übrigen Götter Roms wurden zu Dienern dieses obersten Gottes herabgewürdigt und die Heiligtümer des römischen Kultus, die Ancilia und das Palladium, in dessen Tempel geschafft. Zur Gattin des Sonnengottes wurde Luna (die Astarte der Phöniker) erkoren und deren Bild mit feierlichem Pomp von Karthago nach Rom verpflanzt. Im übrigen war des H. Regierung nichts als eine Kette der sinnlosesten Schwelgereien und der niedrigsten und gemeinsten Ausschweifungen. Endlich schämten sich selbst die Soldaten ihrer schmählichen Wahl und wandten ihre Gunst dem Vetter des H., Alexander, dem Sohn der Mammäa, der andern Tochter der Mäsa, zu. Auf Anstiften der letztern adoptierte H. denselben, trachtete ihm jedoch bald darauf, aber vergeblich, nach dem Leben. Ein Aufruhr, durch H.' fortgesetzte Nachstellungen gegen Alexander veranlaßt, kostete ihm Thron und Leben. Die Prätorianer ermordeten ihren frühern Günstling, schleiften seinen verstümmelten Leichnam durch die Straßen und warfen denselben in den Tiber (222).

Heliograph (griech.), Instrument zur Herstellung kleiner Bilder der Sonne, ein Äquatorial mit photographischer Kammer. Das Objektiv ist aplanatisch geschliffen, so daß das Sonnenbild in einer Ebene entsteht und entweder im Fokus direkt oder durch einen Okularapparat vergrößert aufgenommen wird. H. heißt auch ein von Mance modifiziertes Gaußsches Heliotrop, welches zu telegraphischen Zwecken benutzt wird, indem man mit Hilfe eines kleinen, drehbaren Spiegels Sonnenblitze von längerer oder kürzerer Dauer auf weite Entfernungen entsendet und durch Kombination der längern und kürzern Blitze, ähnlich wie beim Morse-Apparat, ein Alphabet bildet. Man hat versucht, durch Aufstellung des Heliographen in einem Luftballon, der mit dem Erdboden telephonisch verbunden ist, den beschränkenden Einfluß der Erdkrümmung in ebenen Gegenden einigermaßen zu überwinden und bei trübem Wetter statt des Sonnenlichts Drummondsches Licht anzuwenden.

Heliographie (griech., "Sonnenschrift"), die Kunst, mittels Photographie erzeugte Bilder direkt auf mechanischem Weg durch Druckerschwärze und Presse zu vervielfältigen, zerfällt der Hauptsache nach in drei verschiedene Methoden, je nachdem die Druckplatte durch Ätzen, durch Reaktion oder durch Abformen hergestellt wird. Im erstern Fall ersetzt die empfindliche Schicht den Ätzgrund, die Belichtung den Graveur, und die Säure operiert wie bei einem Stich; im zweiten ist der Druck kein rein mechanischer Vorgang, sondern die Folge einer physisch-chemischen Reaktion zwischen zwei Stoffen, wie bei der Lithographie; die dritte Verfahrungsart ist eine spezifisch heliographische und besteht im Abformen des Reliefs, welches die Chromgelatine durch Auflösen oder Aufquellen ihrer unbelichteten Teile entstehen läßt. Die ersten heliographischen Versuche wurden von Fox Talbot (der sein Verfahren Photoglyphie nannte), Niepce de Saint-Victor und Poitevin gemacht; die gewonnenen Platten bedurften aber noch großer Nachhilfe durch den Kupferstecher, um druckbar zu werden; weit bessere Resultate für die Kupferdruck- und für die Buchdruckpresse erzielte Pretsch, der sein Verfahren Photogalvanographie (s. d.) nannte. Sein Schüler Joseph Leipold, jetzt Direktor der Banknotendruckerei zu Lissabon, bildete es weiter aus. - Die Photolithographie und die Photozinkographie, die Similigravüre, die Albertotypie, die Dallastypie und der Aubeldruck gehören ebenfalls unter den Begriff der H., wenigstens insoweit, als die Reproduktionen von mit Hilfe der Photographie (s. d.) erzeugten Negativ- oder Positivbildern gewonnen werden. Helioplastik oder Phototypie nennt man die erhabene Darstellung der Zeichnungen auf Metallplatten zum Druck auf der Buchdruckpresse zum Unterschied von den vertieft gezeichneten, nur auf Kupferdruck- oder Steindruckpressen abziehbaren Darstellungen. Poitevins Verfahren ist in England unter dem Namen Heliotypie patentiert worden. Bei demselben wird von dem unter einem photographischen Negativ belichteten und im Relief ausgewasche-^[folgende Seite]