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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Helvetische Konsensformel - Helye.

Todes der Obrigkeit übergeben werden sollte. Infolge der vom Kurfürsten der Konfession gezollten Anerkennung wagten es die Züricher, den andern Schweizer Kirchen den Vorschlag zu machen, Bullingers Werk zu dem Panier zu erheben, unter welches man sich einmütig scharen wolle. Genf und Bern stimmten sofort zu, die andern Kantone folgten, am spätesten Basel. Diese sogen. zweite Helvetische Konfession fand in der Folge in den reformierten Kirchen aller Länder die allgemeinste Anerkennung; die schottische Kirche erklärte ihre Übereinstimmung mit ihr 1566 und 1584, die französische 1571 zu La Rochelle, die polnische 1571 und 1578, die ungarische 1567 auf der Synode zu Debreczin. Vgl. Witz, Die zweite Helvetische Konfession, übersetzt (Klagenf. 1881).

Helvetische Konsensformel (Formula Consensus Helvetica), s. Consensus.

Helvetische Republik, Name des nach der Eroberung der Schweiz durch Frankreich 12. April 1798 errichteten französischen Vasallenstaats, der bis 10. März 1803 bestand. S. Schweiz, Geschichte.

Helvetisches Kollegium (Collegium Helveticum), Name eines Seminars in Mailand zur Ausbildung katholischer Geistlichen für die Schweiz, vom Kardinal-Erzbischof Karl Graf Borromeo von Mailand (gest. 1584) im J. 1579 begründet, hat während seines 200jährigen Bestehens zur Befestigung des Katholizismus und namentlich auch des jesuitischen Einflusses in den katholischen Schweizer Kantonen viel beigetragen. Die Anstalt ward in der Revolutionszeit gegen Ende des vorigen Jahrhunderts aufgehoben.

Helvetische Stufe, s. Tertiärformation.

Helvétius (spr. elwēßĭüs), Claude Adrien, franz. Philosoph aus der Schule der Encyklopädisten, geb. 1715 zu Paris, war für das Finanzfach bestimmt und erhielt 1738 die einträgliche Stelle eines Generalpachters, die er jedoch bald wieder aufgab, um sich im Umgang mit den ersten Männern seiner Zeit, mit d'Alembert, Diderot, Holbach, zurückgezogen den Wissenschaften zu widmen. Durch Lockes "Versuch über den menschlichen Verstand" wurde er zu philosophischen Studien veranlaßt. Im J. 1764 unternahm H. eine Reise nach England und Deutschland und fand besonders am Hofe Friedrichs II. eine ehrenvolle Aufnahme. Nach seiner Zurückkunft lebte er zu Paris, wo er 26. Dez. 1771 starb. Sein durch Locke angeregtes Hauptwerk: "De l'esprit" (Par. 1758, neue Ausg. 1843; deutsch von Gottsched, Leipz. 1759), ward als staats- und religionsgefährlich auf Befehl des Parlaments 1759 verbrannt; ein zweites: "De l'homme, de ses facultés intellectuelles et de son education" (Lond. 1772, 2 Bde.; deutsch von Wichmann, Bresl. 1774), erschien erst nach seinem Tod. Eine vollständige Ausgabe seiner "Œuvres" erschien Paris 1796, 14 Bde., und das. 1818, 3 Bde. H. ist entschiedener Sensualist und Materialist. Alle Vorstellungen führt er zurück auf den Eindruck äußerer Gegenstände auf unsre Sinne; alle Thätigkeit entspringt aus der angebornen Selbstliebe, dem Streben nach sinnlicher Lust und dem Abscheu vor sinnlicher Unlust. Der Nutzen bestimmt den Wert der Handlungen; da aber Nutzen und Schade relative Begriffe sind, so gibt es keine unbedingt guten oder schlechten Handlungen. Trotz dieser weltmännischen Ansichten, von denen eine geistreiche Frau sagte, er habe darin "das Geheimnis aller Welt" ausgeplaudert, war H. persönlich ein zartfühlender, liebenswürdiger und wohlthätiger Mann. Seine schöne und geistreiche Gattin, ein Fräulein de Ligneville, geb. 1719, zog sich nach dem Tod ihres Mannes nach Auteuil zurück, wo ihr Haus der Mittelpunkt eines Kreises von Gelehrten und Künstlern wurde. Sie starb 12. Aug. 1800. Vgl. Barni, Les moralistes français (Par. 1873); Avezac-Lavigne, Diderot et la société du baron Holbach (das. 1875).

Helvig, Amalie von, geborne Freiin von Imhof, Schriftstellerin, geb. 16. Aug. 1776 zu Weimar, erhielt eine sorgfältige Erziehung und machte schon in jüngern Jahren große Reisen durch Frankreich, England und Holland. In Weimar, wo sie nach dem Tode des Vaters bei ihrer Mutter lebte, lernte sie Griechisch und von Goethe den Bau des Hexameters, in welchem Versmaß sie ihr bestes Gedicht: "Die Schwestern von Lesbos" (zuerst im Schillerschen "Musenalmanach für 1800", dann Heidelb. 1801, 2. Aufl. 1833), verfaßte. Sie wurde Hofdame bei der Herzogin von Weimar und verheiratete sich 1803 mit dem schwedischen Obersten, spätern Generalfeldzeugmeister Karl Gottfried v. H., dem sie nach Stockholm folgte. Das dortige Klima zwang sie jedoch, 1810 nach Deutschland zurückzukehren; sie lebte darauf eine Zeitlang in Heidelberg, mit Malerei und dem Studium der altdeutschen Kunst beschäftigt, und seit 1815, nachdem ihr Gatte infolge der Abtretung Pommerns in preußische Dienste übergetreten war, meist in Berlin, vorübergehend auch in Dresden. Sie starb 17. Dez. 1831 in Berlin. Ihre Dichtungen zeichnen sich durch Zartheit und Gemütlichkeit aus. Wir nennen noch: "Die Schwestern auf Corcyra", dramatisches Idyll (Leipz. 1812); "Die Tageszeiten" (das. 1812); "Die Sage vom Wolfsbrunnen" (Berl. 1814); "Helene von Tournon" (das. 1824); "Gedichte" (das. 1826). Sie übersetzte auch Tegnérs "Frithjofssage" (Stuttg. 1826, 8. Aufl. 1879) und gab mit Karoline de la Motte-Fouqué das "Taschenbuch der Sagen und Legenden" (Berl. 1812 u. 1813) heraus.

Helvĭus, Publius H. Pertinax, röm. Kaiser, s. Pertinax.

Helvoetsluys (Hellevoetsluis, spr. héllvutsleus), feste Stadt in der niederländ. Provinz Südholland, am Haringvliet auf der Insel Voorne-en-Putten. H. ist Sitz eines deutschen Konsulats, hat einen gut verteidigten Hafen mit sicherer Reede, Seemagazine und Schiffswerften, 2 große Docks, eine Seeschule, eine schöne reform. Kirche und (1883) 4362 Einw. Von hier aus unternahm Wilhelm von Oranien im November 1688 die Landung in England.

Helwa (arab., Halwa), im südöstlichen Europa, besonders in der Türkei, Konfitüren und süße Mehlspeisen aus Zucker und Reismehl, auch Imbiß zum Brot bei der ärmern Volksklasse.

Helye (Helias), erster Buchdrucker zu Beromünster (1470) im Aargau, wurde bis vor kurzem auch als erster Drucker der Schweiz angesehen; doch ist jetzt ein vor das Jahr 1468 zurückzudatierender Baseler Druck aufgefunden worden, welcher dem Berthold Ruppel von Hanau, einem Zögling Gutenbergs, zugeschrieben wird. Letzterer war einer der beiden "Knechte" (der andre war Heinrich Kefer), die Gutenberg als Zeugen zu den Verhandlungen in dem von Fust gegen ihn angestrengten Prozeß gesandt hatte. H., aus dem alten adligen Geschlecht der von Laufen, geboren gegen 1400, war Chorherr der Kirche des Dorfs Beromünster und lernte die Buchdruckerei wahrscheinlich in Basel kennen. Sein "Mamotrectus" ("Mammotractus"), ein Lexikon zur Erklärung biblischer Stellen, erschien gleichzeitig mit dem gleichnamigen Buch von Schöffer. Später folgten noch andre Werke. Er starb 20. März 1475. Vgl. Äbi, Die Buchdruckerei zu Beromünster (Einsiedeln 1870).