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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hemans - Hemianthrop.

Hemans (spr. hihmens), Felicia Dorothea, engl. Dichterin, geb. 25. Sept. 1794 zu Liverpool, war die Tochter eines dort wohnenden irischen Kaufmanns, Browne. Nach einer verunglückten Spekulation zog sich die Familie nach Grevych in Nordwales zurück, und die romantische Umgebung dieses Ortes weckte in der Seele des Mädchens die ersten dichterischen Klänge, während ihr die britischen Heldenthaten in Spanien, die ihr von einem Verwandten in Briefen geschildert wurden, eine noch entschiedenere Richtung zum Romantischen gaben. Ihre Ehe mit dem Kapitän H. ward, nachdem sie Mutter von fünf Söhnen geworden, gelöst. Sie starb 16. Mai 1835 auf dem Landgut Redesdale bei Dublin. Ihrer Dichtung "England and Spain, or valour and patriotism" (1808) und einer Sammlung lyrischer Poesien: "Domestic affections" (1812), folgten das größere Gedicht "The restoration of the works of art in Italy" (1816) und "Modern Greece" (1817), Werke, die von Byron sehr günstig rezensiert wurden. Treffliche Balladen sind in den "Tales and historic scenes in verses" (1819) enthalten; mit den Wettgesängen: "Wallace" und "Dartmoor" trug sie den von der Royal Society of Litterature 1821 ausgesetzten Preis davon. Später folgten: "Welsh melodies" (1822) und "Forest sanctuary" (1825; deutsch, wie viele andre ihrer Gedichte, von Freiligrath: "Das Waldheiligtum", Stuttg. 1871), worin sie das protestantische Märtyrertum verherrlichte. Dem Studium des Spanischen entsprang ihr "Siege of Valencia, the last Constantine" (1823), dem des Deutschen, namentlich Herders, die herrlichen "Songs of Cid" und "The lays of many lands". Tiefes religiöses Gefühl erfüllt die "Songs of the affections" (1830), "Scenes and hymns of life" (1834), "Hymns on the works of nature" (1833) und "Hymns for childhood" (1834). In den "Records of women" (1828) bekundet sie ihr Geschick in treffender Charakterschilderung. Ihre "Poetical remains" (mit Memoire) erschienen 1836, ihre "Poetical works" in neuester Ausgabe London 1884. Ausgewählte Gedichte übersetzten Schlüter und Jüngst (Münst. 1878).

Hemau, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberpfalz, Bezirksamt Parsberg, auf dem Fränkischen Jura, 508 m ü. M., hat eine schöne Kirche, ein Krankenhaus, ein Amtsgericht, eine landwirtschaftliche Fortbildungsschule und (1885) 1694 kath. Einwohner.

Hemd, weites Kleidungsstück, das fast den ganzen Körper bedeckt und vorn wenigstens nicht ganz offen ist, z. B. das Chor-, Meß-, Fuhrmanns-, Panzerhemd etc.; dann besonders ein ähnliches Kleidungsstück, das zunächst auf der Haut getragen wird und meist aus Leinwand oder Baumwolle, häufig aber auch aus Wolle und Seide hergestellt wird. Die leinenen Hemden sind haltbarer als die baumwollenen und befördern die Reinlichkeit der Haut; aber sie sind gewiß auch Ursache mancher von Erkältung herrührender Krankheiten, da besonders das von Schweiß nasse Leinenzeug sehr kältet. Deshalb werden in nördlichen Gegenden und in solchen, wo schneller Temperaturwechsel herrscht, gewirkte seidene und wollene Hemden von denen getragen, welche zu Erkältungen geneigt sind oder sie besonders zu fürchten haben. Hemden, wenigstens leinene, kannten die Alten nicht; doch ist die römische subucula der Männer und die tunica interior der Frauen damit zu vergleichen. Erst bei den Angelsachsen läßt sich ein wirkliches H., wahrscheinlich aus Leinen, nachweisen, das dann fast das ganze Mittelalter hindurch vorn geschlossen, gewöhnlich mit kurzen Ärmeln getragen wurde. Erst im 16. Jahrh. wurde der Oberteil desselben sichtbar und mit hoher Krause versehen. Doch galt das H. während des Mittelalters u. des 17. Jahrh. als Luxusgegenstand und wurde deshalb bei Nacht abgelegt.

Hemel-Hempstead (spr. -hémmstedd), Marktstadt in Hertfordshire (England), 8 km westlich von St. Albans, mit Malzdarren, Strohflechterei, Stuhlmacherei und (1881) 9064 Einw.

Hemelingen, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Stade, Kreis Achim, an der Linie Wanne-Bremen der Preußischen Staatsbahn, mit Bremen außerdem durch eine Pferdebahn verbunden, hat 2 Kirchen, Silberwaren-, Aluminium-, Kunstwolle-, Maschinen-, Dachpappen-, Seifen-, namentlich aber sehr bedeutende Zigarrenfabrikation, Jutespinnerei und -Weberei, Eisengießerei, Kistenschneidereien, Bierbrauerei, große Lagerhäuser von Bremer Geschäften und (1885) 3252 meist evang. Einwohner. Nahebei das Hauptzollamt Sebaldsbrück an der Linie Hannover-Bremerhaven der Preußischen Staatsbahn.

Hemer (Ober- und Nieder-H.), zwei Dörfer im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Kreis Iserlohn, an der Öse und an der Linie Letmathe-Fröndenberg der Preußischen Staatsbahn, haben ein Messingwalzwerk mit Rohrzieherei, Maschinen-, Neusilberwaren-, Niete-, Drahtstift- und Packpapierfabrikation, eine Drahtzieherei und (1885) 1667, bez. 1468 meist evang. Einwohner.

Hemera (griech., "Tag"), in der griech. Mythologie die Tochter des Erebos und der Nyx, steigt jeden Morgen aus der Unterwelt herauf, wo sie ein Gemach hat, das dann die Nacht, die Oberwelt auf der andern Seite verlassend, bezieht. Später wird H. mit Eos (s. d.) identifiziert.

Hemeralopie (griech.), s. Nachtblindheit.

Hemerocallis, s. Funkia.

Hemerodromen (griech., "Tagläufer"), bei den alten Griechen Schnellläufer, welche als Eilboten dienten, damals das einzige Mittel rascher Kommunikation. Über ihre außerordentlichen Leistungen wissen die Alten vieles zu berichten. So soll Philippides, um den Lakedämoniern Nachricht von der Ankunft der Perser zu geben, in zwei Tagen ungefähr 270 km, Philonides, der Hemerodrom Alexanders d. Gr., einen Weg von über 340 km in neun (!?) Stunden zurückgelegt haben.

Hemerologium (griech., "Tageszeiger"), Kalender.

Hemessen, Jan van, eigentlich Jan Sanders, niederländ. Maler, geboren um 1500 zu Hemishem bei Antwerpen, wurde 1519 Schüler von Hendrik van Cleve und war um 1524 Meister. Im J. 1548 war er Dekan der Lukasgilde zu Antwerpen, und um 1550 zog er nach Haarlem, wo er vor 1566 starb. Er malte fast ausschließlich biblische Bilder von großem Umfang in der steifen, trocknen und umständlichen Art der ältern Schule, indem er mehrere Vorgänge auf einem Bild vereinigte. Er hielt sich meist an den ältern Brueghel und an Quintin Massys, ohne jedoch den letztern in der Kraft des Kolorits zu erreichen. Seine Hauptwerke sind: Matthäi Berufung zum Apostelamt (Wien, Belvedere, in drei verschiedenen Exemplaren, Antwerpen, München, Gent), die Heilung des Tobias (Paris, Louvre), Maria mit dem Kind und der Dorfchirurg (Madrid).

Hemi (griech., lat. semi), "halb", oft in Zusammensetzungen vorkommend.

Hemianthrop (griech., "Halbmensch"), Mensch in halb tierischem Zustand; Hemianthropie, Zustand eines solchen.