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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Henri-quatre; Henrion; Henriot; Henriquel-Dupont; Henry

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Henrion - Henry.

Henriette gebar, und das Nahen des feindlichen Heers nötigten sie aber, 1644 nach Frankreich zu flüchten, von wo aus sie vergeblich die europäischen Mächte um Hilfe für ihren Gemahl ansprach. Nach Karls I. Hinrichtung lebte sie im Kloster Chaillot, mußte dies aber infolge der frondistischen Unruhen wieder verlassen und verweilte nun, dem bittersten Mangel preisgegeben, in Paris. Nachdem ihr ältester Sohn als Karl II. 1660 den englischen Thron bestiegen, kehrte sie im November 1660 auf kurze Zeit nach England zurück. Sie starb 10. Sept. 1669 zu Colombes in Frankreich. Vgl. Cotolendi, Histoire de la reine H. d'Angleterre (1690); Baillon, H.-Marie de France, sa vie et ses lettres (2. Aufl., Par. 1884). Ihre Briefe an Karl I. wurden 1859 veröffentlicht.

2) H. Anna, Herzogin von Orléans, Tochter König Karls I. von England und der vorigen, wurde 16. Juni 1644 zu Exeter geboren und bald darauf von ihrer Mutter mit nach Frankreich genommen. 1661 ward sie, nachdem sie zum Katholizismus übergetreten war, mit dem Herzog Philipp von Orléans vermählt und spielte am französischen Hof durch ihre anmutige Erscheinung und ihren glänzenden Geist eine hervorragende Rolle. König Ludwig XIV. liebte ihren Umgang und bediente sich ihrer namentlich bei den Verhandlungen mit ihrem Bruder Karl II. von England, der ihr sehr zugethan war. 1670 stattete sie demselben einen Besuch in Dover ab und bewog ihn, in dem bevorstehenden Kriege gegen Holland von der Tripelallianz abzufallen und auf die Seite Ludwigs XIV. zu treten. Acht Tage nach ihrer Rückkehr aus England starb H. plötzlich 30. Juni 1670 in St.-Cloud, wie sie selbst meinte, an Gift, welches ihr ein Günstling ihres Gemahls, der Chevalier de Lorraine, beigebracht haben sollte. Vgl. Baillon, H.-Anne d'Angleterre, sa vie et sa correspondence avec son frère Charles II (Par. 1885).

Henrion (spr. angrióng), Paul, franz. Komponist, geb. 20. Juli 1819 zu Paris, kam erst zu seinem Bruder, einem Uhrmacher, in die Lehre, war dann eine Zeitlang Schauspieler und widmete sich endlich der Musik. Er hat sich als Komponist von volksmäßigen Liedern (romances) einen sehr populären Namen gemacht und deren bis jetzt über 1200 herausgegeben, die, wie die Lieder von Abt und Kücken, unmittelbar ins Gehör fallen und im Gedächtnis bleiben. Auch schrieb er eine Anzahl Operetten für kleinere Pariser Theater; seine komische Oper "Une rencontre dans le Danube" (1854) hatte nur geringen Erfolg.

Henriot (spr. ang-rio), François, berüchtigter franz. Revolutionsmann, 1761 zu Nanterre bei Paris geboren, kam jung nach Paris und lebte von Gaunereien, meist in tiefem Elend, bis er endlich bei der Zollbehörde eine Anstellung erhielt. Derselben verlustig gegangen, da er in der Nacht vom 12. zum 13. Juli 1789 die Aufständischen bei der Zerstörung der Zollstätten unterstützt, diente er nun als Polizeispion, bis er wegen Diebstahls nach Bicêtre wandern mußte. Anfang 1792 entlassen, nahm er an den Greueln der Revolution den thätigsten Anteil und wurde als einer der Septembermörder zum Anführer einer Sansculottensektion ernannt. Als der Gemeinderat 31. Mai 1793 in Verbindung mit den empörten Sektionen den Angriff auf den Konvent beabsichtigte, wurde H. interimistisch mit dem Oberbefehl über die Pariser Nationalgarde betraut und erzwang 2. Juni die Verhaftung der Girondisten. Hierauf zum Oberbefehlshaber der Nationalgarde ernannt, diente H. hinfort als Scherge Robespierres, besonders zur Überwachung der massenhaften Hinrichtungen, und dessen Sturz zog dann auch den seinigen nach sich. Am 9. Thermidor ward ein Haftbefehl gegen ihn erlassen; der angetrunkene H. versuchte zwar anfangs bewaffneten Widerstand, wagte aber im entscheidenden Augenblick nicht, den Befehl zum Angriff auf den Konventspalast zu geben. Die Truppen fielen von ihm ab, und H. floh nach dem Stadthaus, wo sich auch die übrigen Geächteten befanden. Er war so mutlos, daß der entrüstete Coffinhal ihn in den Hof hinabstürzte, wo man ihn aus einem Rinnstein hervorzog; er wurde mit Robespierre 28. Juli 1794 hingerichtet.

Henri-quatre, s. Bart.

Henriquel-Dupont (spr. ang-rikell-düpong), Louis Pierre, franz. Kupferstecher, geb. 13. Juni 1797 zu Paris, widmete sich erst der Malerei, wandte sich aber nach dreijährigem Studium in der Werkstatt Pierre Guérins dem Kupferstich zu. Nach abermals drei Jahren eifriger Arbeit begann er 1818 selbständig zu arbeiten und lieferte Illustrationen für den Buchhandel und für Laurents Prachtwerk "Le Musée royal". Für den ersten Kupferstich, den er 1818 im Salon ausstellte (Porträt einer jungen Frau mit einem Kind, nach van Dyck), erhielt er eine Denkmünze. Nach Delaroche stach er die Grablegung Christi, nach Hersent die Abdankung Gustav Wasas (1831), nach Gérard das Porträt Ludwig Philipps, nach Ingres das Porträt Bertins, nach Ary Scheffer Christus als Tröster. Von 1843 bis 1853 vollendete er den Stich des sogen. Hémicycle von Delaroche im Palast der schönen Künste. 1855 stellte er nebst sieben Porträten die Madonna mit dem Kind nach der Zeichnung Raffaels im Louvre aus, 1867 die Vermählung der heil. Katharina nach Correggio, Moses nach Delaroche, die Jünger in Emmaus (Ätzdruck) nach P. Veronese, den General Lariboisière und seinen Sohn nach Gros, Ary Scheffer nach L. F. Bénouville; im Salon 1869 erschien die vollendete Platte: die Jünger in Emmaus. 1849 wurde H. Mitglied der Akademie, 1863 Professor der Kupferstechkunst an der École des beaux-arts, 1868 Vorsitzender der Französischen Gesellschaft für Kupferstich.

Henry (engl., spr. hennri, Harry), s. v. w. Heinrich.

Henry (spr. hennri), 1) Patrick, einer der Gründer der nordamerikanischen Unabhängigkeit, geb. 29. Mai 1736 in der Grafschaft Hannover in Virginia, lernte als Kaufmann, wandte sich aber noch in seinem 25. Jahr dem Studium der Rechte zu und trat bald darauf als Advokat auf. Anfang 1765 zum Mitglied der Provinzialversammlung von Virginia gewählt, um eine Opposition gegen die englische Stempelakte zu veranlassen, brachte er im Mai seine berühmten Anträge gegen diese vor die Versammlung. Seitdem genoß er eine große Popularität, blieb Mitglied des Hauses bis zur Revolution, saß in allen wichtigen Ausschüssen und wohnte als Abgeordneter dem ersten allgemeinen Kongreß bei, der sich 4. Sept. 1774 zu Philadelphia versammelte. 1775 ward er zum Befehlshaber der virginischen Streitkräfte ernannt, legte aber diese Stelle bald wieder nieder und ward Gouverneur des Staats Virginia. In dieser Stellung erwarb er sich hohe Verdienste um die Konsolidierung der Verfassung und blieb durch wiederholte Wahlen an der Spitze der vollziehenden Gewalt bis 1779, wo er verfassungsmäßig nicht wieder wählbar war. Er war darauf Mitglied der Gesetzgebenden Versammlung, bis er nach dem Ende des Kriegs abermals zum Gouverneur von Virginia erhoben wurde. Im Herbst 1786 kehrte er zu seinem ursprünglichen Beruf als Advokat