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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hepatischer Geruch; Hepatītis; Hephästion; Hephästos

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Hepatischer Geruch - Hephästos.

Hepatischer Geruch, schwefelwasserstoffähnlicher Geruch.

Hepatītis (griech.), Entzündung der Leber, s. Leberkrankheiten.

Hephästion, 1) Amyntors Sohn aus Pella, vertrautester Freund Alexanders d. Gr., der, sich selbst mit Achilleus vergleichend, ihn seinen Patroklos nannte. Er gehörte zu den sogen. Somatophylakes (Flügeladjutanten) des Königs und wurde mit den wichtigsten Kommandos betraut. So befehligte er 332 v. Chr. auf dem Zug nach Ägypten die Flotte. Er war einer der wenigen, die Alexanders asiatische Politik würdigten; er vermittelte daher hauptsächlich den Verkehr desselben mit den Eingebornen. Im Krieg in Sogdiana 328 führte er eine der fünf Heeresabteilungen, und 327 wurde er im indischen Feldzug mit seiner und Perdikkas' Hipparchie abgesendet, um das südliche Ufer des Kabul bis zum Indus (die Landschaft Peukelaotis) zu unterwerfen und über letztern Fluß eine Brücke zu schlagen. 326 eroberte er das Gebiet des Hydraotes. Auf dem Rückzug aus Indien befehligte er das Hauptheer, welches auf dem linken Ufer des Hydaspes abwärts ziehen sollte. An der Grenze des Gebiets der Maller vereinigte er sich wieder mit Alexanders Abteilung und führte darauf das Landheer durch das Gebiet der Arabiten nach der Meeresküste. In Begleitung des Königs nach Persien zurückgekehrt, erhielt er von demselben die Drypetis, die Tochter des Dareios und Schwester der Gemahlin Alexanders, nebst reichem Brautschatz zur Gattin, auch bei der allgemeinen Preisverteilung einen goldenen Kranz. Seine letzte Dienstpflicht leistete er dem König auf einem Zug längs des Tigris hinauf nach Opis; er erkrankte darauf in Ekbatana und starb nach sieben Tagen (324), von Alexander tief betrauert und im Tod noch mit den höchsten Auszeichnungen geehrt.

2) H. aus Alexandria, griech. Grammatiker um die Mitte des 2. Jahrh. n. Chr., Lehrer des spätern Kaisers Verus, verfaßte als Auszug aus einem größern Werk in 48 Bänden ein Handbuch ("Encheiridion") der Metrik, welches als die einzige vollständige Schrift aus dem Altertum über diesen Gegenstand trotz seiner Knappheit von großem Wert ist. Ausgaben lieferten Gaisford (Oxf. 1810 u. 1855, Leipz. 1832), Westphal (in "Scriptores metrici", Bd. 1, das. 1866).

Hephästos, im Mythus der alten Griechen der Gott des Feuers und der Künste, welche zur Produzierung ihrer Werke des Feuers bedürfen, war der Sohn des Zeus und der Hera, nach späterer Sage bloß der Hera. Ursprünglich war er vielleicht Gott des im Blitz herniederfahrenden Feuers. Seiner Häßlichkeit, namentlich seiner Lahmheit, wegen warf ihn seine Mutter vom Olymp herab; er fiel ins Meer, wo ihn Thetis und Eurynome aufnahmen, bei denen er nun in einer Grotte neun Jahre verweilte und manche kunstreiche Arbeit verfertigte. Nach einer andern, ebenfalls in der "Ilias" erwähnten Sage schleuderte ihn Zeus, als er bei einem zwischen diesem und Hera entstandenen Zwist der letztern beistand, aus dem Olymp; er fiel auf der vulkanischen Insel Lemnos nieder und ward, nach spätern Sagen, erst infolge dieses Falles lahm. Dieser Lahmheit suchte er durch die Kunst abzuhelfen, indem er sich zwei goldene redende und sich selbst bewegende Sklavinnen (Automaten) fertigte, auf welche er sich stützte. Nur im Rausch, in welchen er durch Dionysos versetzt worden war, ließ er sich bewegen, in den Olymp zurückzukehren. Hier hatte er ein von ihm selbst erbautes glänzendes Haus mit Werkstätte. Auch den übrigen Göttern baute er eherne Häuser auf dem Olymp. Außer Lemnos nennt die Sage als seine irdischen Wohnorte oder Werkstätten: Lipara, Hiera, Imbros und den Ätna (lauter vulkanische Gegenden). Als seine Gattin wird in der "Ilias" Charis, in der "Odyssee" Aphrodite genannt. Diese bricht ihm aber mit Ares die eheliche Treue. Als er durch Helios davon Kunde erhält, umgarnt er das Ehebett mit einem künstlichen Netz. Als dieses Ares und Aphrodite umstrickt, eilt er mit allen Göttern herbei und befreit sie erst auf Poseidons Fürsprache. Durch seine lächerliche Gestalt, besonders sein Humpeln, erregt er öfters in der Götterversammlung ein "unauslöschliches" Gelächter. Alles Kunstreiche im Altertum war die Arbeit seiner Hände, wie das Bild der Pandora, die Pfeile des Eros, der Wagen des Helios, das Halsband der Harmonia, die silbernen und goldenen Hunde des Alkinoos, Diomedes' Brustharnisch, Pelops' Zepter, der goldene Becher, den Menelaos vom König der Sidonier erhalten hatte, und die Waffenrüstung des Achilleus. Als kunstreicher Gott tritt H. mit Athene in Verbindung, wie denn auch im attischen Kultus beiden Gottheiten gemeinschaftliche Feste gefeiert wurden. Außer in Athen und Lemnos wurde H. noch auf Imbros und Samothrake verehrt, wo die Kabirenmysterien mit seinem Kultus zusammenhingen. In Athen befand sich sein Heiligtum auf dem Kerameikos (Töpfermarkt), dessen Schutzherr er mit Prometheus war, da die Töpfer sowohl durch das Feuer zum Betrieb ihrer Kunst als durch diese selbst unter seine Obhut gestellt waren. Außer mit Athene erscheint H. auch mit Dionysos, dem Gotte des Weins und des Frühlings, befreundet, wobei höchst wahrscheinlich die Wirkung der vulkanischen Kraft auf den Weinbau zu Grunde liegt. Bei den Römern wurde

^[Abb.: Hephästos (Bronzestatue im Britischen Museum).]