Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Henz; Henze; Henzen; Henzi; Heortologie; Hepar; Hepatalgie; Hepatica; Hepaticae; Hepatikus; Hepatisation; Hepatische Luft

388

Henz - Hepatische Luft.

selbst. Als ihn Görgei 4. Mai 1849 aufforderte, sich kriegsgefangen zu ergeben, antwortete er jedoch stolz, daß er den Platz bis auf den letzten Mann verteidigen werde. Mit nur 5000 Mann hielt er sich 17 Tage gegen 30,000 Ungarn, die ihn nach dem letzten Sturm (21. Mai 1849) von Wunden bedeckt und sterbend fanden. Im J. 1852 ward ihm in Ofen ein Denkmal gesetzt; sein einziger Sohn erhielt das Baronat.

Henz, Ludwig Benjamin, Eisenbahningenieur, geb. 23. Mai 1798 zu Magdeburg, widmete sich dem Baufach in seiner Vaterstadt, wurde nach Ablegung seiner Staatsprüfung bei Schiffbarmachung der Lippe zuerst in Hamm, bei Korrektion der Ruhrmündung in Ruhrort beschäftigt und 1825 zum Wasserbaumeister an der obern Ruhr ernannt. Eine Studienreise nach England 1830 wurde für ihn die Veranlassung, sich dem Eisenbahnbau in Deutschland zu widmen. Er erhielt dann Aufträge zur Bearbeitung der Eisenbahnprojekte Lippstadt-Rehme und Köln-Antwerpen. Nach Vollendung des letztern Plans vervollständigte er in Belgien seine Studien über den Eisenbahnbau und veröffentlichte mehrere aufsehenerregende Denkschriften, infolge deren er den Auftrag zur Bearbeitung des Projekts einer Eisenbahn von Elberfeld nach Witten erhielt, welches 1837 in dem größern Projekt der Rhein-Weserbahn aufging. Nach vorübergehenden Anstellungen als Wasserbaumeister in Ruhrort und Danzig sowie als technischer Mitarbeiter im Finanzministerium zu Berlin baute er seit 1843 die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn, welche 1846 dem Verkehr übergeben wurde. 1848 erhielt er die Ausführung des Kanals von Berlin nach Spandau und bewirkte noch in demselben Jahr den Ankauf der Köln-Minden-Thüringer Verbindungsbahn durch den Staat, bearbeitete die Pläne zu deren Vollendung und brachte den Bau wieder in Gang. Zum Vorsitzenden der königlichen Direktion der Westfälischen Eisenbahn ernannt, förderte er deren schwierigen Bau und vollendete ihn 1853. Mit der Ordnung des reichen, insbesondere auf einer Studienreise in den Vereinigten Staaten von Nordamerika gesammelten Materials zu einem größern bautechnischen Werk sowie mit der Vorbereitung zu Vorträgen an der Bauakademie beschäftigt, starb er 21. Jan. 1860. Er schrieb: "Praktische Anleitung zum Erdbau" (Berl. 1856, 3. Aufl. 1873); "Hilfstafeln bei Berechnung des Inhalts von Erdarbeiten beim Bau der Eisenbahnen, Chausseen und Kanäle" (das. 1854); "Normalbrücken und Durchlässe" (2. Aufl., das. 1869) und die nach seinem Tod von Bendel bearbeiteten "Aufsätze, betreffend das Eisenbahnwesen in Nordamerika" (das. 1862).

Henze, Robert, Bildhauer, geb. 8. Juli 1827 zu Dresden, ergriff anfangs das Schlosserhandwerk, bewies aber ein so großes Talent zum Zeichnen, daß er bewogen wurde, die Dresdener Akademie zu besuchen. Von 1856 bis 1861 bildete er sich unter Schilling und in den folgenden drei Jahren unter Hähnel zum Bildhauer aus. 1864 arbeitete er die Brunnenstatue Heinrichs I. für Meißen, deren Totaleindruck und sorgfältige Durchführung allgemeine Anerkennung fanden. Es folgten das Modell der Erzstatue der Kurfürstin Anna von Sachsen (für einen Brunnen in Dresden), eine Germania für die Siegesfeier in Dresden (1871), ein Brunnenstandbild für Krimmitschau, das die gewerbthätige Stadt personifiziert, Entwürfe zu den Statuen der Fürsten aus dem Haus Wettin für die Albrechtsburg in Meißen, die Erzstatue des Fürsten Wolfgang von Anhalt für Bernburg (1880) und 1876-80, in der Charakteristik der Figuren wie in der technischen Ausführung gleich vollendet, das marmorne Siegesdenkmal für Dresden, sein Hauptwerk, das eine kolossale Germania darstellt, die, mit gekröntem Haupt, in der erhobenen Rechten das Banner haltend, mit der Linken sich auf den Schild stützt, während die vier das Postament umgebenden allegorischen Figuren den Frieden, die Wehrkraft, die Wissenschaft und die Religion darstellen. 1885 entstand eine Bronzefigur der Barbara Uttmann, Erfinderin der Spitzenklöppelei, für Annaberg.

Henzen, mittelalterl. Benennung der Waffenhandschuhe, s. Rüstung.

Henzen, Wilhelm, Epigraphiker, geb. 24. Jan. 1816 zu Bremen, studierte 1836-40 in Bonn und Berlin Philologie, bereiste dann zu archäologischen Zwecken Italien und Griechenland und wurde 1842 zweiter, nach E. Brauns Tod 1856 erster Sekretär des deutschen Archäologischen Instituts in Rom. Er starb daselbst 27. Jan. 1887. H. hat sich besonders um die lateinische Epigraphik hochverdient gemacht. Er war mit Mommsen und de' Rossi Mitglied der Hauptredaktion für das von der Berliner Akademie herausgegebene "Corpus inscriptionum latinarum" und hat selbst da für die Bearbeitung der stadtrömischen Inschriften nach Cäsar besorgt (Bd. 6, Berl. 1876 ff.). Außerdem veröffentlichte er einen Supplementband zu Orellis "Inscriptionum latinarum collectio" (Zür. 1856), "Scavi nel bosco dei fratelli Arvali" (Rom 1868), "Acta fratrum Arvalium, quae supersunt" (Berl. 1874) und viele Beiträge zu Zeitschriften und Sammelwerken, besonders zu dem "Bulletino" und den "Annali" des Archäologischen Instituts sowie zu der "Ephemeris epigraphica corporis inscriptionum latinarum supplementum" (das. 1872-77, 3 Bde.).

Henzi, Samuel, s. Hentzi 1).

Heortologie (griech.), Lehre von den Festtagen, Festlehre; Heortologium, Festkalender.

Hepar (griech. u. lat.), die Leber; in der Chemie und Pharmazie Name verschiedener mehr oder weniger leberfarbener Präparate, welche Schwefelmetalle enthalten, z. B. H. sulfuris alcalinum, Schwefelleber, Alkalipolysulfurete enthaltend; H. sulfuris calcareum, Kalkschwefelleber; H. sulfuris volatile, flüchtige Schwefelleber, Schwefelammonium.

Hepatalgie (griech.), Leberschmerz, Leberkolik, s. v. w. Gallensteinkolik, s. Gallensteine.

Hepatica Dec. (Leberblume), Gattung aus der Familie der Ranunkulaceen, früher zur Gattung Anemone gerechnete Gewächse mit nackten, grundständigen Blütenstielen und dreiblätterigem Kelch. H. triloba Dec. (dreilappiges Leberblümchen), mit langgestielten, dreilappigen, lederartigen Blättern und vor diesen erscheinenden blauen, auch roten oder weißen Blüten auf einblütigem Schaft, blüht im ersten Frühjahr im Laubgehölz, war früher gegen Leberleiden offizinell, wird in gefüllten Varietäten als Zierpflanze kultiviert. Ebenso H. angulosa Lam., in den Karpathen, mit drei- bis fünflappigen Blättern und größern blauen Blüten.

Hepaticae (Lebermoose), s. Moose.

Hepatikus (lat.), ein Leberleidender.

Hepatisation (lat.), von Lälius da Fonte eingeführte Bezeichnung für eine leberartige Beschaffenheit der Lunge bei der Lungenentzündung. Alle sonst luftführenden Räume des erkrankten Lungenabschnittes sind hierbei mit festem, zelligem oder faserstoffigem Inhalt angefüllt, das Lungengewebe bekommt dadurch die Konsistenz, nicht etwa das Aussehen von Lebergewebe. S. Lungenentzündung.

Hepatische Luft, s. v. w. Schwefelwasserstoff.