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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Henselt; Hensler; Henßlmann; Hentzi

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Henselt - Hentzi.

bildete Komponistin, deren Arbeiten teils unter ihres Bruders, teils (nach ihrem Tod) unter ihrem eignen Namen erschienen sind. Von den letztern zeichnet sich besonders ein Trio für Klavier, Violine u. Violoncell durch Gedankenreichtum und Formvollendung aus.

3) Luise, religiöse Dichterin, Schwester des vorigen, geb. 30. März 1798 zu Linum in Brandenburg, siedelte nach dem Tode des Vaters mit ihrer Mutter 1809 nach Berlin über, wo sie 1818 zur katholischen Kirche übertrat. Klemens Brentano, der in heftiger Leidenschaft für sie erglühte, reichte sie ihre Hand nicht, trug aber wesentlich zu der innern Wandlung des romantischen Dichters bei. 1819 ward sie Gesellschafterin bei einer Fürstin Salm, 1821 Lehrerin bei der Witwe Graf Friedrich Leopolds von Stolberg; von 1833 bis 1837 lebte sie wieder in Berlin, danach bis 1840 zu Stift Neuburg im Haus der Gattin Fritz Schlossers, später in Köln, in Wiedenbrück bei Paderborn und zuletzt in Paderborn selbst, wo sie 18. Dez. 1876 starb. Ihre "Gedichte", zuerst mit Gedichten ihrer Schwester Wilhelmine (s. unten) vereinigt (hrsg. von Kletke, Berl. 1858), zeichneten sich hauptsächlich durch den Geist milder, inniger und sehnsüchtiger Frömmigkeit aus; ihr Abendlied "Müde bin ich, geh' zur Ruh'" zählt zu den Perlen der deutschen religiösen Lyrik. Einer vollständigen Sammlung der "Lieder" (hrsg. von Schlüter, Paderb. 1869; 6. Aufl. 1886) folgten: "Briefe der Dichterin Luise H." (das. 1878). Vgl. Reinkens, Luise H. und ihre Lieder (Bonn 1877, auf einer Selbstbiographie der Dichterin beruhend); Bartscher, Der innere Lebensgang der Dichterin Luise H. (Paderb. 1882); Binder, Luise H., ein Lebensbild (Freiburg 1885). - Luises jüngere Schwester, Wilhelmine H., geb. 11. Sept. 1802, von 1851 bis 1876 Vorsteherin des Elisabethstifts zu Pankow bei Berlin, seitdem in Charlottenburg wohnhaft, trat gleichfalls als Dichterin hervor, zuerst in der oben erwähnten von Kletke herausgegebenen Sammlung, neuerlich mit "Gedichten" (hrsg. von Schlüter, Paderb. 1882).

Henselt, Adolf, Klavierspieler und Komponist, geb. 12. Mai 1814 zu Schwabach bei Nürnberg, erhielt in München, wohin sein Vater übersiedelte, seinen ersten Musikunterricht, genoß dann ein Jahr lang (1831-32) den Unterricht Hummels in Weimar und widmete sich hierauf bis 1834 in Wien dem Kompositionsstudium unter Sechters Anleitung. Unabhängig von seinen Lehrern, bildete er sich eine eigne Spielmanier aus, welche der Liszts nicht unähnlich, aber mehr auf strenges Legato basiert ist. Seine erste Konzertreise machte er 1836 nach Berlin, verheiratete sich 1837 in Breslau und nahm 1838 seinen bleibenden Wohnsitz in St. Petersburg, nachdem er durch seine Konzerte dort so außerordentliche Erfolge erzielt hatte, daß er zum Kammervirtuosen der Kaiserin und Musiklehrer der kaiserlichen Prinzen ernannt worden war. Seit 1858 ist er Generalinspektor des Musikunterrichts in den kaiserlichen Erziehungsanstalten zu St. Petersburg und Moskau sowie kaiserlich russischer Staatsrat. Unter seinen Kompositionen verdienen Auszeichnung: die effektvollen Konzertetüden (Op. 2 und 5), ein Klavierkonzert in F moll, ein Duo für Klavier und Horn, ein Klaviertrio, Konzertparaphrasen etc. Im ganzen hat er durch seine spätern Produktionen die anfangs erregten Erwartungen nicht erfüllt.

Hensler, Karl Friedrich, dramat. Dichter, geb. 1761 zu Schaffhausen, studierte in Göttingen und kam 1784 nach Wien, wo er sich der dramatischen Dichtkunst widmete und 1803 das Leopoldstädter Theater pachtete. Er schaffte auf dieser Bühne den Possenreißer Kasperl ab und gründete eine eigne Volksbühne im bessern Sinn. 1822 eröffnete er das von ihm erbaute Theater in der Josephstadt. Er starb 23. Nov. 1825. Von seinen zahlreichen (gegen 200) Stücken haben sich "Das Donauweibchen" und "Die Teufelsmühle" lange Zeit auf den Bühnen erhalten.

Henßlmann, Emerich, ungar. Archäolog und Ästhetiker, geb. 13. Okt. 1813 zu Kaschau, studierte an den Universitäten in Pest und Wien Medizin, wandte sich dann aber der Kunstarchäologie zu und unternahm größere Reisen. 1840 nach Pest zurückgekehrt, war er Mitarbeiter verschiedener Zeitschriften und veröffentlichte unter anderm 1840 ein ungarisches Werk: "Parallele zwischen den Kunstansichten und der Erziehung zur Kunst in der alten und neuen Zeit". 1848-49 hatte er infolge seiner Stellung im damaligen Ministerium des Äußern eine politische Gefangenschaft von acht Monaten in Wien zu überstehen. Von 1852 bis 1860 lebte er teils in London, teils in Paris; dann unternahm er eine Reise nach Konstantinopel und Athen, von wo er 1862 in die Heimat zurückkehrte. Seit 1873 ist er Professor der Kunstgeschichte an der Universität zu Pest. Unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen erwähnen wir: "Die altdeutschen Kirchen der Stadt Kaschau" (ungar., 1846); ferner "Théorie des proportions appliquées dans l'architecture à Paris" (1860); "Studien über die Kunst der Goten" (1874); "Die gotischen Baudenkmäler Ungarns" (1880); "Die Baukunst Mittelsyriens" (1881). Über die von ihm geleiteten Ausgrabungen der alten königlichen Kirche in Stuhlweißenburg (1862 u. 1864), der Metropolitankirche in Kalocsa (1873) und der Königsburg von Visegrad (1872) berichtete er in besondern Schriften.

Hentzi, 1) (Henzi) Samuel, schweizer. Revolutionär, geb. 1701 zu Bümplitz bei Bern als Sohn eines Pfarrers, erwarb sich eine außergewöhnliche Bildung, bekleidete verschiedene untergeordnete Stellen in der bernischen Verwaltung, trat vorübergehend als Hauptmann in die Dienste des Herzogs von Modena, wurde 1744 als Unterzeichner einer Petition um Wiederherstellung der alten Verfassung Berns des Landes verwiesen und bewarb sich nach seiner Begnadigung vergeblich um die Stelle eines Bibliothekars. Erbittert hierüber, ließ er sich mit andern 1749 in eine Verschwörung ein, welche den Umsturz der Verfassung bezweckte. Das Unternehmen ward jedoch verraten und H. 17. Juli mit zwei seiner Genossen hingerichtet. Lessing hat dies zum Gegenstand eines unvollendet gebliebenen Trauerspiels benutzt. H. verfaßte mehrere französische Gedichte, unter andern eine Ode zum Ruhm Friedrichs d. Gr., und war mit Bodmer befreundet. Vgl. Bäbler, Samuel Henzis Leben und Schriften (Aarau 1879).

2) (Henzy) Heinrich, Edler von Arthurm, bekannt durch seine heldenmütige Verteidigung der Festung Ofen, Urenkel des vorigen, geb. 24. Okt. 1785 zu Debreczin, trat 1804 als Kadett ins Geniekorps, wurde 1808-13 bei der Verteidigung und beim Ausbau der Festung Komorn verwendet, 1813-1814 als Hauptmann im Generalstab, seit 1814 in den verschiedensten Festungsplätzen thätig, 1841 Genieoberst und dann Generalmajor und Brigadier in Kronstadt. 1848 wurde er Kommandant der Festung Peterwardein und nach deren Fall von den Ungarn als Kriegsgefangener nach Ofen geführt. Nach der Einnahme Ofens durch die kaiserlichen Truppen ward er in Freiheit gesetzt und blieb beim Rückzug der kaiserlichen Armee als Festungskommandant da-^[folgende Seite]