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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Herostratos; Herpes; Herpestes; Herpin; Herr; Herren; Herrenalb; Herrenbank; Herrenberg

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Herostratos - Herrenberg.

dem H. darbrachte, fallen im allgemeinen unter die Kategorie der Totenopfer. Die Spenden bestanden aus Wasser oder einer Mischung von Milch, Honig, Wein, Öl und wurden in eine Grube westlich von dem Monument gegossen, sowie auch der Spendende dabei gen Westen (die Gegend der Finsternis und der Unterwelt) blickte. Auch Tiere wurden dem H. geopfert. Manche Heroen hatten ihre Heiligtümer (s. Heroon), von denen die meisten eigentlich als Totenkapellen über ihren Gräbern anzusehen sind. Inschriften lehren uns auch die Verehrung eines Gottes H. in Thessalien. Vgl. Ukert, Über Dämonen, Heroen und Genien (Leipz. 1850); Öhlert, Beiträge zur Heroologie der Griechen (Lauban 1875); Lippert, Der Seelenkult (Berl. 1881); Waßner, De heroum apud Graecos cultu (Kiel 1883).

Herostratos, ein Ephesier, steckte 356 v. Chr. den berühmten Tempel der Artemis bei seiner Vaterstadt in Brand, bloß um, wie er auf der Folter aussagte, seinen Namen auf die Nachwelt zu bringen. Zwar beschlossen die Ephesier, seinen Namen der Vergessenheit zu übergeben; doch Theopompos hat ihn überliefert. Vgl. Ephesos.

Herpes (griech.), s. v. w. Flechte (Hautkrankheit); Herpetologie, Lehre von den Flechten, auch Lehre von den kriechenden Tieren (Reptilien).

Herpestes, Ichneumon.

Herpin (spr. erpäng), Léon, franz. Maler, geb. 12. Okt. 1841 zu Granville; Schüler von J. André, Busson und Daubigny, eignete er sich viel von des letztern duftiger Weise an, obgleich er seine Haupterfolge Städteansichten verdankte, die er als Kolossalgemälde auszuführen pflegte. Zu seinen besten Landschaften gehören: das Seineufer bei Sèvres; zwei Pendants: Sonnenuntergang und Sonnenaufgang in Bas-Meudon; Ansicht aus dem Wald von Sèvres, Sonnenuntergang; Ansicht von der Insel Chausey (Manche) bei Morgenstimmung; die Hügel von Moulinaux an der Seine und Ansicht von der Brücke von Sèvres. Sein Kolossalgemälde: Paris von der Brücke der St.-Pères aus, ward 1878 vom Pariser Gemeinderat zum Schmuck des neuen Rathauses angekauft. Dieser Erfolg veranlaßte H. 1879 zu einem ähnlich behandelten Pendant dazu: Paris im J. 1878 vom Pont Neuf aus. Sein letztes Gemälde war eine Ansicht aus dem Euredepartement: Schloß Gaillard und das Petit-Andelys. Er starb 25. Okt. 1880 in Paris.

Herr (althochd. hêriro, hêrero, hêrro) ist die schon im 9. Jahrh. substantivisch gebrauchte Komparativform von hehr (hêr) und bezeichnete zunächst nur den Höhergestellten gegenüber dem Geringern, den Befehlenden gegenüber dem Knechte; doch fand das Wort auch schon frühzeitig Anwendung auf den himmlischen Herrscher (Gott oder Christus). In der höfischen Periode wurde H. Standesname für die Adligen, besonders die reichsunmittelbaren, die in der Würde nach den Fürsten und Grafen kamen, und der unerwachsene Sohn solcher Herren hieß Junchêrre (Junker). In den Städten ging der Name H. auf die obrigkeitlichen Personen über; allgemeiner wurde er auch vom Familienoberhaupt, von Geistlichen, überhaupt von Personen, welche Gewalt über etwas haben, gebraucht. Die mit H. verbundene Standesauszeichnung verwischte sich allmählich, und das Wort sank mit Beginn des 17. Jahrh. zu einer bloßen Höflichkeitsbezeigung herab.

Herren, die drei gestrengen, im nördlichen Deutschland die Tage vom 11. bis 13. Mai (Mamertus, Pankratius und Servatius), in Thüringen die Tage vom 12. bis 14. Mai (Pankratius, Servatius, Bonifacius), weil um diese Zeit häufig auffallend starke Nachtfröste einzutreten pflegen, welche der Vegetation bedeutenden Schaden verursachen, und vor denen man sich erst nach Urban (25. Mai) gesichert hält. In Süddeutschland heißen Pankratius, Servatius und Bonifacius die drei Eismänner; doch ist deren Einfluß weniger verderblich, weil zur Zeit ihres Auftretens die Blütezeit hier gewöhnlich schon vorüber ist. Die Rückfälle der Kälte im Mai stehen unzweifelhaft fest, sind aber beschränkt auf die Gegenden Westeuropas, welche am meisten dem Einfluß der Nordwestwinde ausgesetzt sind. Nach Dove finden sie ihre Erklärung in der vermehrten Intensität der Bodenausstrahlung, wie sie nur bei heiterm Himmel auftreten kann. Solche Heiterkeit tritt aber nur bei östlichen und nördlichen Winden auf, welche um die Mitte des Mai im nördlichen Europa zu wehen pflegen. Nach v. Bezold findet der Kälterückfall in den Tagen vom 11. bis 13. Mai folgende Erklärung: Wenn im Frühjahr die Erwärmung unsers Erdteils von S. her beginnt, wird die Balkanhalbinsel mit den dahinterliegenden Ländern bis zu den Karpathen, und vor allem die ungarische Tiefebene, ganz besonders rasch erwärmt, und deshalb wird sich über diesen Ländern ein Gebiet verhältnismäßig hohen Thermometerstandes und mithin auch relativ niedrigen Barometerstandes bilden. Dieses hat in Verbindung mit dem im W. Europas herrschenden und um diese Zeit an Ausdehnung gewinnenden hohen Luftdruck für Deutschland Nordwinde zur Folge, welche den Kälterückfall verursachen. Die Beobachtungen der Temperatur für die ersten fünf Pentaden des Mai ergeben in der That, daß über Ungarn in der dritten Pentade zwischen dem 11. und 15. Mai die positive Temperaturabweichung am größten ist, während sie in den vorhergehenden und den darauf folgenden Pentaden einen kleinern Wert annimmt.

Herrenalb, Dorf und Kurort im württemberg. Schwarzwaldkreis, Oberamt Neuenburg, in schöner Gegend an der Alb im Schwarzwald, 369 m ü. M., hat eine evang. Pfarrkirche, eine Klosterruine, eine Kaltwasserheilanstalt und (1885) 1000 Einw. Wegen seines milden Klimas und seiner reinen Gebirgsluft hat H. in letzter Zeit immer mehr an Kurgästen zugenommen (1885 über 2000). Das ehemalige reiche Cistercienser-Mönchskloster H. (Alba Dominorum) war 1146 gegründet und wurde 1560 aufgehoben.

Herrenbank, bei den früher nach Ständen zusammengesetzten Landtagen die Bank der Ritterschaft; dann die Bank der Adligen bei Gerichten oder Kollegien, in welchen bürgerliche und adlige Räte jede für sich abgesonderte Reihen von Sitzen einnahmen (latus doctorum et latus nobilium). Mit Einführung des römischen Rechts in Deutschland wurde es nämlich erforderlich, gelehrte Gerichtsbeisitzer zu haben; um jedoch den Grundsatz, daß ein jeder nur von seinesgleichen gerichtet werden könne, zu behaupten, unterschied man bei höhern Gerichten und Kollegien in vollen Sitzungen zwei Bänke oder Reihen der Räte oder Beisitzer: die gelehrte Bank, zu welcher bloß Gelehrte ohne Rücksicht auf den Stand, also auch Bürgerliche, gehörten, und die adlige oder H., welche diejenigen Beisitzer einnahmen, die aus dem Stande des Adels zugezogen waren. Auf den Reichstagsversammlungen war H. mit Grafenbank gleichbedeutend.

Herrenberg, Oberamtsstadt im württemberg. Schwarzwaldkreis, in fruchtbarer Gegend an der Ammer, 460 m ü. M., und an der Linie Stuttgart-Freudenstadt der Württembergischen Staatsbahn,