Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Heß.

in seine Stellung als Generalstabschef zurück. Ende Mai 1859 zur Armee nach Italien entsendet, aber mit seinen Dispositionen nicht zur Geltung gelangend, schloß er 8. Juli mit den Franzosen den Waffenstillstand von Villafranca, wurde 12. Juli zum Feldmarschall befördert und mit dem Oberkommando der österreichischen Armee in Italien betraut. Am 31. Jan. 1860 ward er zum Hauptmann der Trabantenleibgarde und der Hofburgwache in Wien, 18. April 1861 zum lebenslänglichen Mitglied des Herrenhauses ernannt; starb 13. April 1870 in Wien.

7) Peter, Maler, Sohn und Schüler von H. 3), geb. 29. Juli 1792 zu Düsseldorf, erhielt seinen ersten Kunstunterricht von seinem Vater, radierte bereits in seinem 10. Jahr Tierstücke und bezog 1806 die Münchener Akademie. Auch während der Feldzüge 1813-15, denen er im Generalstab des Fürsten Wrede beiwohnte, lag er der Kunst ob und zeichnete mehrere Szenen an Ort und Stelle. Später machte er Reisen nach Wien, in die Schweiz und nach Italien. Bis 1817 malte H. nur kleinere Bilder ländlichen und militärischen Inhalts, dann trat er mit einem größern, der Schlacht von Arcis sur Aube, auf; 1820 folgten die Verteidigung der Kinzigbrücke bei Hanau durch den General v. Pappenheim, ein Scharmützel zwischen französischen Dragonern und österreichischen Husaren, die Donischen Kosaken mit gefangenen französischen Bauern und der Morgen in Partenkirchen; ferner 1823 ein Biwak österreichischer Truppen, 1829 das Gefecht am Engpaß bei Bodenbühl an der Tiroler Grenze, 1832 das Gefecht bei Wörgel ^[richtig: Wörgl] in Tirol. 1833 begleitete er den König Otto nach Griechenland und zeichnete hier unter anderm dessen Einzug in Nauplia, den er 1835 in einem großen, an Porträten reichen Gemälde ausführte (München, Neue Pinakothek). 1839 folgte er einem Ruf des Kaisers Nikolaus nach Petersburg und Moskau und stellte in acht großen Schlachtenbildern die Hauptereignisse von 1812 dar. In den Arkaden des Münchener Hofgartens führte er mit seinem Gehilfen Nilson 39 Fresken aus der Geschichte der Befreiung Griechenlands vom türkischen Joch aus. Seine Gemälde sind durch tief durchdachte Komposition, lebensvolle Auffassung und treffliches Kolorit ausgezeichnet und bis ins kleinste Detail von großer Klarheit und Zartheit der Ausführung. Auch ist die Staffage wie das Landschaftliche mit gleicher Meisterschaft behandelt. Er starb 4. April 1871 in München.

8) Heinrich von, Maler, Bruder des vorigen, geb. 19. April 1798 zu Düsseldorf, war erst Schüler seines Vaters und kam mit diesem 1806 nach München, wo er 1813 in die Akademie der Künste aufgenommen wurde. Seine ersten größern Gemälde, namentlich eine Grablegung und eine heilige Familie (1817), verschafften ihm in der Königin Karoline, die jenes Bild kaufte, eine Gönnerin. Er malte für dieselbe 1817-21 noch die Christnacht, eine Charitas in Lebensgröße und mehrere Madonnenbilder. 1821 ging er nach Rom, wo er fünf Jahre zubrachte. Nach seiner Rückkehr ward H. Professor an der Münchener Akademie und malte im Göttersaal der Glyptothek nach Cornelius Daphne in den Armen Apollos. H. hatte sich mit der Glasmalerei schon damals so erfolgreich beschäftigt, daß König Ludwig I. von Bayern ihm die Leitung einer eignen Anstalt für dieselbe übertrug. Im Dezember 1826 begab sich H. nach Regensburg, wo er die Entwürfe zu den Glasgemälden für den Regensburger Dom anfertigte, die, von Frank und Schwarz ausgeführt, in der Geschichte der neuern Glasmalerei Epoche machen. An sie reihten sich seine Kartons für die Fenster der Auer Kirche in München. In seiner Professur an der Akademie, die er im Frühjahr 1827 antrat, war sein erster Erfolg die Errichtung einer eignen Klasse für die Ölmalerei, 1844 willigte man in die Gründung von Malerschulen; aber erst 1847 trat die neue Organisation ins Leben, und noch jetzt hatte er mit so vielen Hindernissen zu kämpfen, daß er sich veranlaßt fand, seine Professur niederzulegen. 1827 begann er die Kartons für die Allerheiligenkirche, und 1837 waren diese Malereien vollendet. In der ersten Kuppel und deren Nebengewölben befinden sich 33 kleinere und größere Darstellungen aus dem Alten Testament, in der zweiten Kuppel und deren Nebengewölben 34 Gemälde aus dem Neuen Testament; der Bogen über dem Altar, jener über der Chornische und letztere selbst enthalten 11 Bilder aus der Geschichte der Kirche. Darauf begann H. die Fresken der Basilika, in denen das Leben des heil. Bonifacius und der zu ihm in Beziehung stehenden Glaubensboten geschildert wird. H. vollendete die Malereien 1840-45, die im Refektorium (das Abendmahl) 1846. Seit April 1849 Direktor der königlichen vereinigten Sammlungen, starb er 29. März 1863 in München. H.' Kompositionen zeichnen sich durch einfache, aber großartige und stets würdevolle Auffassung und geschmackvolle Ausführung aus.

9) Karl, Maler, Bruder der beiden vorigen, geb. 1801 zu Düsseldorf, erhielt seit 1806 in München seine Kunstbildung und sollte nach seines Vaters Wunsch sich der Stecher- und Radierkunst widmen. Doch gab er bald seiner Neigung zur Malerei nach. Seine Vorbilder waren vornehmlich Wagenbauer und sein Bruder Peter. Seine Schilderungen des Gebirgslebens sind durch poetische Auffassung, Wahrheit und treffliche Charakteristik ausgezeichnet. Er starb 16. Nov. 1874 in Reichenhall.

10) Eugen, Maler, Sohn von H. 7), geb. 25. Juni 1824 zu München, lernte bei seinem Vater und an der Münchener Akademie, sodann in Brüssel, wo er sich die belgische Technik mit glücklichem Erfolg aneignete. Jagdszenen, historisches Genre, Kriegsszenen waren seine Stoffe. Ein Hauptwerk von ihm, den Überfall der Schweden bei Dachau, besitzt die Neue Pinakothek zu München; daselbst auch französische Kürassiere während des Brandes von Moskau etc. H. starb 21. Nov. 1862 in München.

11) Georg, nordamerikan. Bildhauer, geb. 28. Sept. 1832 zu Pfungstadt (Hessen-Darmstadt), war anfangs Klempner in Darmstadt und bildete sich daneben in der Sonntagsschule im Zeichnen aus. 1850 wanderte er nach Nordamerika und erwarb dort durch Möbelschnitzereien so viel, daß er sich in München bei Widnmann vier Jahre lang der Bildhauerkunst widmen konnte. Dann kehrte er nach Amerika zurück, wo er sich in New York niederließ. Seine Idealschöpfungen sowie seine Porträtstatuen haben den lyrisch-romantischen Zug der Schwanthalerschen Schule. Von ihnen sind hervorzuheben: die Statuen der Echo und Lorelei, die Idealbüste der Wasserlilie, eine Statue des jugendlichen Goethe und ein Hochrelief: das unterbrochene Gebet.

12) Richard, Forstmann, geb. 23. Juni 1835 zu Gotha, studierte in Aschaffenburg und Göttingen, stand 1859-68, zuletzt als Forstkommissar in Ohrdruf, im gothaischen Forstdienst und wurde 1869 Professor der Forstwissenschaft in Gießen. Er schrieb: "Der Forstschutz" (Leipz. 1878, 2. Aufl. 1886); "Der forstwissenschaftliche Unterricht an der Universität