Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heß

464

Heß.

leitet. Als Morgenstern hieß er Phosphoros (lat. Lucifer, "Lichtbringer"), wurde als solcher von den Künstlern als Fackelträger und Vorreiter des Helios abgebildet und ebenfalls als Stern der Aphrodite vielfach gefeiert. Er heißt ein Sohn der Eos und des Kephalos oder des Asträos oder des Atlas und Vater der Hesperiden.

Heß, 1) Johann H. oder Hessus, ein um die Einführung der Kirchenreformation in Schlesien verdienter Mann, geb. 1490 zu Nürnberg, studierte in Leipzig und Wittenberg, ward Sekretär des Bischofs zu Breslau, trat auf Reisen in Verbindung mit Humanisten, ging später nach Italien und ward 1519 Doktor der Theologie zu Ferrara, 1520 Diakonus in Rom. Nach Breslau zurückgekehrt und Domherr geworden, trat er 1521 zur evangelischen Lehre über, wurde 1522 Prediger zu Nürnberg und 1523 an die Magdalenenkirche nach Breslau berufen, wo er 1524 in einer Disputation öffentlich die Sache des Evangeliums siegreich verteidigte. Er starb 1547. Sein Leben beschrieben Kolde (Bresl. 1846) und Köstlin (in der "Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Altertum Schlesiens", Bd. 6 u. 12).

2) Johann Jakob, namhafter theolog. Schriftsteller, geb. 21. Okt. 1741 zu Zürich, studierte daselbst, ward 1777 Diakonus, 1795 Oberpfarrer und Antistes der Geistlichkeit des Kantons Zürich; starb 20. Mai 1828. Er ist bekannt als der eigentliche Bahnbrecher für die Litteratur des Lebens Jesu durch seine "Geschichte der drei letzten Lebensjahre Jesu" (Zürich 1768) und "Lebensgeschichte Jesu" (8. Aufl., das. 1823), welche den Zeitgenossen neuerungssüchtig, den Spätern altgläubig schien, aber mit ihrer leise vermittelnden Darstellung ein halbes Jahrhundert lang dem frommen Bedürfnis in Deutschland genügte. Aus seinem Nachlaß erschienen "Briefe über die Offenbarung Johannis" (Zürich 1844). Vgl. Escher, J. J. H., Skizze seines Lebens und seiner Ansichten (Zürich 1837).

3) Karl Ernst Christoph, Kupferstecher, geb. 22. Jan. 1755 zu Darmstadt, erlernte in Straßburg das Schwertfegerhandwerk und kam sodann zu dem Ziseleur und Medailleur Hohleisen in Mannheim. Seit 1776 widmete er sich in Augsburg der Kupferstecherkunst und ging 1777 nach Düsseldorf, um an dem von Krahe begonnenen großen Galeriewerk zu arbeiten. Im J. 1783 begab er sich nach München und von hier nach vierjährigem Aufenthalt nach Italien, wo er zu Neapel und Rom Kunststudien machte. Kaum nach München zurückgekehrt, folgte er einem Ruf nach Düsseldorf, um mit Bartolozzi wieder an dem großen Galeriewerk zu arbeiten. Er lieferte in der punktierten Manier mehrere ausgezeichnete Blätter, z. B. den Marktschreier nach Gerard Dou, die Himmelfahrt der Maria nach Guido Reni, das Porträt Rubens' und seiner Gattin. Treffliche Blätter größern Umfangs sind noch eine heilige Familie nach Raffael und das Jüngste Gericht nach Rubens. 1806 siedelte H. mit der Düsseldorfer Akademie und Galerie nach München über. Hier vollendete er unter anderm einen heil. Hieronymus nach Palma, die heiligen drei Könige nach van Eyck und das Bild des Königs Maximilian nach Stieler. Er starb 25. Juli 1828 in München.

4) Ludwig, schweizer. Maler und Kupferstecher, geb. 16. Okt. 1760 zu Zürich, war anfangs Fleischer, wurde aber durch den Umgang mit Sal. Geßner zur Malerei geführt. 1794 besuchte er Florenz und Rom. Von seinen der Alpenwelt und Italien entlehnten Landschaften sind der Montblanc, das Rütli und die Tellskapelle hervorzuheben. Seit 1798 hat er auch Landschaften in Kupfer geätzt. Er starb 13. April 1800.

5) Karl Adolf Heinrich, Maler, geb. 1769 zu Dresden, bildete sich teils unter Kloß, teils durch das Studium nach ältern Meistern und errang, besonders nachdem er Rußland, Ungarn und die Türkei als aufmerksamer Beobachter durchreist hatte, eine Meisterschaft in der Darstellung der Pferde. Von seinen Werken nennen wir sein Pferdewerk (12 Bl., 1807), Studienblätter für Pferdeliebhaber und den Durchmarsch der Uralischen Kosaken durch Böhmen 1799 sowie die von ihm in Lithographien herausgegebenen Pferdeköpfe in natürlicher Größe (Wien 1825). Wenige andre Maler haben ein so tiefes Verständnis der Pferderassen in ihrem Zusammenhang mit Volk und Land an den Tag gelegt wie H., dessen Bilder auch in Beziehung auf Hintergründe und Menschenfiguren trefflich sind. Seit 1808 in Wien ansässig, wo er Lehrer an der Kunstakademie wurde, starb H. 3. Juli 1849 in Wilhelmsdorf bei Wien.

6) Heinrich, Freiherr von, österreich. Feldzeugmeister, geb. 17. März 1788 zu Wien, trat mit seinem 17. Jahr als Fähnrich in den österreichischen Militärdienst, war während des Feldzugs von 1805 dem Generalquartiermeisterstab aggregiert und wurde 1806 bei der Aufnahme von Wien, 1807 und 1808 bei der trigonometrischen Vermessung des Königreichs Ungarn verwendet und 1809 unter Beförderung zum Oberleutnant in den Generalstab versetzt. In dem Feldzug von 1809 zeichnete sich H. bei mehreren Gelegenheiten, namentlich bei Wagram, durch Umsicht und Tapferkeit aus. 1813 wurde er Hauptmann im Generalquartiermeisterstab und machte die Feldzüge von 1813 in Deutschland und 1814 in Frankreich mit. 1815 zum Major befördert, arbeitete er in den beiden folgenden Jahren im Präsidialkriegsbüreau. Seit 1822 Oberstleutnant im 33. Infanterieregiment, bekleidete er von 1821 bis 1823 die Stelle eines Kommissars des österreichischen Okkupationskorps in Piemont, ward 1829 Oberst und Kommandant des 2. Infanterieregiments, 1831 in den Generalstab versetzt und zum Chef der Generalstabsabteilung bei den mobilen Korps in Oberitalien ernannt, in welcher Stellung er sich große Verdienste um die praktische Ausbildung der Truppen erwarb. Im Mai 1834 zum Generalmajor in Mähren ernannt, erhielt er 1839 die Leitung der Geschäfte des Generalquartiermeisterstabs und wurde 1842 zum Feldmarschallleutnant, im Mai 1848 aber zum Generalquartiermeister bei der Armee in Italien unter Radetzky ernannt. Hier leistete er durch seinen militärischen Scharfblick und seine praktischen Erfahrungen Außerordentliches und hatte den wesentlichsten Anteil an den glänzenden Erfolgen der österreichischen Waffen in den denkwürdigen Feldzügen von 1848, wie auch Radetzky seinem thatkräftigen Wirken in allen seinen Berichten die vollkommenste Anerkennung zu teil werden ließ. Am 8. Aug. 1848 schloß H. den Waffenstillstand mit Sardinien ab. Als dieses 12. März 1849 denselben kündigte, entwarf H. den Plan zu jenem berühmten fünftägigen Feldzug, welcher mit dem Sieg von Novara endete. Der Kaiser ernannte ihn darauf 11. Sept. 1849 zum Wirklichen Geheimen Rat, dann 27. Sept. 1849 zum Chef des Generalstabs der gesamten Armee. Als die orientalischen Verwickelungen einen für Österreich bedrohlichen Charakter annahmen, ward er im Juli 1854 an die Spitze der großen Armee, die an den Ostgrenzen des Reichs Stellung nahm, berufen. Im folgenden Jahr trat er