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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Heuschrecken

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Heuschrecken.

lang, variiert in der Färbung, ist oben graugrün bis braun- oder grasgrün, unten fleischrötlich bis rot oder gelb, an der Innenseite der Hinterschenkel blau mit zwei dunkeln Querbinden; die bräunlichen Flügeldecken sind dunkel gefleckt, die Flügel innen gelblichgrün, sonst glashell. Das Weibchen legt etwa 150 Eier in 2-3 Klümpchen meist 4 cm tief in die Erde; die anfangs gelblichweißen Larven häuten sich bis zur vollständigen Entwickelung fünfmal. Die Wanderheuschrecke pflanzt sich alljährlich in Südeuropa, in der Tatarei, in Syrien und in Kleinasien fort, und diese Länder sind als ihre Heimat anzusehen. Die Nordlinie ihrer Verbreitung geht von Spanien durch Südfrankreich, die Schweiz, Bayern, Thüringen, Sachsen, die Mark; Posen, Polen, Wolhynien, Südrußland, Südsibirien bis zum nördlichen China. Vereinzelte Züge wurden auch in Schweden, England und Schottland beobachtet. Die Wanderheuschrecke richtet fast in jedem Jahr großartige Verwüstungen im Süden und Südosten an, sehr oft sind aber auch Schwärme in Deutschland eingefallen. Gegen diese bleibt fast jede Gegenwehr fruchtlos; nur durch gemeinsames Vorgehen ganzer Dörfer, ja Provinzen kann die Entwickelung einer neuen Generation bekämpft werden. Schon bei Plinius ist von Gesetzen die Rede, nach welchen die Bewohner von Kyrene jährlich dreimal gegen die Wanderheuschrecken zu Feld ziehen mußten. Solche Gesetze sind auch in Frankreich und Preußen erlassen worden. Man hat die die Eier bergenden Erdklümpchen zu sammeln, zur Zerstörung der Larven Gräben zu ziehen, Falllöcher in deren Sohle anzubringen, die Brut hineinzutreiben und zu töten. Beim Hereinbrechen von Schwärmen bleibt nichts übrig, als die Feldfrüchte, deren Erntezeit nahe ist, so schnell wie möglich einzubringen, um wenigstens etwas zu retten. Mit dem Auftreten der H. erscheint oft der Rosenstar, dessen bevorzugte Nahrung die H. bilden. Die osteuropäische Wanderheuschrecke ist von manchen als besondere Art (O. cinerascens Fab., s. Tafel "Geradflügler") unterschieden worden. Auch in Südamerika und besonders in Afrika treten gleich gefährliche Arten auf. Es ist beobachtet worden, daß die Eier der südafrikanischen Art mehrere Jahre in der Erde liegen können, ohne die Entwickelungsfähigkeit zu verlieren, wenn es an Feuchtigkeit fehlt, während bei normal eintretendem Regen die Jungen schon nach einigen Monaten ausschlüpfen. In Südafrika essen die Eingebornen schwach geröstete H., auch füttert man damit die Pferde. In Deutschland leben noch mehrere Arten mit blauen oder roten, schwarz gesäumten Hinterflügeln. Die kleinen auf Wiesen und Grasplätzen lebenden H. gehören zur Gattung Gomphocerus Burm., und von diesen soll G. pratorum Fisch. bisweilen auf Wiesen, Gersten- und Haferfeldern Schaden anrichten. Die italienische Heuschrecke (Caloptenus italicus Burm.), am Körper und auf den Flügeldecken schmutzig gelb, braun gesprenkelt, am Innenrand der Hinterflügel und an der Innenseite der Hinterschenkel rosenrot, zeigt sich besonders in Wäldern und wird vorzugsweise den Bäumen und der Weinblüte nachteilig. Sie findet sich in Italien, Rußland, auch in Österreich und Deutschland. Vgl. Gerstäcker, Die Wanderheuschrecke (Berl. 1876). Die Dornschrecke (Tetrix subulata L., s. Tafel "Geradflügler"), mit sehr kleinem Kopf, stark vorspringenden Augen, nach hinten sehr stark verlängertem Prothorax, schuppenförmigen Flügeldecken, ohne Zirpvermögen, 11 mm lang, graubraun, mit hellgelber Längsbinde auf Kopf und Thorax, ist überall nicht selten.

Bei den Laubheuschrecken (Locustina Burm.) steht der Kopf senkrecht, der Scheitel tritt zwischen den halbkugeligen Augen meist spitzig hervor, Nebenaugen fehlen meist; die Fühler sind sehr lang, dünn, borstenförmig, die Oberlippe ist kreisrund, an der Unterlippe sind die kleinen innern Laden hinter die äußern zurückgedrängt; der Prothorax pflegt sich nach hinten über die äußerste Wurzel der Flügeldecken auszubreiten; diese liegen dem Körper meist vertikal an und decken sich nur mit dem kleinen Hinterfeld. In dem Hinterfeld der rechten untern Flügeldecke liegt bei dem Männchen eine rundliche, glashelle, von einem hornigen Ring eingefaßte Membran, in dem der linken Flügeldecke dagegen eine kräftige, gekerbte Querader, mit welcher der Ring gewetzt werden kann. Hierdurch entsteht das Zirpen, welches durch die Schwingung der Membran verstärkt wird. Die Hinterbeine sind verlängert, die Tarsen viergliederig. Die Legescheide ist meist groß, säbelförmig. Das Gehörorgan liegt an der Basis der Vorderschienen und besteht aus paarigen Spaltöffnungen, welche durch eine innen ausgespannte Membran verschlossen sind (s. Figur). Die Entwickelung gleicht im wesentlichen der der Feldheuschrecken. Die meist grünen Laubheuschrecken sind über die ganze Erde verbreitet und leben vielleicht vorwiegend von animalischer Kost. Der Warzenbeißer (großes, braunes Heupferdchen, Decticus verrucivorus L.), 3 cm lang, bräunlichgrün, besonders auf den Flügeldecken braun gefleckt, unterseits heller, mehr gelblich, legt etwa 100 Eier zu je 6-8 in die Erde, findet sich in Nord- und Mitteleuropa häufig auf Wiesen und Kleefeldern, beißt so stark, daß die Haut mit Blut unterläuft, und läßt dabei einen braunen Saft ausfließen. Das große, grüne Heupferd (Locusta viridissima L.), 2,5 cm lang, hell grasgrün, mit langen, gleich breiten, den Hinterleib um das Doppelte an Länge überragenden Flügeldecken, deren Hinterfeld gebräunt ist, am Scheitel und Thorax mit rostroter Längsbinde, auf letzterm zugleich mit zwei hellgelben Flecken, findet sich überall in Europa in Getreidefeldern, nach der Ernte auf Bäumen und Gesträuch, wird wegen seines Gesanges von Kindern in kleinen Drahthäuschen gehalten.

Die Grabheuschrecken (Gryllodea Burm.) haben einen walzigen Körper, einen freien, dicken Kopf, elliptische Augen, oft keine Nebenaugen, borstenförmige Fühler, eine fast kreisrunde Oberlippe, zurücktretende innere Laden der Unterlippe, fast horizontal liegende Flügeldecken, beim Männchen zuweilen mit einem Stimmorgan, dicht gefaltete, die Flügeldecken peitschenförmig überragende Hinterflügel, oft Grabbeine, dreigliederige Tarsen und zwei lange, gegliederte Raife an der Spitze des Hinterleibes. Das Stimmorgan besteht aus einer gekerbten Querader der rechten Flügeldecke, welche gegen eine Ader der linken Flügeldecke gestrichen wird. Sie legen Höhlungen und Gänge unter der Erdoberfläche an, die ihnen als Zufluchtsort, zum beständigen Aufenthalt und zum Ablegen der Eier dienen. Die

^[Abb.: Gehörorgan des großen, grünen Heupferdes. a Trommelfell nebst Deckel.]