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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hirschfelde; Hirschgerecht; Hirschhäute; Hirschhorn

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Hirschfelde - Hirschhorn.

Kommando über eine Landwehrdivision die bei Magdeburg stand, und lieferte 27. Aug. 1813 dem General Girard das siegreiche Treffen bei Hagelsberg. Dann leitete er, zum Generalleutnant befördert, die Einschließung von Magdeburg und wurde nach der Übergabe Kommandant dieser Festung. Er nahm 1815 seinen Abschied als General der Infanterie und starb 8. Okt. 1818 in Brandenburg. - Von seinen vier Söhnen fiel der älteste, Eugen v. H., geb. 1784, nachdem er 1807 aus preußischen Diensten in die des Herzogs von Braunschweig getreten war, 1811 in Spanien; der zweite, Moritz v. H., geb. 1791, ging 1810, um gegen Napoleon zu fechten, nach Spanien und trat in ein spanisches Dragonerregiment, in welchem er sich durch Tapferkeit und Geschick auszeichnete. 1815 trat er als Major in preußische Dienste zurück und befehligte 1849 als Generalleutnant die Truppen, welche den Aufstand in der Pfalz und dann in Baden unterdrückten; er starb 13. Okt. 1859 als Kommandeur des 8. Armeekorps in Koblenz (vgl. v. Holleben, Erinnerungen an Eugen und Moritz v. H., Berl. 1863). Ein dritter, Adolf v. H., befehligte 1848 in Posen, wo er den Aufstand unterdrückte, 1849 in Schleswig-Holstein und starb 11. Mai 1858 als General der Kavallerie a. D. in Gotha.

4) Gustav, Archäolog, geb. 4. Nov. 1847 zu Pyritz in Pommern, studierte zu Tübingen, Leipzig und Berlin und verweilte seit 1870 als Stipendiat des preußischen Archäologischen Instituts in Griechenland, Italien und Kleinasien. Von 1875 bis 1877 stand er den Ausgrabungen in Olympia vor, worauf er 1878 zum außerordentlichen, 1880 zum ordentlichen Professor in Königsberg ernannt wurde. Er veröffentlichte: "Tituli statuarum sculptorumque graecorum" (Berl. 1871); "Athena und Marsyas" (das. 1872); "Paphlagonische Felsengräber" (das. 1885). Auch an den beiden ersten Bänden der "Ausgrabungen in Olympia" (Berl. 1877-78) war er beteiligt. Seit 1884 berichtet er im "Geographischen Jahrbuch" über die geographische Erforschung der alten Kulturländer.

Hirschfelde, Flecken in der sächs. Kreishauptmannschaft Bautzen, Amtshauptmannschaft Zittau, an der Lausitzer Neiße und der Linie Görlitz-Zittau der Preußischen Staatsbahn, hat bedeutende Flachsspinnerei, Leinen-, Orléans- und Bettzeugweberei, eine Burgruine und (1885) 2081 meist evang. Einwohner.

Hirschgerecht ist ein Jäger, welcher die Hirschfährten richtig anzusprechen vermag (fährtengerecht ist), den Leit- und Schweißhund abrichten und führen kann sowie alle Jagdarten auf Hochwild genau versteht (s. Jagd).

Hirschhäute, die Häute des Edel- und Damhirsches, auch des nordamerikanischen Wapitihirsches, welcher die größten Häute liefert. Diese werden sämisch gegerbt, und das weiche Leder, welches sie liefern, dient zu Beinkleidern, Handschuhen, Stiefeln, Kissen, Bettdecken, Degenkuppeln etc. Die Haare benutzt man als Polstermaterial.

Hirschhorn (Hirschgeweih, Cornu cervi), vom Edelhirsch und Damhirsch abstammend, gleicht in seiner Zusammensetzung den Knochen, enthält nämlich etwa 57 Proz. phosphorsauren, 7 Proz. kohlensauren Kalk und 36 Proz. leimgebende Substanz. Es kommt ganz oder in Stücken, besonders aus Tirol, Ungarn und Mittelamerika, in den Handel, läßt sich bohren und abdrehen und wird zu Kronleuchtern, Möbeln, allerlei Gebrauchsgegenständen, namentlich Messer- und Gabelheften, Stockknöpfen etc., auch, in dünne Scheiben geschnitten und gebleicht, zum Furnieren feiner Kästchen benutzt. Die beim Verarbeiten des Hirschhorns abfallenden Späne, welche als geraspeltes H. (Cornu cervi raspatum, Rasura cornu cervi) im Handel vorkommen, benutzt man zur Darstellung einer Gallerte, indem man sie anhaltend mit Wasser kocht, die Brühe durchseiht, einkocht und erkalten läßt. Diese Gallerte wird zum Klären benutzt. Beim Erhitzen zersetzt sich das H. und liefert bei trockner Destillation, außer brennbaren Gasen, das Hirschhornsalz (Sal volatile cornu cervi, Ammonium carbonicum pyro-oleosum), mehr oder weniger gelbes oder braunes kohlensaures Ammoniak, welches sich bei der Destillation im Retortenhals verdichtet; eine braune, wässerige Flüssigkeit, den Hirschhorngeist oder Hirschhornspiritus, welcher außer kohlensaurem Ammoniak wohl noch essigsaures Ammoniak, Cyanammonium und Schwefelammonium enthält und früher medizinisch benutzt, später aber durch eine mit wenigen Tropfen Tieröl versetzte Lösung von reinem kohlensauren Ammoniak (Liquor ammonii carbonici pyro-oleosi) ersetzt wurde. Neutralisiert man Hirschhorngeist mit Bernsteinsäure, so erhält man aus jenem den Liquor cornu cervi succinatus, welcher jetzt ebenfalls aus den Surrogaten bereitet wird. Endlich tritt bei der trocknen Destillation des Hirschhorns noch ein sehr heftig stinkendes Öl, das Hirschhornöl (Tieröl, Oleum animale foetidum, Oleum cornu cervi), aus, dessen Zusammensetzung eine sehr komplizierte ist. Als Rückstand der Destillation des Hirschhorns bleibt das schwarz gebrannte H., welches der Knochenkohle gleichwertig ist. Beim Luftzutritt erhitzt, liefert das H. weiß gebranntes H. von der Zusammensetzung der Knochenasche. - Hirschhorngeräte (Hämmer, Harpunen, Pfriemen, Äxte etc.) aus Hirsch-, Elch- und Rehgehörn wurden schon in prähistorischer Zeit dargestellt. Die einfachste Art der Benutzung des festen und zähen Materials bestand darin, daß man den Hauptstamm oberhalb der Stirnsprosse dicht unter der ersten Gabelung abschnitt u. als Stiel, die Stirnsprosse aber als spitzige Hacke benutzte. Die Enden der Zacken dienten bei der Herstellung von Flechtwerk aus stärkern Seilen und Stricken und bei der Seilerei. Auch Flöten wurden aus denselben gefertigt. Aus dem Stammende stellte man außerdem jene axt- oder hammerförmigen, mit Stielloch versehenen Geräte her, welche als Setzkeile dienten und zum Spalten von Baumstämmen gebraucht wurden. Außerdem faßte man, namentlich in den Pfahlbauten der Schweiz, die Steinbeile manschettenförmig in kurze Stammenden, welche in den eigentlichen Holzschaft eingesetzt wurden und das Aufspalten des letztern verhüten sollten. Ferner fertigte man Meißel, Pfriemen, Pfeilspitzen, Nadeln, Kämme und Harpunenspitzen aus den Stammenden. Die Verwendung des Hirschhorns zu diesen Zwecken reicht von der Steinzeit bis in späte Zeiten, in den ehemals wendischen östlichen Gebieten bis in die wendische Zeit. Gegenwärtig werden Hirschgeweihe von Jagdliebhabern vielfach gesammelt und zur Dekoration von Gemächern verwendet, wofür sich zahlreiche Beispiele in fürstlichen Schlössern (Reinhardsbrunn in Thüringen) finden. Schon Dürers Freund Pirkheimer war ein eifriger Sammler von Hirschgeweihen. Seit der Renaissancezeit wurde das H. sehr mannigfaltig zu Schnitzereien verarbeitet, und auch gegenwärtig findet es noch mannigfache Verwendung (s. oben).

Hirschhorn, Stadt in der hess. Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim, am Neckar und der Linie Heidelberg-Eberbach-Würzburg der Badischen Staatsbahn, hat 2 alte Kirchen, ein Schloß (Hausdomäne), ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Schiffahrt, Sei-^[folgende Seite]