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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hissarlyk - Historische Kommission.

war H. Grenzland der Arier gegen die Gangesländer, von denen es der heilige Fluß Saraswati (jetzt Ghaggar) trennte, welcher sich damals noch unterhalb des Satledsch in den Indus ergoß, infolge großer Abzapfung zur Berieselung der Felder jetzt aber sich im Sand verliert.

Hissarlyk ("Schloßberg"), ein Hügel oder Gebirgsausläufer im Liwa Kale Sultanie, der alten Landschaft Troas in Kleinasien, am Rande der Menderes- (Skamander-) Ebene gelegen, nach der Tradition des Altertums die Stätte des Homerischen Troja, wo H. Schliemann (s. d.) 1870-82 seine erfolgreichen Ausgrabungen veranstaltete; s. Troja.

Hissen, s. Heißen.

Histiäos, Statthalter von Milet unter persischer Oberhoheit, leistete dem Perserkönig Dareios Hystaspis dadurch einen großen Dienst, daß er sich dem Rate des Miltiades, die Brücke über die Donau abzubrechen, widersetzte und dadurch das von dem skythischen Feldzug (515 v. Chr.) zurückkehrende persische Heer vom Untergang rettete. Dareios überließ ihm hierfür Myrkinos am Strymon in Thrakien, wo H. eine Kolonie anlegte. Als aber Megabazos, der hier zurückgelassene persische Feldherr, dem König vorstellte, wie leicht sich H. in dieser Stellung zum Herrn von Thrakien und den Inseln machen könne, rief Dareios diesen an seinen Hof und hielt ihn hier unter Aufsicht. H. beförderte deshalb durch eine geheime Botschaft die Empörung der ionischen Städte unter seinem Schwiegersohn Aristagoras und ließ sich sodann vom König den Oberbefehl angeblich zur Unterdrückung derselben geben. Als er aber in Sardes sich entlarvt sah, entfloh er und versuchte nun eine Landung in Ionien. Hierbei fiel er den Persern in die Hände (494) und ward zu Artaphernes gebracht, der ihn kreuzigen ließ. Sein eingesalzenes Haupt wurde Dareios nach Susa geschickt.

Histiodromie (griech.), Schiffahrtskunde.

Histogenese (griech.), die Lehre von der Entstehung der organischen Gewebe; Histogenie, die Bildung der Gewebe; Histographie, die Beschreibung derselben.

Histoire (franz., spr. istoahr), Geschichte; h. scandaleuse, Skandalgeschichte.

Histologie (griech., "Gewebelehre"), die Lehre von dem feinern, meist nur mit Hilfe des Mikroskops zu ermittelnden Bau des Tier- und Pflanzenkörpers. Als besondere Wissenschaft datiert die H. vom Anfang dieses Jahrhunderts, hat jedoch erst mit und nach der Aufstellung der Lehre von der Zelle durch Schleiden und Schwann (Ende der 30er Jahre) die Wichtigkeit erlangt, zu der sie in der Gegenwart gediehen ist. Eine scharfe Trennung der H. von der sogen. groben Anatomie, welche mehr die mit bloßem Auge zugänglichen anatomischen Verhältnisse berücksichtigt, ist natürlich nicht möglich; vielmehr stehen beide in innigem Zusammenhang und ergänzen sich zugleich. Immerhin gilt die Zusammensetzung irgend eines tierischen oder pflanzlichen Körpers nicht für völlig erkannt, solange man ihr nicht bis zur äußersten Grenze der Sichtbarkeit nachgespürt hat. Dabei bedient sich aber die H. nicht bloß des Mikroskops zur Vergrößerung der sonst unsichtbaren Teile, sondern zieht auch alle Hilfsmittel der Physik und Chemie heran, untersucht also z. B. die Gewebe im polarisierten Licht, ferner in ihrem Verhalten gegen elektrische Reize, gegen Säuren, Basen, Salze etc., hat also eine Histophysik und Histochemie zur Voraussetzung. Vgl. Leydig, Lehrbuch der H. des Menschen und der Tiere (Frankf. 1857); Kölliker, Handbuch der Gewebelehre (5. Aufl., Leipz. 1867); Stricker, Handbuch der Lehre von den Geweben (das. 1868-72, 2 Bde.); Frey, Handbuch der H. und Histochemie des Menschen (5. Aufl., das. 1876); Derselbe, Grundzüge der H. (3. Aufl., das. 1885); Exner, Leitfaden bei der mikroskopischen Untersuchung tierischer Gewebe (2. Aufl., das. 1878); Klein, Grundzüge der H. (a. d. Englischen von Kollmann, (das. 1886); Stöhr, Lehrbuch der H., mit Einschluß der mikroskopischen Technik (Jena 1886); Ranvier, Traité technique d'histologie (Par. 1875-77).

Histometer (Gewebemesser), Apparat, mit welchem Gewebe auf ihre Haltbarkeit in ähnlicher Weise durch Zug, Biegen, Abreibung geprüft werden, wie dieselben beim Gebrauch der Abnutzung unterworfen sind. Im wesentlichen besteht das H. aus einem System von Walzen, über welche der zu prüfende Stoff gelegt ist und zwar in doppelter Lage um die untere Hälfte einer Hauptwalze herum, welche durch einen Hebel mit Gewicht entsprechend belastet wird. Seitwärts über dieser Hauptwalze liegen zwei Führungswalzen, über welche der zu prüfende Stoff als Band ohne Ende hinweggeführt wird. Indem nun eine dieser Walzen durch einen Kurbelmechanismus eine oszillierende Bewegung erhält, welche durch das angespannte Stoffband auf die andre übertragen wird, findet besonders an den Stellen des Gewebestücks eine Inanspruchnahme durch Reibung statt, welche unterhalb der belasteten Hauptwalze sich berühren und in entgegengesetzter Richtung aufeinander schleifen. Da das Gewebe außerdem an diesen Stellen noch verschiedenen Biegungen und Anspannungen ausgesetzt wird, so kommt die Prüfung den Ursachen der natürlichen Abnutzung ziemlich und jedenfalls so nahe, daß, wenn z. B. von zwei Tuchstreifen der eine nach 200, der andre nach 300 Umdrehungen sich in Fäden auflöst, man zu dem Schluß berechtigt ist, daß die Abnutzungen sich verhalten wie 2:3. Vgl. Materialprüfung.

Historia (lat.), Geschichte.

Historia Augusta (lat.), Geschichte der röm. Kaiser, besonders der spätern, welche Spartianus, Lampridius, Pollio, Capitolinus etc. (Scriptores historiae Augustae, s. d.) geschrieben haben.

Historienbibel, Name für mehrere mittelalterliche Versuche, den Gesamtgehalt der Heiligen Schrift, jedoch unter Ausschluß des prophetischen und didaktischen Elements und in der Regel mit vielerlei apokryphen Zusätzen versehen, zu volkstümlicher Darstellung zu bringen. Vgl. Merzdorf, Die deutschen Historienbibeln des Mittelalters (Stuttg., Litterarischer Verein, 1871, 2 Bde.).

Historienmalerei (Geschichtsmalerei), s. Malerei.

Historiette (franz.), Geschichtchen, Histörchen.

Historik (lat.), Geschichtschreibung; Historiker, Geschichtsforscher, -kenner, -schreiber. S. Geschichte.

Historiographie (griech.), Geschichtschreibung; Historiograph, Geschichtschreiber.

Historisch (griech.), geschichtlich, der Geschichte gemäß.

Historische Kommission, ein der königlich bayr. Akademie der Wissenschaften in München beigeordnetes wissenschaftliches Institut zur Herausgabe wichtigen Quellenstoffs für die deutsche Geschichte und Unterstützung hervorragender Geschichtswerke; dasselbe wurde 1858 vom König Maximilian II. von Bayern auf Anregung seines Lehrers, des berühmten Historikers Leopold v. Ranke, der zum Vorstand ernannt wurde, gegründet; die bedeutendsten Vertreter