Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

590

Hoboisten - Hochätzkunst.

Hoboisten (Hautboisten, franz.), eigentlich s. v. w. Oboenbläser, herkömmliche Bezeichnung der Musiker bei den Infanterie-Regimentsmusiken, obschon dieselben schon längst nicht mehr Oboe blasen. Die etatmäßigen H. sind wirkliche Unteroffiziere, die außeretatmäßigen Gemeine, meist mit Unteroffizierscharakter. Stabshoboist heißt der Leiter eines solchen Musikkorps; er hat Feldwebelsrang.

Hoboken, Stadt im nordamerikan. Staat New Jersey, am Hudson, New York gegenüber, mit dem mehrere Dampffähren es verbinden. Es hat am Fluß parkähnliche Anlagen (Elysian Fields) und ist beliebter Vergnügungsort der New Yorker Arbeiter. Unter den Einwohnern (1880: 30,990) sind zahlreiche Deutsche. Unter den Lehranstalten verdienen Hervorhebung die polytechnische Schule (Stevens' Institution of Technology) und die deutsche Hoboken Academy, ein Realgymnasium. S. den Stadtplan von New York.

Hobrecht, Arthur, preuß. Finanzminister, geb. 14. Aug. 1824 zu Kobierzye bei Danzig, studierte die Rechte, trat dann in den Staatsverwaltungsdienst und war als Regierungsrat Hilfsarbeiter im Ministerium des Innern, als er 1863 zum Oberbürgermeister von Breslau gewählt wurde. Hier gelang es ihm, durch sein liebenswürdiges und zugleich festes, sicheres Benehmen und durch sein bedeutendes Verwaltungstalent sich solche Anerkennung zu erwerben, daß er 1872 zum Oberbürgermeister von Berlin gewählt wurde. Zwar spielte H. keine hervorragende politische Rolle (als Mitglied des Herrenhauses 1865-1878 vertrat er gemäßigt liberale Grundsätze); aber als Oberhaupt der mit schwierigen Aufgaben belasteten, verwickelten Verwaltung der Hauptstadt bewährte er seine Fähigkeit, durch geschickte Vermeidung hemmender Reibungen eine sachgemäße und erfolgreiche Behandlung der Geschäfte zu ermöglichen. Am 31. März 1878 ward er an Stelle Camphausens zum Finanzminister ernannt, um die von Bismarck geplante Finanz- und Steuerreform durchführen zu helfen. Als indes diese mehr und mehr eine schutzzöllnerische Tendenz annahm und Bismarck mit der liberalen Partei brach, weil sie ihm auf seinen neuen Bahnen nicht folgen wollte, reichte H. seine Entlassung ein und erhielt sie 7. Juli 1879. Als Mitglied des preußischen Landtags seit 1880 und des Reichstags seit 1881 trat er der nationalliberalen Partei bei. Außer einigen Novellen schrieb er den geschichtlichen Roman "Fritz Kannacher" (Berl. 1885, 2 Bde.).

Hobro, Hafenstadt an der Ostküste der dän. Provinz Jütland, Amt Randers, an der Eisenbahn Vamdrup-Frederikshavn, mit (1880) 2250 Einw.

Hobsgüter, s. Bauerngut, S. 469.

Hobsonsbai, s. Port Phillip.

Hoc (franz., spr. ock, H.-Mazarin), ein angeblich vom Kardinal Mazarin erfundenes Kartenspiel, jetzt nur noch in einzelnen Teilen Frankreichs gespielt.

Hoca (nicht zu verwechseln mit Hoc), berüchtigtes Hasardspiel, welches um die Mitte des 17. Jahrh. aus Rom nach Frankreich gelangte.

Hoc erat in votis (lat.), "dies gehörte zu meinen Wünschen" (Citat aus Horaz' Satiren, II, 6, 1).

Hoc est (lat., abgekürzt h. e.), das ist, das heißt.

Hoc habet (lat.), "das hat er", oder "der hat's", Ruf des Volkes bei den römischen Gladiatorenkämpfen, wenn ein Gladiator tödlich verwundet worden war; auch jetzt noch zuweilen sprichwörtlich s. v. w. der hat genug, mit dem ist's aus.

Hochäcker (Heidenäcker), die in tiefen Furchen und dazwischenliegenden hohen, bis 2,5 m breiten Ackerstreifen bestehenden Spuren des Ackerbaues prähistorischer Völker, die man auf Bergabhängen und Ebenen, oft von tausendjährigen Urwäldern oder am Meeresufer von der Flut bedeckt, antrifft. Sie sind besonders in Skandinavien, England, Deutschland und Nordamerika untersucht worden; überall gibt sich ihre Bedeutung als Ackerfurchen dadurch zu erkennen, daß sie an geneigten Flächen so angelegt sind, um das überflüssige Regenwasser abzuleiten. In Schottland nennt man sie Elfenfurchen, und das Volk erklärt ihr Vorkommen an heute nur noch zur Viehweide dienenden Bergen durch ein päpstliches Interdikt, welches die Felder der Ebene getroffen und die Leute gezwungen habe, die Höhen zu beackern; in Südschweden schreibt man sie einer längst ausgestorbenen Urbevölkerung zu, den sogen. Hackern, die sich zur Bodenbearbeitung eines Fichtenstammes mit zugespitztem Astansatz bedient haben sollen. Sonst dienten vor Erfindung des Pflugs auch Hirschgeweihe, denen alle Zinken bis auf eine genommen waren, und Steinhacken zur Lockerung des Bodens. In Deutschland erregte das Vorhandensein solcher seit Menschengedenken nicht mehr beackerten Felder bereits um 1172 die Aufmerksamkeit des Geschichtsforschers Helmod. In Nordamerika findet man Ackerstreifen, die ca. 1,25 m breite Beete zwischen den Furchen bilden und eine höhere Stufe des Ackerbaues in prähistorischen Zeiten bezeugen, als sie die jetzigen Indianer mit ihren "Kornhügeln" besaßen. Bei der Beurteilung derartiger alter Ackerspuren ist indessen Vorsicht nötig, da aus frühern Kriegen, namentlich aus dem Dreißigjährigen, zahlreiche Dorfstätten verwüstet lagen und sich zum Teil neu bewaldet haben, was zu Verwechselungen mit echt prähistorischen Hochäckern führt.

Hochaltar, s. Altar.

Hochamt, in der kath. Kirche die mit Musik verbundene Messe (s. d.).

Hochasien, zuerst von Humboldt gebrauchte Bezeichnung für den vom Himalaja, Karakorum und Kuenlün begrenzten Teil Asiens, die größere, westliche Hälfte von Tibet nebst Kaschmir, Nepal u. a.

Hochätzkunst (Akrographie, Ektypographie, Hochlithographie), die Kunst, vermittelst des Ätzens (s. d.) erhabene Schriftzeichen oder Zeichnungen auf Metall oder Stein als Verzierungen oder für den Druck auf der Buchdruckpresse herzustellen, während die gewöhnliche Ätzkunst dieselben vertieft erzeugt. Die H. wurde schon im Altertum und im Mittelalter geübt zur Ausschmückung von Gefäßen, Waffen etc.; ihre praktische Verwendung für den Druck datiert jedoch aus der neuesten Zeit, obgleich Du Fay schon 1728 dahin zielende Versuche gemacht hatte. Senefelders H. lithographischer Steine fand vervollkommte Nachahmung durch Duplat in Paris; auch sind hier zu nennen Bauerkeller in Wertheim und Baumgärtner in Leipzig. Duplat folgte 1823 Carré zu Toul, der zuerst Hochätzungen aus Kupfer herstellte; Didot Vater und Sohn, in Vereinigung mit Motte in Paris, versuchten lithographische Hochätzungen gleichzeitig mit Typensatz auf der Buchdruckpresse zu drucken; Dembour in Metz begann 1834 auf Carrés Verfahren weiter zu bauen und es zu vervollkommnen, derart, daß er es als eigne Erfindung in Anspruch nahm; doch erst Gillot in Paris brachte 1850 die chemische Hochätzung, welche er Panikonographie (s. d.) nannte, auf eine den heutigen Standpunkt der H. vorbereitende Höhe. Er benutzte zu seinen Platten ausschließlich Zink; doch werden jetzt auch gute Hochätzungen auf Kupfer und Stahl erzeugt, bei deren Herstellung die höchst