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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hodeget; Hodeida; Hödeken

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Hodeget - Hödeken.

kelfasern aus, welche eine eigne Fleischschicht (tunica dartos) bilden und bei ihrer Zusammenziehung die Runzelung des Sackes bewirken. In ihm liegen nebeneinander die beiden Hoden, Nebenhoden und Samenstränge (s. Samenleiter). Jede H., von eiförmiger Gestalt, Pflaumengröße und 15-25 g Gewicht, wird von einer glatten Faserhaut umschlossen und besteht aus einer weichen Masse, von der etwa drei Viertel aus Samenkanälchen, der Rest aus Blut- und Lymphgefäßen sowie aus Nerven und Bindegewebe gebildet wird. Letzteres strahlt von einem dicken Wulste der Faserhaut, dem sogen. Corpus Highmori, fächerartig aus und teilt so den Inhalt der H. in 100-200 pyramidenförmige Läppchen. Von diesen setzt sich jedes aus 2-6 Samenröhrchen oder -Kanälchen zusammen, welche in ihrem Innern aus ihrer Wandung heraus den Samen produzieren. Ihre Gesamtlänge beträgt 270-340 m; sie vereinigen sich aber zu 9-17 weitern Kanälen, die erst unter sich ein Netzwerk (rete Halleri) bilden, dann nach Durchbohrung der Faserhaut die H. verlassen und in die Nebenhode (epididymis) eintreten. Diese bildet ein einziges dünnes, aber 6½-10 m langes Rohr, welches sämtliche Hodenkanäle aufnimmt und unter vielen dicht zusammengedrängten Windungen in den Samenleiter (s. d.) übergeht. Jede H. ist mit einem Teil ihrer Nebenhode von einer besondern doppelten Hülle, einem Stück des aus der Bauchhöhle in den Hodensack mit eingewanderten Bauchfelles, umgeben. Wasseransammlungen zwischen den beiden Blättern derselben werden als Wasserbruch (Hydrocele) bezeichnet. - Neben der H. befinden sich noch einige Gebilde, welche anscheinend keine Funktion ausüben, sondern nur Reste früher thätig gewesener Organe (sogen. rudimentäre Organe) darstellen. Es sind dies der männliche Eierstock (ovarium masculinum), ein 5-7 mm großer, kolbiger oder warziger Körper, ferner häufig in seiner Nähe ein gestieltes, mit Flüssigkeit erfülltes Bläschen, die sogen. Morgagnische Hydatide, und das sogen. Giraldèssche Organ (paradidymis), welches im Samenstrang liegt. Die beiden ersten vertreten im Mann den Eierstock, resp. die Eileiterenden des Weibes; letzteres ist ein Rest der Urniere.

Die H. ist mancherlei Krankheiten unterworfen, namentlich Entzündungs- und Geschwulstkrankheiten. Die Hodenentzündung (Orchitis) ist bald mit Nebenhodenentzündung (Epididymitis) verbunden, bald tritt sie für sich auf. Sie kann entstehen durch eine Quetschung oder anderweitige Verletzung der H.; oft gesellt sie sich zu einer Tripperentzündung der Harnröhre, wenn der Tripper auf die Harnblase, die Samenbläschen, den Samenleiter etc. bis zur Nebenhode sich fortsetzt. Eine entzündliche Hodenschwellung gesellt sich merkwürdigerweise oft zur epidemischen Ohrspeicheldrüsenentzündung. Die Hodenentzündung äußert sich vorzugsweise durch schnelle Anschwellung und meistens sehr bedeutende Schmerzhaftigkeit der H. und Nebenhode, womit Fieber, ausstrahlende Schmerzen in der innern Schenkelfläche etc. verbunden sein können. Die Entzündung nimmt bald einen schnellen, bald einen schleichenden Verlauf. Im erstern Fall bildet sich die entzündliche Hodenschwellung entweder ohne weiteres zurück und geht in Heilung über, oder es kommt zur Eiter- und Absceßbildung in der H. und Nebenhode, nicht selten mit später folgenden Fistelbildungen. Nimmt die Krankheit einen schleichenden Verlauf, so kommt es gewöhnlich zur Wucherung des Bindegewebes und zum teilweisen oder vollständigen Untergang des eigentlichen Drüsengewebes in der H. Narbige Schrumpfung der H. und, wenn die Krankheit beide Hoden in ihrer ganzen Ausdehnung betraf, Verlust des Zeugungsvermögens sind die Folgen dieser chronischen Hodenentzündung. Die Behandlung bei der akuten Hodenentzündung besteht vor allem in ruhiger Lagerung auf einem Kissen, so daß keine Zerrung der Samenstränge stattfinden kann, dann in der Anwendung örtlicher Blutentziehungen durch Blutegel, welche am Hodensack angesetzt werden, sowie in der energischen Anwendung der Kälte, indem man die Hodengeschwulst mit einem Eisbeutel oder in Eiswasser getauchten Kompressen bedeckt. Sobald sich Eiterung eingestellt hat, ist der Absceß sofort zu eröffnen, und dann sind warme Breiumschläge und ähnliche Mittel am Platz. Eine häufige Krankheit ist die Tuberkulose der H. und Nebenhode. Sie kommt vorzugsweise bei skrofulösen und tuberkulösen Individuen, doch auch bei scheinbar ganz gesunden Männern vor und betrifft bald nur eine, bald beide Hoden. Es ist eine Krankheit vorzugsweise des mittlern Lebensalters, welche meist mit schmerzloser Schwellung und Verdickung an der Nebenhode beginnt und oft auf diese beschränkt bleibt. Da die Befürchtung begründet ist, daß die Tuberkulose der H. und Nebenhode Veranlassung zum Ausbruch der Tuberkulose in den Lungen und andern innern Organen geben kann, so ist es zweckmäßig, zur operativen Entfernung der kranken H. zu schreiten, sobald die Krankheit sicher erkannt ist. Die Ausrottung der H. wird als Kastration bezeichnet. Über die Scheidenhautwassersucht der H. oder den Wasserbruch s. d.

Unter den Geschwülsten der H., welche man früher unter dem gemeinschaftlichen Namen der Sarkocelen zusammenfaßte, sind die wichtigsten die syphilitischen oder Gummigeschwülste, die Sarkome und die Krebse. Alle genannten Arten betreffen vorzugsweise die H. selbst und unterscheiden sich daher schon im Beginn von der Tuberkulose der Nebenhode. Die Gummiknoten sind Teilerscheinung einer allgemeinen Syphilis und als solche zu behandeln. Die bösartigen Neubildungen kommen nicht so selten schon bei Kindern vor, sie wachsen meist schnell, sind oft sehr schmerzhaft und erfordern insgesamt eine möglichst frühzeitige Entfernung durch Kastration. Gegenüber den gewöhnlichen weichen Krebsen oder Markschwämmen hat man eine mehr gutartige Form (Cancroid) den Schornsteinfegerkrebs genannt, weil man beobachtet haben will (namentlich in England), daß die Krankheit sich vorzugsweise bei Schornsteinfegern finde. Auch diesem Übel gegenüber ist die frühzeitige operative Ausrottung der krankhaften Neubildung das einzige Erfolg versprechende Mittel.

Hodeget (griech.), Wegweiser, Führer, der die beim Studium einer Wissenschaft einzuschlagenden Wege zeigt; Hodegetik, Hodegese, Anweisung zum methodischen Studium der Wissenschaften.

Hodeida (Hodêda), türk. Hafenstadt in der arabischen Landschaft Jemen, an der Küste des Roten Meers, mit 25,000 Einw., darunter einige Juden, griechische Bakals, Engländer, Franzosen und Italiener. H. ist Mittelpunkt des Exports von Kaffee, der in großen Pflanzungen bis in die Umgebung von Sana gebaut wird, dann von Häuten, Vieh, Früchten, Perlmutterschalen u. a.

Hödeken ("Hütchen"), Name eines Hausgeistes in Niedersachsen, so genannt nach dem eigentümlichen Spitzhut, ursprünglich s. v. w. Nebelkappe (s. Wodan).