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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hohenlohe

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Hohenlohe.

Marschall und Pair und starb 30. Mai 1829 in Lunéville. Die Regierung seines Landes hatte er schon im November 1806 an seinen Sohn Karl August Theodor abgetreten.

3) Alexander Leopold Franz Emmerich, Prinz von H.-Waldenburg-Schillingsfürst, vielgenannter Wundermann, geb. 17. Aug. 1794 zu Kupferzell bei Waldenburg, war das 18. Kind aus der Ehe des gemütskranken Erbprinzen Karl Albrecht mit der Tochter eines ungarischen Edelmanns, Judith, Freiin von Reviczky. Durch die fromme Mutter bei der Geburt der Kirche geweiht, wurde er nach dem frühen Tod seines Vaters durch den Exjesuiten Riel erzogen, kam 1804 in das Theresianum, 1810 in das erzbischöfliche Seminar zu Wien, dann in das Seminar nach Tyrnau und 1814 nach Ellwangen. 1814 ward er von dem Metropolitanstift in Olmütz zum Domicellar erwählt, erhielt 1815 die Priesterweihe und ward 1817 Priester in München. Hier sowohl als in Bamberg, wo er geistlicher Rat bei dem Generalvikariat geworden war, beschuldigte man ihn des Jesuitismus und Obskurantismus, während das Volk ihn verehrte. Den ersten Versuch einer Wunderkur machte er gemeinschaftlich mit dem Bauer Martin Michel an einer Prinzessin von Schwarzenberg, welche infolge einer Rückgratsverschiebung erlahmt war, jedoch mit Hilfe von Maschinen bereits wieder sitzen und stehen konnte. Als Michel sie "im Namen Jesu und der heiligen Dreifaltigkeit" zum Gehen aufforderte, leistete sie Folge. Dieser Erfolg veranlaßte den Prinzen, nun allein als Wunderthäter aufzutreten, und bald strömten ihm Massen Hilfsbedürftiger zu, von denen er vor allem festen Glauben an die Macht seines Gebets forderte. Unmutig über das Mißlingen vieler Heilungen, begab sich H. 1822 nach Wien und dann nach Ungarn, wo er Domherr zu Großwardein, 1829 Großpropst und 1844 Titularbischof wurde. Er starb 14. Nov. 1849 in Vöslau bei Wien. H. hat zahlreiche geistliche Schriften veröffentliche Vgl. Scharold, Lebensgeschichte Alexanders von H. (Würzb. 1824).

4) Adolf, Prinz von H.-Ingelfingen, geb. 29. Jan. 1797, Sohn von H. 1), nahm am Krieg von 1815 teil, widmete sich teils der Landwirtschaft, teils dem Staatsdienst als Landrat und Landwehroffizier und that sich namentlich bei der Grenzbewachung gegen Polen 1831 hervor. Seine politische Thätigkeit begann er als Marschall des schlesischen Provinziallandtags und auf dem Vereinigten Landtag 1847. Er gehörte 1850 sowohl dem Erfurter Parlament als der preußischen Ersten Kammer an, ging dann ins Herrenhaus über, dessen Präsident er 1856 wurde, und übernahm 11. März 1862 nach dem Rücktritt des liberalen Kabinetts der "neuen Ära" das Präsidium in dem neuen konservativen Ministerium, dessen Leitung er aber schon 23. Sept. d. J. an Bismarck-Schönhausen überließ. Er starb 24. April 1873.

5) Friedrich Karl Joseph, Fürst zu H.-Waldenburg-Schillingsfürst, Sphragistiker und Heraldiker, geb. 5. März 1814 zu Stuttgart, war Generalleutnant und Generaladjutant des Kaisers von Rußland und starb als Senior der fürstlich Hohenlohe-Waldenburgschen Hauptlinie 26. Dez. 1884 zu Kupferzell in Württemberg. Seine Werke, die meist nicht in den Handel gekommen, sind: "Das Hohenlohische Wappen" (im "Archiv für Hohenlohische Geschichte" 1859, Bd. 1); "Sphragistisches Album. Mittelalterliche Siegel der gegenwärtig noch blühenden Geschlechter des hohen deutschen Adels" (Stuttg. u. Frankf. 1859-66, 4 Hefte); "Mittelalterliche Frauensiegel"; "Zur Geschichte des Fürstenbergischen Wappens" (1860); "Der sächsische Rautenkranz" (Stuttg. 1863); "Das heraldische Pelzwerk" (1867; 2. Aufl., das. 1876); "Über den Gebrauch der heraldischen Helmzierden im Mittelalter" (das. 1868); "Dreihundert mittelalterliche Siegel" (Heilbr. 1882). - Als Chef des fürstlichen Hauses folgte ihm Fürst Nikolaus, geb. 1841, der aber schon 23. Okt. 1886 starb, und diesem dessen zweiter Bruder, Fürst Friedrich Karl, k. k. Kämmerer und Sekretär bei der Statthalterei in Zara.

6) Chlodwig Karl Viktor, Fürst zu H.-Schillingsfürst, Prinz von Ratibor und Korvei, deutscher Staatsmann, geb. 31. März 1819 zu Schillingsfürst, zweiter Sohn des Fürsten Franz Joseph und der Fürstin Konstanze, gebornen Prinzessin zu H.-Langenburg, studierte in Göttingen, Heidelberg und Bonn die Rechte, trat 1842 als Auskultator zu Ehrenbreitstein in den preußischen Staatsdienst, weil er als zweiter Sohn auf keinen großen Besitz zu rechnen hatte, wurde dann Referendar in Potsdam und Assessor in Breslau. Da jedoch sein Haus von dem Landgrafen von Hessen-Rheinfels-Rotenburg die Herrschaften Ratibor und Korvei geerbt hatte, welche sein älterer Bruder, Viktor, 1845 als Herzog von Ratibor (s. d.) bekam, so fiel ihm die Herrschaft Schillingsfürst zu, deren Verwaltung er 1846 übernahm. Er trat nun als Standesherr in den bayrischen Reichsrat ein, wo er eine nationale, freisinnige Richtung verfolgte, aber auch als Preußenfreund und Demokrat scheel angesehen wurde. 1849 ging er als Reichsgesandter nach London. 1866, als die schwere Krisis der innern Entwickelung für Deutschland herangekommen war, erfaßte er mit klarem staatsmännischen Blick die politische Lage, welche einen Anschluß an Preußen erforderte. Er ward hierauf 31. Dez. 1866 zum bayrischen Ministerpräsidenten und Minister des Auswärtigen und des königlichen Hauses ernannt. Seine wichtigste Aufgabe war die Frage der deutschen Einheit. H. wollte, wie er 19. Jan. und 8. Okt. 1867 der Kammer erklärte, weder den im Prager Frieden vorbehaltenen und von der partikularistischen Partei in Süddeutschland verlangten Südbund noch den deutschen Einheitsstaat, sondern eine föderative Einigung der süddeutschen Staaten mit dem Norddeutschen Bund zu einem Staatenbund. Er fand bei Durchführung seiner Pläne anfangs weniger Schwierigkeiten bei der Abgeordnetenkammer als bei den Reichsräten, welche sich lange sträubten, den Zollverein und das Zollparlament ohne das liberum veto Bayerns zu genehmigen. Endlich fügten sie sich (Oktober 1867), aber bei den Wahlen zum Zollparlament blieb die nationale Partei in Süddeutschland erheblich in der Minderheit, so daß die Sessionen desselben, bei denen H. zum ersten Vizepräsidenten gewählt wurde, für die Sache der Einigung unfruchtbar blieben. H. machte sich nun einträchtiges Zusammengehen mit dem Norddeutschen Bund zur Richtschnur seiner auswärtigen Politik und erfüllte die durch das Schutz- und Trutzbündnis mit Preußen von 1866 Bayern auferlegte moralische Pflicht, indem durch das Gesetz vom 30. Jan. 1869 das bayrische Heer nach dem Vorbild des preußischen von Grund aus umgestaltet und vermehrt wurde. Als er aber durch ein neues Schulgesetz, welches übrigens am Widerspruch der Reichsräte scheiterte, die Schule von der Kirche trennen wollte und nach der Berufung des vatikanischen Konzils durch ein Rundschreiben vom 9. April 1869 die europäischen Kabinette zu einem gemeinsamen Auftreten gegen die römischen Pläne