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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Holledau - Hollunder.

Tartaros, die Juden seit den Zeiten des Babylonischen Exils Gehenna (d. h. Ge-Hinnom, "Thal Hinnom" bei Jerusalem, wohin das Aas und die Leichen von Verbrechern geworfen wurden). Im Zusammenhang mit der Lehre von der Auferstehung (s. d.) wurde aus dem ursprünglichen Schattenreich nunmehr ein Ort körperlicher Qual, welche bald als äußerster Frost (z. B. Matth. 8, 12), bald als Feuerpein (z. B. Mark. 9, 48 nach Jes. 66, 24) beschrieben wird. Die letztere Vorstellung überwiegt schon im Neuen Testament (Matth. 25, 41; Offenb. 21, 8) und wurde vollends herrschend, seitdem die abendländische Christenheit, gewohnt, in vulkanischen Ausbrüchen das Toben der H. und die Wut der Dämonen zu erleben, die Höllendekoration in steigender Farbenglut den Eindrücken jener Phlegräischen Gefilde entnommen hatte, auf welchen schon Vergil den Eingang zum Hades fand. Das solchergestalt konsolidierte Bild der H., welches den germanischen Völkern die Erinnerung an die Wasserhölle der Edda verwischte, haben am Anfang des 14. Jahrh. Giotto malerisch und Dante poetisch gezeichnet. In diese H. ließ die Kirchenlehre die bei dem Jüngsten Gericht Verdammten zur unaufhörlichen körperlichen und geistigen Pein verstoßen werden, und vor der den Höllenstrafen beigelegten Ewigkeit (s. d.) verschwand nicht bloß die Paulinische Voraussetzung einer definitiven Vernichtung der Bösen, sondern auch die Vorstellung von der Apokatastase (s. d.). Vgl. Delepierre, "L'enfer, essai philosophique et historique" (Lond. 1877).

Holledau (Hallertau), eine Landschaft in Bayern, zwischen den Flüssen Amper, Ilm, Donau und Abens und den Isarhöhen zwischen Moosburg und Landshut, hat einen hügeligen, aus Sand und Lehm gemischten Boden, auf dem der Hopfen vortrefflich gedeiht. Der Anbau desselben hat sich in neuerer Zeit sehr erweitert, so daß eine gute Ernte der H. etwa 12,500 Doppelzentner erträgt, während vor 50 Jahren etwa 50 erzeugt wurden. Auch der Roggen- und Haferbau sowie die Pferdezucht stehen in Blüte.

Höllenbrand (altd. hellebrant), ein dem Höllenfeuer Verfallener; auch der Teufel selbst.

Höllenfahrt Christi. Da die Auferstehung Christi, mit welcher der Anfang seines himmlischen Daseins verbunden gedacht wird, erst 40 Stunden nach seinem Hinscheiden am Kreuz statthatte, beschäftigte man sich früh schon (Eph. 4, 9; 1. Petr. 3, 19) mit der Frage, wo seine Seele gewesen sei, während der Leib im Grab war. Die nachher stehend gewordene und auch in das Glaubensbekenntnis übergegangene Antwort lautete dahin, daß Christus in das Schattenreich, ja in die Hölle herabgestiegen sei und über den Teufel triumphiert, bez. seine Gefangenen erlöst habe. Übrigens ist diese Vorstellung immer widerspruchsvoll geblieben und von der reformierten Kirche eigentlich abgelehnt worden; s. Christologie. - Die bildende Kunst hat dieses Dogma nur selten, gewöhnlich nur in cyklischen Darstellungen (Miniaturen, Holzschnitten, Reliefs, Fresken), behandelt. Aus neuerer Zeit ist nur das Gemälde: Christus in der Vorhölle von Cornelius (Raczynskische Sammlung in der Berliner Nationalgalerie) hervorzuheben.

Höllenfeige, s. Ricinus.

Höllenfliege (Furia infernalis L.), ein sagenhaftes wurmähnliches Tier, welches in den Sumpfgegenden Nordschwedens und Livlands Menschen und Tiere stechen und eine Geschwulst hervorrufen soll, die, wenn nicht sofortige Hilfe erfolgt, den Tod herbeiführt. Offenbar handelt es sich hier um Fälle von Blutvergiftung, wie sie auch sonst wohl in Europa vorkommen. Man hat dieselbe mit Milzbrand in Verbindung gebracht und nimmt an, daß derselbe durch den Stich einer Fliege übertragen wird. Vgl. Keferstein, Naturgeschichte der schädlichen Insekten (Erfurt 1837, Teil 1).

Höllengebirge, Gebirgsgruppe der Salzkammergutalpen, zwischen dem Traunsee und dem Attersee gelegen, südlich durch die zwei Weißenbäche begrenzt, bis 1862 m hoch. Die schönste Aussicht gewährt der Feuerkogl (1622 m), die höchste Spitze des Kranabitsattels. S. Karte "Salzkammergut".

Höllenmaschinen, Vorrichtungen, welche in ihrem Äußern gewöhnlichen Gebrauchsgegenständen gleichen, aber mit Sprengstoffen gefüllt sind, die durch mechanische Vorrichtungen, namentlich durch Uhrwerke, zu bestimmter Zeit zur Explosion gebracht werden. Da ihr unverdächtiges Äußere niemand an Vorsicht denken läßt, hat die heimtückische Art ihrer Wirkungsweise zu ihrem Namen geführt. In frühern Zeiten waren H. namentlich zur See oder auf Flüssen gebräuchlich und bestanden in Schiffen, die, mit Spreng- und Brandstoffen, Bomben, Steinen etc. gefüllt, der ankommenden feindlichen Flotte zugetrieben oder dem Wasserstrom übergeben wurden, um feindliche Schiffe, Brücken, Sperren etc. durch ihre Explosion zu zerstören. Eine Höllenmaschine dieser Art wurde von Gianibelli im April 1585 zur Sprengung der vom Herzog von Parma erbauten Scheldesperre angewendet (vgl. Schillers "Geschichte des Abfalls der Niederlande"). Die Höllenmaschine von Thomas, welche 11. Dez. 1875 in Bremerhaven beim Verladen in das Schiff, das sie auf hoher See zerstören sollte, früher, als beabsichtigt war, explodierte und über 100 Menschen tötete, bestand aus einem Faß, in dessen einer Abteilung sich ein unhörbar gehendes Uhrwerk von acht Tagen Gangzeit befand, welches bei seinem Ablauf durch den Schlag einer Feder ein Zündhütchen entzünden sollte, um eine bedeutende Quantität Dynamit (Nitroglycerin) in der andern Abteilung des Fasses zur Explosion zu bringen. In neuerer Zeit, namentlich durch den amerikanischen Krieg, sind dergleichen Zerstörungsmittel technisch sehr vervollkommt und insbesondere als Torpedos zu einem der wirkungsvollsten Streitmittel des Seekriegs herangebildet worden. S. Torpedo.

Höllenöl, s. Jatropha.

Höllenstein (Lapis infernalis), s. v. w. geschmolzenes und in Stängelchen gegossenes salpetersaures Silberoxyd. Näheres über Herstellung und Verwendung s. Salpetersäuresalze.

Höllenthal, Thal der obern Dreisam im südlichen Teil des Schwarzwaldes, 9 km lang, mit mehreren Wirtshäusern, von denen das Sternenwirtshaus neuerdings als Luftkurort viel besucht wird, und einigen Eisenwerken. Die engste Stelle ist der 1 km lange Höllenpaß mit der schroffen Felsennadel des Hirschsprunges.

Holler (Holder), s. v. w. Holunder.

Holleschau, Stadt in Mähren, an der Eisenbahn Hullein-Bistritz, Sitz einer Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts, hat ein großes Schloß nebst Park, Tuch- und Leinweberei, Spodiumerzeugung, Möbelfabrikation, Handel mit landwirtschaftlichen Produkten und (1880) 5191 Einw.

Hollfeld, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, Bezirksamt Ebermannstadt, an der Wiesent, 394 m ü. M., hat ein Amtsgericht und (1885) 1165 meist kath. Einwohner.

Höllisches Feuer, s. Antoniusfeuer.

Hollunder, s. Holunder.