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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Holowackij; Hölperchen; Holsatia; Holst; Holstebro; Holstein

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Holowackij - Holstein.

einer Holothurie ein halbes Dutzend dieser lästigen Gäste, deren sich der geplagte Wirt nicht erwehren kann. Vgl. Selenka, Beiträge zur Anatomie und Systematik der H. (Leipz. 1867-68); Semper, Reisen im Archipel der Philippinen (das. 1868); Joh. Müller, Über Synapta digitata (Berl. 1852).

Holowackij, Dichter, s. Golowatzkij.

Hölperchen, s. Vaccinium.

Holsatia, lat. Name des Herzogtums Holstein.

Holst, 1) Hans Peter, dän. Lyriker und Romanschriftsteller, geb. 22. Okt. 1811 zu Kopenhagen, machte sich zuerst durch Beantwortung einer poetischen Preisaufgabe (1832) zugleich mit Paludan-Müller bekannt, weckte aber die allgemeine Aufmerksamkeit erst durch das schöne Gedicht, das er beim Tod Friedrichs VI. zu dessen Ehrengedächtnis schrieb. Später hat er sowohl als Dichter wie als Übersetzer den auf ihn gesetzten Hoffnungen Ehre gemacht. Am besten sind ihm Lied und Romanze gelungen, namentlich sein Cyklus "Den lille Hornbläser", eine beliebte Dichtung, welche Episoden aus dem Krieg von 1848 bis 1850 behandelt. Er beherrscht die Form mit ungemeiner Leichtigkeit; auch seine Prosa in Roman und Drama ist ungemein gewählt. Dagegen fehlt es ihm an der eigentlichen Originalität. Von seinen Dichtungen sind zu nennen: "Udvalgte Digte" (1873) und die Erzählungen in Versen: "Fra min Ungdom" ("Aus meiner Jugend", 2. Aufl. 1874), das romantische Drama "Gioacchino" (1844); von seinen Prosaschriften die "Noveller" (1834) und die stimmungsvollen "Sizilaniske Skizzer" (1852). Auch die Reisebilder "Ude og Hjemme" und die von ihm gegründete Zeitschrift "For Romantik og Historie" (1868 ff.) verdienen Erwähnung. H. war 1836-61 Lehrer an der Kadettenakademie, redigierte einige Jahre die "Berlingske Tidende" und wurde 1875 Dramaturg am königlichen Theater.

2) Hermann Eduard von, deutscher Historiker, geb. 19. Juni 1841 zu Fellin in Livland, studierte zu Dorpat und Heidelberg Geschichte, unternahm, nachdem er 1865 am letztgenannten Ort promoviert hatte, mehrere Studienreisen nach Frankreich, Italien, Algerien etc. Da seine 1867 erschienene Broschüre "Das Attentat vom 16. April (1866) in seiner Bedeutung für die kulturgeschichtliche Entwickelung Rußlands" in Petersburg als politisches Verbrechen angesehen wurde und seine Karriere dort unmöglich machte, so entschloß sich H. im Sommer 1867 zur Auswanderung nach den Vereinigten Staaten. Dort begannn ^[richtig: begann] er systematische Studien über die Geschichte und die politischen und sozialen Zustände der Union, war als Korrespondent der "Kölnischen Zeitung" publizistisch thätig und zweiter Redakteur des "Deutsch-amerikanischen Konversations-Lexikons". 1872 ward er als außerordentlicher Professor der Geschichte an die Universität Straßburg, 1874 als ordentlicher Professor der neuern Geschichte nach Freiburg i. Br. berufen. 1876 unternahm er mit Unterstützung der badischen Regierung eine Studienreise nach London, 1878-79 mit einem Reisestipendium der preußischen Akademie der Wissenschaften eine solche nach Nordamerika. Außer einer Schrift über Ludwig XIV. und zahlreichen Aufsätzen in den "Preußischen Jahrbüchern" schrieb er: "Verfassung und Demokratie der Vereinigten Staaten von Nordamerika", 1. Teil: "Staatensouveränität und Sklaverei" (Bd. 1, Düsseld. 1873; Bd. 2-4: "Verfassungsgeschichte seit der Administration Jacksons", das. 1878-84), ein auf gründlichen Studien beruhendes, unparteiisches und ganz neue Gesichtspunkte verfolgendes Geschichtswerk, dessen Stil und äußere Form nur etwas schwerfällig sind, das aber bereits eine englische Übersetzung (Chicago 1877-82) gefunden hat. In Marquardsens "Handbuch des öffentlichen Rechts" bearbeitete er das "Staatsrecht der Vereinigten Staaten" (Freiburg 1885).

Holstebro, Stadt im westlichen Jütland, Amt Ringkjöbing, an der H.-Aa und der Eisenbahn Lunderskov-Langaa, mit (1880) 2559 Einw. Unweit von H. liegt Struer, der Stapelplatz der Stadt.

Holstein (lat. Holsatia), ehemaliges Herzogtum, bildet jetzt den südlichen Teil der preuß. Provinz Schleswig-Holstein (s. d.), zwischen der Elbe, Eider, Trave, Nordsee und Ostsee, und umfaßt die vier alten Landschaften Stormarn, zwischen der Bille, Trave und Stör, Holstein, zwischen der Schwentine, Eider, Gieselau und Stör, Wagrien, zwischen der Schwentine, Trave und der Ostsee, und Dithmarschen, zwischen dem Ausfluß der Elbe und Eider, zusammen 8385 qkm (152,3 QM.) mit ca. 560,000 Einw. Die Herrschaft Pinneberg (mit Altona) und die Grafschaft Ranzau gehörten nicht zum eigentlichen H. Hauptstadt war Glücksburg. Nach der preußischen Besitznahme ist H. in zehn Landkreise und zwei Stadtkreise (Kiel und Altona) geteilt worden.

[Geschichte.] In den ältesten Zeiten wurde H. (Nordalbingia) von Sachsen bewohnt, mit welchen sich an der Nordseeküste friesische Elemente mischten, während das Küstenland im O. wohl erst unter Karl d. Gr. Eindringlingen vom slawischen Stamm der Obotriten anheimfiel. Zuletzt von allen Sachsen unterwarf Karl d. Gr. die Nordalbingier (804); Tausende von ihnen führte er, um ihrem fernern Widerstand vorzubeugen, aus dem Land, setzte an Stelle der sächsischen Fürsten fränkische Grafen ein und begann von Hamburg aus, wo er eine Kirche gründete, das Werk der Bekehrung des Volkes zum Christentum, ein Bestreben, in welchem sein Sohn Ludwig der Fromme mit Eifer und Erfolg fortfuhr. Schon um 830 kann ganz H. als christlich gelten. Zum Schutz des Landes gegen die Einfälle der Dänen gründete König Heinrich I. 934 zwischen Eider und Schlei die Mark Schleswig. Er und sein Nachfolger Otto I. unterwarfen die Slawen in Wagrien, und letzterer stiftete hier zu Oldenburg das erste Bistum in H. Als nach dem Tod Ottos II. 983 die Slawen in plötzlichem Aufstand überall von der deutschen Herrschaft und dem christlichen Glauben abfielen, hatte auch Nordalbingien alle Greuel ihres Fanatismus zu erdulden; doch wenige Jahrzehnte später erscheint Fürst Gotschalk von Wagrien als eifriger Förderer des Christentums. Inzwischen wurde Dithmarschen von den Grafen von Stade, das mittlere H. von den sächsischen Herzögen aus billungischem Haus verwaltet. Als nach dem Aussterben der Billunger Lothar von Supplingenburg 1106 Sachsen erhielt, überließ er die Grafschaft H. an Adolf I. von Schauenburg, ließ sich jedoch bald nach seiner Erhebung zum deutschen König 1126 dazu verleiten, dem dänischen Prinzen und Herzog von Schleswig, Knut, Wagrien zu übertragen, woraus in der Folge den deutschen Landstrichen Holsteins mancherlei Verlegenheiten erwuchsen.

Adolf II. (1128-64, s. Adolf 2) darf zu den bedeutendsten Grafen des schauenburgischen Hauses gerechnet werden; denn mit Hilfe des begeisterten Priesters Vicelin schützte und förderte er das Christentum selbst über seine Grenzen hinaus und bewog den Herzog von Sachsen, Heinrich den Löwen, 1143 ihm Wagrien abzutreten. Dieses Land gewann er dann dem deutschen Volk, indem er nicht allein Holsten, sondern