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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Holzbranntwein - Holzessig.

meren, Käfer von unscheinbarer Färbung und meist geringer Größe, mit cylindrischem, gestrecktem Körper, häufig vom Halsschild bedecktem und in dasselbe zurückziehbarem Kopf, meist elfgliederigen, vor den Augen entspringenden Fühlern und meist fünfgliederigen Tarsen. Die langgestreckten, cylindrischen, weichhäutigen Larven, deren abwärts gekrümmtes Hinterleibsende zwei hornige Endspitzen besitzt, leben teils von Pilzen oder toten tierischen Substanzen (in Sammlungen) oder bohren im lebenden oder toten Holz cylindrische, horizontale Gänge, in denen sie sich zur Verwandlung einen Kokon von Nagespänen anfertigen, und in denen sich auch die entwickelten Käfer am Tag aufhalten, während sie abends hervorkommen und herumfliegen. Der Dieb (Kräuterdieb, Ptinus fur L.), 3 mm lang, rostgelb oder pechbraun, mit tiefen Punktstreifen auf den Flügeldecken, das Weibchen mit weißen Haarflecken vorn und hinten, lebt häufig im Fachwerk alter Häuser; seine grauweiße, behaarte, 4 mm lange Larve mit augenlosem, braunem Kopf, sehr kurzen Fühlern und sechs Beinen richtet in Herbarien und Insektensammlungen Schaden an, umspinnt sich im August mit Nagespänen, verpuppt sich und liefert 14 Tage darauf den Käfer. Hierher gehört auch die Gattung Klopfkäfer (Anobium Fab.). Der Eichenwerftkäfer (Lymexylon navale L.), 13 mm lang, glänzend rostrot, mit schwarzem Kopf, gelbbraunen, schwärzlich gerandeten Flügeldecken (das Männchen fast ganz schwarz), schwärmt bei Sonnenuntergang um alte Eichen und zerstört Eichenholz, besonders auf Schiffswerften.

Holzbranntwein, Branntwein oder Spiritus, der aus einer zuckerhaltigen Flüssigkeit hergestellt ist, welche man durch Behandlung der Holzfaser mit Schwefelsäure erhalten hatte.

Holzbronze, bronziertes und vergoldetes Holz zu Bilderrahmen, Zimmerverzierungen etc., welches man am einfachsten dadurch herstellt, daß man Bronzepulver mit Schellacklösung auf die mit Poliment (s. d.) überzogene und gehörig geglättete Holzfläche aufträgt und poliert, wenn letztere glänzend ausfallen soll.

Holzcellulose, s. Holzstoff.

Holzdiebstahl, s. v. w. Forstdiebstahl, s. Forststrafrecht.

Holzdraht, dünne, drahtähnliche Holzstäbchen, werden aus Holz mit Hilfe eines Hobeleisens hergestellt, dessen schmales Eisen statt der Schneide trichterartige, an der engen Öffnung scharfkantige, dicht unter der Sohle liegende Röhrchen besitzt. Jedes dieser Röhrchen schneidet, indem es mit jener engen Öffnung in das Holz eindringt, ein beliebig geformtes Stäbchen heraus und gleitet auf demselben fort. Man fertigt den H. mit Hilfe von Hobelmaschinen aus leicht spaltendem, langfaserigem Holz von Nadelbäumen und benutzt ihn namentlich zur Darstellung von Zündhölzchen und zu Holzgeweben, indem man ihn mit Garn zusammenflechtet. Diese Gewebe werden hauptsächlich zu Tischdecken, Hüten, Ofenschirmen, Jalousien u. dgl. verbraucht. Eine besondere Gattung sehr dünnen, fadenartigen Holzdrahts kommt als Holzwolle (s. d.) in den Handel.

Holzemme, 1) s. Emme. - 2) Nebenfluß der Bode, von Halberstadt ab Holtemme genannt, entspringt im Harz an der Ostseite des Brockens, am Renneckenberg, schießt in ihrem Oberlauf mit mehreren Fällen über eine schräge Felsenplatte (Steinerne Renne), verläßt bei Wernigerode das Gebirge, fließt in nordöstlicher Richtung an Derenburg und Halberstadt vorüber und mündet unterhalb Groningen nach einem Laufe von 45 km.

Holzer, Joseph, Maler, geb. 20. März 1824 zu Wien, trat 1840 in die Gravierschule der Akademie, wo er den ersten Preis erhielt, und besuchte dann die Landschaftsschule von Thomas Ender und Steinfeld. 1846 bereiste er Deutschland, Belgien und die Schweiz und ging dann 1856 als kaiserlicher Stipendiat auf drei Jahre nach München, wo die damaligen Stimmungslandschaften ihn beeinflußten. Während seines Aufenthalts auf dem gräflich Pálffyschen Schlosse Stampfen in den Karpathen machte die majestätische Poesie der dortigen Urwälder auf ihn einen nachhaltigen Eindruck; aus dieser Zeit datieren daher seine ersten Erfolge. Zu den schönsten seiner Bilder gehören: der stille Waldwinkel (Belvedere zu Wien), die Hirschjagd, eine Partie aus dem Wienerwald, Motiv aus der Ramsau und Motiv aus den Kleinen Karpathen. Seine letzte Arbeit war ein Bildercyklus für den Fürsten von Montenuovo: fünf große Ansichten aus dessen Jagdgebiet. Er starb 17. Jan. 1876.

Holzerde, die aus verfaultem Holz entstandene humusreiche Erde, welche sich in hohlen Bäumen, in Wäldern, auf Holzschlägen, auf Holzplätzen, in Holzschuppen etc. findet und, wenn das Holz völlig verwest ist, zur Erziehung von mancherlei Topfpflanzen und zur Düngung dient.

Hölzernes Gelächter, s. Strohfiedel.

Holzertragstafeln, Tafeln, welche den Massenzuwachsgang normaler Holzbestände für die Verschiedenheiten der Holzarten, Betriebsarten und Standortsklassen von der Jugend bis zum Alter darstellen. Sie dienen den Zwecken der Forsteinrichtung, Waldwertberechnung und Rentabilitätsrechnung und werden vorzugsweise dazu gebraucht, um den Holzvorrat und Holzzuwachs, ferner den künftigen Holzertrag der Bestände zu ermitteln. Außerdem sind sie ein Hilfsmittel der Bonitierung. Brauchbare Ertragstafeln sind veröffentlicht für die Fichte von Baur ("Die Fichte in Bezug auf Ertrag, Zuwachs und Form", Berl. 1877), für die Kiefer von Weise ("Ertragstafeln für die Kiefer", das. 1880), für die Rotbuche von Baur (das. 1881), für die Weißtanne von Lorey (Frankf. 1884), für verschiedene Holzarten von Burckhardt ("Hilfstafeln für Forsttaxatoren", 3. Aufl., Hannov. 1873) und von Preßler ("Holzwirtschaftliche Tafeln", 3. Aufl., Tharandt 1881-82).

Holzessig (Holzsäure), die bei der trocknen Destillation des Holzes auftretende braune, sauer und scharf empyreumatisch riechende und schmeckende, wässerige Flüssigkeit, deren Hauptbestandteil Essigsäure ist. Holz wird behufs der Gewinnung von Holzkohle, Teer und Leuchtgas der trocknen Destillation unterworfen, und in allen diesen Fällen erhält man dieselben Produkte und den H. stets als Nebenprodukt. Hauptprodukt der Holzverkohlung ist bei uns der H. nur selten; in England dagegen, wo der Spiritus so hoch besteuert ist, daß man ihn nicht zur Essigfabrikation benutzen kann, bildet die Holzessigfabrikation einen nicht unwichtigen Industriezweig, und sie ist um so rentabler, als der rohe H. einen dem gewöhnlichen Alkohol sehr ähnlichen Körper enthält (Holzgeist, Methylalkohol), welcher als Ersatzmittel des Spiritus und in der Teerfarbenindustrie hoch verwertet werden kann. Man benutzt zur Holzessigfabrikation viereckige eiserne Kasten, stehende oder liegende Cylinder, erhitzt in diesen das Holz sehr langsam und leitet die Destillationsprodukte zur Abkühlung und Kondensation durch ein Röhrensystem. Die entweichenden Gase haben geringen Brennwert und werden in die Feuerung geleitet. Die Ausbeute variiert