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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Holzschnitt; Holzschnitzerei; Holzschuh; Holzschuhe; Holzschuher

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Holzschnitt - Holzschuher.

Verwendung findet, strebt bei feinster Durchführung nach vollster malerischer Wirkung, welche mit der des Originals, allerdings bis zu völliger Verleugnung der der H. eigentümlichen Technik, wetteifert. Der französische Holzschnitt zeichnet sich durch malerischen Effektreichtum und künstlerische Wirkung, der deutsche durch Gewissenhaftigkeit der Durchführung und Solidität der Technik aus. Diese Unterschiede charakterisieren aber ebensosehr die Zeichnung wie den Holzschnitt selbst; es sind damit die bezüglichen englischen, französischen und deutschen Zeichner ebensowohl wie die betreffenden Holzschneider gekennzeichnet. Doch haben sich diese Unterschiede neuerdings verwischt: überall steht das Streben nach koloristischer Wirkung, die man mit den raffiniertesten Mitteln zu erreichen sucht, obenan. In England sind als die vorzüglichsten Holzschnittzeichner William Harvey, George Cruikshank, John Gilbert und Forster, in Frankreich Grandville, Gavarni, Tony Johannot, Horace Vernet und Gustave Doré, in Deutschland Adolf Menzel, Neureuther, Ludwig Richter, Ille, L. Burger, B. Vautier, A. v. Werner, Thumann, W. Friedrich, Grot-Johann zu nennen, denen sich das Heer der Illustratoren anschließt.

Es bleibt jetzt nur noch übrig, die hauptsächlichsten modernen Holzschneider in den verschiedenen Ländern zu nennen. England: Ch. und J. Thompson, Williams, Masom, Wright, Byfield, Or. Smith, Linton, Cears, J. und M. Jackson, Dalziel, Carter, Landells, Harrison, Vixetelly, Bastin, W. J. Palmer, Fromant, C. Roberts, R. Taylor etc.; Frankreich: Best, Leloir, Hotelin, Regnier, Lacoste, Brivière, Brugnot, Porret, Graf von Laborde, Dujardin, Gérard, Bernard, Fauchéry, Hébert, Bréval, Chauchefoin, A. Legère, Pannemaker (Sohn), Baude, Thiriat, Grenier; Deutschland: zunächst Gubitz und Unzelmann in Berlin, der, wie Bewick für die Regeneration des modernen Holzschnitts überhaupt, so speziell für die des deutschen gewirkt hat. An ihn schließen sich als seine Schüler an: die Gebrüder A. und O. Vogel in Berlin, Ed. Kretzschmar und W. Georgy in Leipzig; außerdem sind zu erwähnen: Braun u. Schneider und Knesing in München, Paar, Hecht in Wien, H. Bürkner und A. Gaber in Dresden, H. Lödel in Göttingen, G. Flegel, Berthold, H. Käseberg, K. Örtel in Leipzig, H. Müller, R. Bong, G. Heuer in Berlin, A. Cloß, Allgaier und Siegle in Stuttgart, Brend'amour in Düsseldorf, M. Klinkicht in Freiburg i. Br. u. v. a.; Nordamerika: Th. Cole, W. J. Linton, G. Krüll, F. Juengling, J. A. Bogert, H. Baker, W. H. Redding, Heinemann, Hoskin, Th. Johnson, W. B. Clossen, D. Nichols u. a. Aus andern Ländern sind zu erwähnen: A. Brown, welcher im Haag und in Antwerpen große Holzschneideschulen gründete, aus denen tüchtige Künstler, wie Vermorken, Bosquet, Pannemaker (Vater) etc., hervorgingen; ferner Fabris, Balbiani, Ratti u. a. in Italien.

Litteratur. Die besten Quellen für die Geschichte der H. sind zunächst die in den Kupferstichkabinetten enthaltenen Originalwerke älterer und neuerer H., sodann die Spezialwerke über einzelne Fragen, z. B. Spielkarten, Totentänze etc., namentlich auch Bartsch' "Peintre-graveur". Von ältern allgemeinen historischen Werken über die H. sind die von Fournier le Jeune (Par. 1756), Papillon (das. 1766), Heineken (Leipz. 1771), Jansen (Par. 1808) erwähnenswert; das erste umfassendere kritische Werk ist Hellers "Geschichte der H." (Bamb. 1822); vgl. ferner Ottley, An inquiry into the origine and early history of engraving upon copper and on wood etc. (Lond. 1846); Chatto, Treatise on wood engraving, historical and practical, mit Holzschnitten von J. Jackson (das. 1852, neue Ausg. 1861); Schasler, Schule der H. (Leipz. 1866); H. Delaborde, Histoire de la gravure (populär, auch den Kupferstich behandelnd, Par. 1882); Woodberry, History of wood engraving (Lond. 1883); T. O. Weigels und Zestermanns Prachtwerk "Die Anfänge der Druckerkunst" (Leipz. 1866, 2 Bde.) und "Holzschnitte des 14. und 15. Jahrhunderts im Germanischen Museum", mit 164 Tafeln (Nürnb. 1875, 2 Bde.). Für die Geschichte der neuern H. sind zu nennen: H. Lücke, Bilderalbum zur neuern Geschichte des Holzschnitts (Leipz. 1877); F. Lipperheide, Mustersammlung von Holzschnitten aus englischen, nordamerikanischen, französischen und deutschen Blättern (Berl. 1885); "Die vervielfältigende Kunst der Gegenwart" (hrsg. von Lützow, Wien 1886 ff.). Wichtige Beiträge zur Geschichte der H. lieferten außerdem Sotzmann, Rumohr, R. Weigel, Passavant, His, A. Tonnellé, Fr. Lippmann, W. v. Seydlitz, Conway u. a. Für das Technische vgl. Hering, Anleitung zur H. (Leipz. 1873); A. de Lostalot, Les procédés de la gravure (Par. 1882); Linton, Wood engraving (Lond. 1884).

Holzschnitt, s. Holzschneidekunst.

Holzschnitzerei, s. Holzbildhauerei.

Holzschuh, Dietrich (auch Tile Kolup genannt), einer der falschen Friedriche, welche sich für den 1250 gestorbenen deutschen Kaiser Friedrich II. ausgaben. Er trat um 1283 zuerst in Köln auf; als er indes hier keinen Anhang fand, wandte er sich nach Neuß, wo er zwei Jahre sein Wesen trieb und von dem abergläubischen Volk, das von ihm Erlösung von dem Druck der Fürsten hoffte, freudig anerkannt wurde. Er wagte es sogar, Rudolf von Habsburg vor seinen Thron zu laden, um denselben als König zu belehnen, und trat für die Friesen ein, welche damals von dem Grafen von Holland bedrängt wurden. Zauberkünste und Wunderthaten wurden ihm zugeschrieben. Als König Rudolf 1285 wegen einer Einkommensteuer, die er mehreren Städten auflegte, mit diesen in Streit geriet, begab sich H., um dem Schauplatz des Kampfes näher zu sein, nach Wetzlar, wo er mit großem Pomp einzog. Als aber Rudolf herbeieilte, unterwarf sich Wetzlar und gab H. preis, der am 7. Juli 1285 als Ketzer verbrannt wurde. Vgl. V. Meyer, Tile Kolup (Wetzlar 1868).

Holzschuhe (franz. Sabots), aus Fichten-, Birken- und Nußbaumholz, weniger aus Buchenholz gearbeitete Schuhe, werden in Frankreich, besonders im Departement der Lozère, also in den Cevennen, hergestellt und fast im ganzen Land bei landwirtschaftlichen Arbeiten und in Fabriken von den Arbeitern getragen. Neben der gewöhnlichen Ware werden für den Gebrauch in Städten feinere, besonders in den Städten Marvejols, Mende, Villefort, zum Teil sehr reich und geschmackvoll dekoriert hergestellt. Die jährliche Produktion beziffert sich auf 564,000 Paar. Auch in Holland und im nordwestlichen Deutschland werden H. hergestellt, aber wesentlich nur für den lokalen Bedarf.

Holzschuher (von Harrlach), Rudolf Christoph Karl Siegmund, Freiherr, geachteter Jurist, geb. 22. Jan. 1777 in der damaligen freien Reichsstadt Nürnberg aus altem Patriziergeschlecht, studierte in Altdorf und Jena die Rechte, widmete sich dann in seiner Vaterstadt der Advokatur und wurde 1802 zum Syndikus, 1805 zum Ratskonsulenten ernannt. Nach dem Übergang Nürnbergs an die Krone Bayern (1806) bewirkte er die Erhebung der Nürnberger Staats-^[folgende Seite]