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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Honorarprofessor; Honorat; Honoration; Honoratioren; Honores mutant mores; Honoria; Honorieren; Honoris causa; Honorius

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Honorarprofessor - Honorius.

akademischen Lehrer, Ärzte, Advokaten und Privatlehrer, entrichtet wird. Über die Höhe desselben entscheidet die darüber getroffene Vereinbarung, im Zweifel die Angemessenheit und Üblichkeit. Für die Gebühren der Ärzte und Anwalte sind regelmäßig besondere Taxen aufgestellt.

Honorarprofessor, s. Professor.

Honorat (lat.), oberer Ordensgeistlicher; im Wechselverkehr, s. Honorant.

Honoration (lat.), Annahme und Einlösung (Honorierung) eines Wechsels.

Honoratioren (lat., "die Geehrtern"), in kleinern Orten die vornehmern und angesehenen Einwohner, s. v. w. Hautevolee.

Honores mutant mores (lat.), "Ehren ändern die Sitten", d. h. erhöhter Rang verändert das Betragen.

Honoria, Justa Grata, Tochter des röm. Kaisers Constantius und der Placidia, Schwester Kaiser Valentinians III. (425-455 n. Chr.), ward in früher Jugend mit der Würde einer Augusta bekleidet, damit sie durch ihren hohen Rang von Eingehung einer Ehe abgehalten würde, gab sich aber ihrem Kämmerer Eugenius hin und ward deshalb zu Konstantinopel in klösterlicher Abgeschiedenheit gehalten. Als sie aber, wie die Sage erzählt, dem Hunnenkönig Attila durch Übersenden eines Ringes ihre Hand anbot und dieser hierauf um 450 von Valentinian H. zur Gattin und die Herrschaft Roms als Mitgift begehrte, ward H. zum Schein mit einem unbedeutenden Höfling verehelicht und in Italien lebenslänglich eingekerkert.

Honorieren (lat.), ehren; Ehrenlohn (Honorar) zahlen; im Wechselverkehr s. v. w. einen Wechsel annehmen, bezahlen. S. Honorant.

Honoris causa (lat.), ehrenhalber.

Honorius (röm. Name, "der Geehrte"), Flavius, erster weström. Kaiser, Sohn des Kaisers Theodosius I., geb. 384 n. Chr., erhielt, schon 393 zum Augustus ernannt, nach seines Vaters Tod (17. Jan. 395) unter der Vormundschaft Stilichos, dessen Tochter Maria er 398 heiratete, das sogen. abendländische (weströmische) Reich (welches außer Italien, Gallien, Britannien, Spanien und Afrika auch Dalmatien, Noricum, Pannonien und Rätien umfaßte), während sein Bruder Arcadius den Thron des morgenländischen (oströmischen) Reichs bestieg. Solange Stilicho an der Spitze der Regierung stand, wurde durch dessen Tüchtigkeit das Ansehen des Reichs nicht ohne glücklichen Erfolg aufrecht erhalten. So wurde durch ihn 396 ein Einfall der Westgoten unter Alarich in Griechenland und 403 ein Einfall derselben in Italien zurückgeschlagen, und ein Heer von Vandalen, Sueven, Alanen und Burgundionen, welches sich über Italien ergoß, wurde 406 durch einen großen Sieg bei Fäsulä fast völlig vernichtet. Indessen konnte auch er nicht verhindern, daß sich 407 in Britannien ein dortiger Feldherr, Constantinus, unabhängig machte, der sich bis 411 behauptete und seine Herrschaft über einen Teil von Gallien und Spanien ausbreitete, und daß in demselben Jahr, in welchem die genannten Völker bei Fäsulä geschlagen wurden, ein andrer Bestandteil derselben Völker in Gallien eindrang und sich eines Teils desselben, später auch eines Teils von Spanien bemächtigte. Als aber Stilicho 408 durch eine Palastintrige gestürzt und ermordet worden, wurde Rom 408 von Alarich belagert und genötigt, für seine Rettung ein schweres Lösegeld zu zahlen, und 410 wurde es von ihm erobert und der Plünderung preisgegeben. Alarich starb gegen Ende dieses Jahrs, und sein Schwager und Nachfolger Athaulf schloß mit H. Frieden, führte seine Westgoten über die Alpen und eroberte eine Anzahl Städte des südlichen Gallien, starb aber 415, worauf ihm Wallia folgte, der als der eigentliche Gründer des westgotischen, das südliche Gallien und einen Teil Spaniens umfassenden Reichs angesehen wird. Hierdurch wurde Italien von den Westgoten befreit und gewann einige Frist zu seiner Erholung, wogegen jenseit der Alpen und in Afrika die Verwirrung durch die Kämpfe der verschiedenen Völker untereinander und durch immer neu erstehende Empörungen bis zu Ende der ruhmlosen Regierung des H. fortdauerte. Derselbe starb 27. Aug. 423 in Ravenna, wohin er schon 403 der größern Sicherheit wegen seine Residenz verlegt hatte.

Honorius, Name von vier (fünf) Päpsten: 1) H. I. aus Kampanien gebürtig, ward 625 erwählt, erbaute viele prächtige Kirchen und erhob das Bistum York zum Erzbistum, stiftete auch das Fest der Kreuzeserhöhung; starb 12. Okt. 638. Weil er in den monotheletischen Streitigkeiten die Ansicht des Patriarchen Sergius von Konstantinopel von Einem Willen gebilligt, wurde er auf dem Konzil zu Konstantinopel (680) als Ketzer verdammt. Vgl. Hefele, H. und das sechste allgemeine Konzil (Tübing. 1870); Derselbe, Causa Honorii papae (Neapel 1870; deutsch, Münst. 1870).

2) H. (II.), eigentlich Peter Cadalus, Bischof von Parma, ward 1061 unter dem Einfluß deutscher Großen als Gegenpapst Alexanders II. zu Basel gewählt und zog 1062 in Rom ein. Nachdem aber Anno von Köln die Reichsverwaltung (1062) übernommen, ward H. von den deutschen Fürsten auf der Synode zu Augsburg aufgegeben und 31. Mai 1064 förmlich abgesetzt. Er starb 1072, ohne auf seine Würde verzichtet zu haben. Als Gegenpapst wird er in der Reihe der Päpste nicht mitgezählt.

3) H. II., eigentlich Lambert von Fagnano, aus der Gegend von Bologna gebürtig, ward Bischof von Velletri, dann Kardinalbischof von Ostia und 1124 als Calixtus' II. Nachfolger Papst; starb 14. Febr. 1130. Er bestimmte die deutschen Fürsten zur Wahl Lothars von Sachsen als Kaiser, der sich von ihm die Bestätigung seiner Würde erbat, und vermochte diesen, die völlig freie Wahl der Bischöfe und ihre Belehnung mit den Regalien nach der päpstlichen Bestätigung zuzugestehen. Weniger glücklich war er gegen den Grafen Roger von Sizilien, der die päpstlichen Lehen Apulien und Kalabrien an sich riß.

4) H. III., eigentlich Cencio Savelli, aus Rom gebürtig, ein milder, versöhnlicher Mann, ward 1216 Nachfolger Innocenz' III., krönte den Kaiser Friedrich II. und gestattete auch die Wahl Heinrichs, des Sohns desselben, zum deutschen König, obwohl Friedrich dem Papst Innocenz versprochen hatte, demselben Sizilien zu überlassen. Dagegen bemühte er sich vergeblich, das Gelobte Land durch einen neuen großen Kreuzzug zu befreien. Seine Mahnschreiben an die Könige und Fürsten blieben erfolglos, und sein Verhältnis zu Friedrich II. wurde sehr gespannt, als dieser den versprochenen Zug nach Palästina immer wieder verzögerte. Er war ein großer Freund der Bettelmönchsorden, bestätigte 1216 den der Dominikaner und 1223 den der Franziskaner. Er erteilte zuerst bei der Kanonisation Ablaß; starb 18. März 1227. Er schrieb angeblich: "Conjurationes adversus principem tenebrarum" (Rom 1629).

5) H. IV., eigentlich Giacomo Savelli, war erst Kanonikus zu Châlons sur Marne, dann Kardinal,