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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Horizontal; Horizontale Gliederung; Horizontalkreis; Horizontaluhr; Horkios; Hörmaschinen; Hormayr

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Horizontal - Hormayr.

Radius der kugelförmig angenommenen Erde, B ist das Auge eines Beobachters in der Höhe AB = h über der Erdoberfläche. In diesem Fall ist

C D = 2r/(r+h) √h(2r+h)

der Durchmesser des vom Beobachter übersehenen Preises, des sogen. natürlichen Horizonts. Die Linie vom Auge nach einem Punkt auf dem Umfang dieses Kreises ist nicht mehr horizontal, sondern bildet mit der Horizontalen B H den nach unten gerichteten Winkel HBC = d, die sogen. Depression des Horizonts oder Kimmtiefe, welche durch die Formel

tan d = √h(2r+h) / r

bestimmt ist und folgende Werte hat:

h d

1 m 1' 47"

2 m 2' 31"

3 m 3' 5"

4 m 3' 33"

4^[richtig: 5 m] 3' 59"

6 m 4' 21"

7 m 4' 42"

8 m 5' 2"

9 m 5' 20"

10 m 5' 38"

11 m 5' 54"

12 m 6' 10"

13 m 6' 25"

14 m 6' 39"

15 m 6' 53"

16 m 7' 7"

17 m 7' 20"

18 m 7' 33"

19 m 7' 45"

20 m 7' 57"

In der Meßkunst heißt H. s. v. w. Niveau (s. d.).

^[Abb.: Fig. 2. Geometrische Konstruktion.]

Horizontal (griech., wage- oder wasserrecht), dem Horizont eines Ortes parallel, also rechtwinkelig gegen die durch das Bleilot angegebene vertikale Richtung. Deshalb bedient man sich oft des Bleilots zur Bestimmung der horizontalen Ebene, z. B. bei der Setzwage; bei feinern Instrumenten aber, z. B. bei den astronomischen, dient heutzutage die Wasserwage (Libelle oder Niveau) zu diesem Zweck. Horizontalen oder Niveaukurven heißen in der Geodäsie die Linien gleicher Erhebung über dem Meeresspiegel.

Horizontale Gliederung, s. Gliederung der Kontinente.

Horizontalkreis, s. Hof, S. 605.

Horizontaluhr, s. Sonnenuhr.

Horkios (griech.), Beiname des Zeus als des Gottes, der über die Heiligkeit der Eide wacht.

Hörmaschinen (Hörrohre), Werkzeuge, welche den Zweck haben, das aus irgend einem Grund geschwächte Gehör zu unterstützen. Sie sollen die auf das Ohr fallenden Schallwellen sammeln und in entsprechender Richtung in den äußern Gehörgang leiten. Banzer hat eine Ohrklemme angegeben, welche dem äußern Ohr eine solche Stellung gibt, daß es in einem Winkel von wenigstens 40° vom Kopf absteht; derselbe Zweck wird noch besser durch das sehr vorteilhaft von Webster konstruierte Otaphon ^[richtig: Otophon] erreicht. Fehlt das äußere Ohr ganz, so ersetzt man es durch eine künstliche Ohrmuschel, die am besten aus Metallblech getrieben und emailliert wird und die entweder durch ein im Gehörgang steckendes Röhrchen oder durch eine über dem Scheitel weggehende elastische Stahlfeder befestigt wird. Bei zu engem Gehörgang wendet man Schallleitungsröhren an, wie sie von Larrey und Lincke angegeben sind. Bringt man in einem solchen Röhrchen ein Goldschlägerhäutchen an, so schützt es, falls das Trommelfell zerstört ist, das Mittelohr vor nachteiligen äußern Einflüssen. Durch die Schallfänger oder Hörschalen wird die Oberfläche des äußern Ohrs vergrößert, so daß eine größere Menge von Schallwellen aufgefangen und in den Gehörgang geleitet werden kann. Hierher gehören die sogen. spanischen Ohren, die aus natürlichen Muschelschalen angefertigt werden. Lincke versah zu diesem Zweck Websters Otaphon ^[richtig: Otophon] mit einem um das ganze Ohr herumgehenden und 2-5 cm nach vorn über dasselbe hervorragenden konkaven Schirm. Die Ohrkapseln verdecken das Ohr und bilden eine Höhle, wodurch ein oft lästiges Brausen erzeugt wird; besser sind die Ohrtrichter, kleine, konkave, elliptisch oder trichterförmig ausgeschlagene Metallschalen, die in ihrer Tiefe mit einem kurzen, geraden oder mit einem langen, spiralförmig gewundenen, engen Zuleitungsrohr versehen sind. Die Hörrohre werden aus verschiedenen Materialien, am besten aus verzinntem Eisenblech oder Silber, so konstruiert, daß sie mehr Schallwellen auffangen und diese so vereinigen, daß daraus eine verstärkte Wirkung auf das Gehörorgan erzielt wird. Um dies zu erreichen, hat man den Apparaten bald diese, bald jene Form gegeben. Bis jetzt aber fehlt es noch an einem genügenden theoretischen Prinzip für die Konstruktion solcher Apparate, weshalb man darauf angewiesen ist, durch Versuche die für den Leidenden passendste Form auszuwählen. Im allgemeinen kann man aber annehmen, daß die gewundenen Formen vorzüglich für gewisse Arten von Taubheit passen, namentlich für die der Greise, indem durch sie ein fortgesetztes Sausen oder Brausen hervorgebracht wird, welches wohlthätig auf die Gehörnerven wirkt. Bei geringen Graden der Taubheit und in den Fällen, wo die Kranken an Ohrentönen jeglicher Art leiden, muß die Resonanz der Instrumente eingeschränkt werden, indem man die Röhre kürzer und den Eingang enger machen läßt und statt der Trompeten-, Posthorn- oder Schneckenform lieber einen Kegel, eine Halbkugel oder die Form der Tierhörner wählt. Auch muß in diesem Fall ein weniger klingendes Material, z. B. Holz, Horn, Elfenbein etc., zur Verfertigung benutzt oder das Instrument mit einem weichen, den Schall dämpfenden Stoff, z. B. Tuch, baumwollenem Zeug, überzogen werden. Um den Ton weniger intensiv zu machen, kann man auch in der Höhlung des Rohrs häutige Wände quer ausspannen lassen, welche gleichsam ein Trommelfell vorstellen und die Schallwellen modifizieren. Straceys Hörrohr ist so eingerichtet, daß es den Schwerhörenden die Töne zugleich durch das äußere Ohr und die Eustachische Röhre zuführt, zu welchem Zweck von dem eigentlichen Hörrohr ein elastischer Schlauch ausgeht, der zwischen die Zähne genommen wird, während man die Mündung des Rohrs in das Ohr steckt. Von den zusammengesetzten Apparaten, die teils in der Hand gehalten, teils, wie eine Mütze, auf dem Kopf oder auf der Brust getragen werden, ist der holländische Hörkelch und besonders ein von Arnemann konstruiertes Hörrohr zu nennen; andre Apparate, wie die Hörstühle von Quet und Curtis, streifen schon stark an das Gebiet der Charlatanerie.

Hormayr, Joseph, Freiherr von, österreich. Historiograph, Enkel des Tiroler Kanzlers Freiherrn Joseph von H. (geb. 1705, gest. 1779), geb. 20. Jan. 1782 zu Innsbruck, studierte daselbst seit 1794 die Rechte, trat 1797 in den Justizdienst und diente 1799 und 1800 in der Tiroler Landwehr, zuletzt als Hauptmann. 1802 ward er zu Wien im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten angestellt, 1803 zum Hofsekretär ernannt und zugleich mit der Direktion