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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hoyer; Hoyerswerda; Hoym; Hpp.; Hrabanus Maurus; Hradisch; Hradschin; Hroswitha

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Hoyer - Hroswitha.

von H. stammten von Heinrich I., Grafen von Stumpenhausen, ab, der 1204 die Herrschaft Hodenberg eroberte und von der Burg H. den Grafentitel annahm. 1290 und wiederum 1324 teilten sie sich in die Linien H. und Nienburg, von denen jene die sog. Niedere, diese die Obere Grafschaft besaß. Beide erloschen 1503, resp. 1582, worauf die Grafschaft als Reichslehen unter die Linien des welfischen Hauses verteilt wurde. Von dem Amte Thedinghausen, welches 1648 an Schweden fiel, 1679 aber an Braunschweig-Wolfenbüttel 1681 einen Teil mit dem Flecken Thedinghausen. Vgl. Hüne, Geschichte der Grafen von H. ("Hannöversches Magazin" 1832 und 1842); "Hoyer Urkundenbuch" (hrsg. von Hodenberg, Hannov. 1855 bis 1856, 2 Bde.). - Der gleichnamige Flecken und Reichshauptort, an der Weser und an der Eisenbahn H.-Eistrup, hat ein Amtsgericht, ein Schloß, eine evang. Pfarrkirche, Branntweinbrennerei, Essig-, Senf- und Zigarrenfabrikation, eine Dampfdrechslerei und (1885) 1983 Einw.

Hoyer, Flecken in der preuß. Provinz Schleswig-Holstein, Kreis Tondern, unweit der Mündung der Widau in das Wattenmeer, hat einen kleinen Hafen mit täglicher Verbindung nach Sylt, eine Tabaksfabrik, Wollspinnerei und (1885) 1010 ev. Einwohner.

Hoyer, Johann Gottfried von, Militärschriftsteller, geb. 9. Mai 1767 zu Dresden, trat in königlich sächsische Kriegsdienste, ward 1809 für die Verteidigung Wittenbergs gegen den Major Schill Major und 1810 Oberstleutnant; trat 1814 als Oberst in das preußische Ingenieurkorps, nahm am Feldzug von 1815 teil, wurden dann Brigadier der pommerschen und märkischen Festungen, 1818 Generalmajor und Inspekteur der Pioniere und Festungen in Pommern und Preußen; 1825 wurde er in den Ruhestand versetzt, lebte dann in Halle und starb 7. März 1848. Er schrieb "Handbuch der Pionierwissenschaft" (Leipz. 1793-94, 2 Bde.; 2. Aufl. 1830); "Geschichte der Kriegskunst seit der ersten Anwendung des Schießpulvers" (Götting. 1797-1800, 2 Bde.); "Neues militärisches Magazin" (Leipz. 1794-1805); "Allgemeines Wörterbuch der Artillerie" (Tübing. 1804-1812, 2 Bde.); "Allgemeines Wörterbuch der Kriegsbaukunst" (das. 1817-18, 2 Bde); "Befestigungskunst und Pionierdienst" (das. 1832); "Litteratur der Kriegswissenschaften und Kriegsgeschichte" (das. 1831-40, 2 Bde.) u. a.

Hoyerswerda, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Liegnitz, an der Schwarzen Elster und er Linie Kohlfurt-Falkenberg der Preußischen Staatsbahn, 138 m ü. M., hat ein Amtsgericht, Schuhmacherei und Weberei und (1885) 2720 mist evang. Einwohner, Dicht dabei Burglehn mit Schloß und der Pfarrkirche für H.

Hoym, Stadt im Herzogtum Anhalt, Kreis Ballenstedt, an der Selke, 134 m ü. M., mit dem ehemaligen Residenzschloß der 1812 im Mannesstamm erloschenen Linie Anhalt-Schaumburg-H. (jetzt Landessiechenanstalt), hat eine Zuckerfabrik und (1885) 2989 evang. Einwohner. Der letzte Herzog der Anhalt-Bernburger Linie residierte 1855-63 in H.

Hoym, 1) Karl Georg Heinrich, Graf von, preuß. Staatsmann, geb. 20. Aug. 1739 zu Poblotz in Hinterpommern, studierte zu Frankfurt a. O., ging 1761 zum Militär über, blieb aber nicht lange dabei, sondern widmete sich dem Finanzfach. Schon 1762 wurde er Kriegs- und Domänenrat, 1767 Geheimrat und zweiter Kammerdirektor. 1768 lernte ihn Friedrich d. Gr. selbst kennen und ernannte ihn 1769 zum Regierungspräsidenten in Kleve und 1770 zum dirigierenden Minister in Schlesien, um welches sich H. sehr verdient machte. Friedrich Wilhelm II. erteilte ihm 1786 die Grafenwürde und betraute ihn 1793 auch noch mit der Verwaltung des neuerworbenen Südpreußen; hier gab H. durch büreaukratischen Despotismus sowie schlechte Verwaltung und Verschleuderung des Staatsguts großen Anstoß und veranlaßte das Schwarze Buch von Held (s. Held 2). Nach dem Tilsiter Frieden wurde H. quiesziert und starb 22. Okt. 1807 auf seiner Besitzung in Dyhernfurt bei Breslau.

2) Anna Konstanze, Gräfin von H. s. Cosel.

Hpp., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für D. H. Hoppe, s. Hopp.

Hrabanus Maurus (Rhabanus M.), hervorragender Gelehrter des 9. Jahrh., geb. 776 zu Mainz, erhielt seine Erziehung im Benediktinerkloster zu Fulda und bildete sich sodann zu Tours unter Alkuin. 804 nach Fulda zurückgekehrt, gründete er daselbst eine Klosterbibliothek und die erste Klosterschule in Deutschland, aus der bald berühmte Männer, z. B. Walafried Strabo, Otfried u. a., hervorgingen. 822 ward er zum Abt des Klosters erhoben, legte jedoch 842 dies Amt nieder und zog sich in die Abtei St. Peter zurück, ließ sich aber von König Ludwig dem Deutschen bestimmen, 847 das Erzbistum von Mainz zu übernehmen. Er starb 4. Febr. 856 zu Winkel in Rheingau. H. hat einen bedeutenden Einfluß auf die Bildung der Deutschen ausgeübt. Er umfaßte alle damals bekannten Wissenschaften, wenn er sie auch nicht durch eigne Forschung weiter brachte; er drang zuerst darauf, daß in deutscher Sprache gepredigt, und daß zur Begründung eines gründlichen Studiums der Bibel auch die griechische Sprache in Deutschland gelehrt würde. Sein lateinisch-deutsches Glossarium zur heiligen Schrift (abgedruckt in Graffs "Diutiska", 3. Bd.) ist für die Geschichte der deutschen Sprache von Bedeutung. Die merkwürdigste seiner Schriften ist: "De Universo libri XXII, sive Etymologiarum opus", eine Art von Encyklopädie der damaligen Zeit. Eine (freilich sehr unvollständige) Ausgabe seiner Schriften besorgte G. Colvenerius (Köln 1627, 6 Bde.). Vgl. Bach, H., der Schöpfer des deutschen Schulwesens (Fulda 1835); Kunstmann, H. (Mainz 1841); Spengler, Lebens des heil. Rhabanus Maurus (Regensb. 1856); Die Programme von Köhler ("Rhabanus Maurus und die Schule zu Fulda", Chemn. 1870) und Richter (Malchin 1882).

Hradisch (Ungarisch-H.), Stadt mit eignem Gemeindestatut in Mähren, in sehr fruchtbarer Gegend an der March und der Nordbahn, von welcher hier eine Lokalbahn nach Ungarisch-Ostra führt, ist Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, eines Kreisgerichts, einer Finanzbezirksdirektion und eines Hauptsteueramtes, hat ein deutsches Realobergymnasium und ein tschechisches Untergymnasium, ein stattliches Rathaus, einen Franziskanerkonvent, eine Bierbrauerei, Malz- und Zuckerfabrik, bedeutende Getreide- und Viehmärkte, Weinbau und (1880) 3659 Einw. (darunter 488 Juden). - H. war bis 1780 eine Festung, die 1469 bis 1473 durch Matthias Corvinus von Ungarn vergeblich belagert wurde. Westlich von H. das Dorf Altstadt mit (1880) 2916 Einw. Hier stand einst die Hauptstadt des großmährischen Reichs, Wellehrad, 908 von den Ungarn vollständig zerstört.

Hradschin, s. Prag.

Hroswitha (Hrosuith, Hruodswitha, gewöhnlich Roswitha), bedeutendste neulatein. Dich-^[folgende Seite]