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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hübner

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Hübner.

Stephanus vor dem Hohen Rat, Hagar mit Ismael u. der (1869 verbrannte) Vorhang für das Dresdener Hoftheater (von seinem Sohn Eduard H., geb. 1842, für Leipzig wiederholt). Hübners Bilder sind von anmutiger Form und Farbengebung. Sie spiegeln die Entwickelung der Düsseldorfer Schule von den sentimental-romantischen Anfängen bis zur historischen Auffassung wider, fesseln jedoch mehr durch Sorgfalt der Ausführung als durch Genialität und Kraft der Darstellung. H. war auch schriftstellerisch thätig. Sein Katalog der Dresdener Galerie (5. Aufl. 1880) enthält eine schätzenswerte historisch-kritische Einleitung. Er gab ferner heraus: "Bilderbrevier der Dresdener Galerie" (2. Aufl., Dresd. 1857; zweite Folge 1859); eine Übersetzung ausgewählter Sonette Petrarcas (Berl. 1868) und eine Sammlung eigner Gedichte "Helldunkel", Braunschw. 1871; zweite Folge 1876). - Sein Sohn Hans, geb. 13. Okt. 1837, starb 14. Juli 1884 als ordentlicher Professor der Chemie in Göttingen.

3) Joseph Alexander, Freiherr von, österreich. Diplomat, geb. 26. Nov. 1811 zu Wien, führte ursprünglich den Namen Hafenbredl, den er später mit H. vertauschte, studierte daselbst und ward seit 1833 in Metternichs Staatskanzlei beschäftigt. 1837 ging er als Gesandtschaftsattaché nach Paris, 1841 als Gesandtschaftssekretär nach Lissabon, und 1844 wurde er Generalkonsul in Leipzig. 1848 mit der diplomatischen Korrespondenz des Erzherzogs Rainer betraut, wurde er bei dem Aufstand in Mailand gefangen genommen und eine Zeitlang als Geisel zurückbehalten. Gegen einen andern Gefangenen ausgewechselt, begleitete er die kaiserliche Familie auf ihrer Flucht von Schönbrunn nach Olmütz. Die wichtigen Staatsakten, welche sich auf die Abdankung Kaiser Ferdinands bezogen, wurden von H. gearbeitet, welcher überhaupt zu den in die Ereignisse des Thronwechsels eingeweihtesten Personen zählte. Im Monat März 1849 ging er in außerordentlicher Mission nach Wien und bald darauf als Gesandter nach Paris, wo er entscheidenden Einfluß auf die österreichische Politik im russischen Krieg von 1854 gewann sowie Österreich bei den Friedenskonferenzen 1856 vertrat. Die beabsichtigte Aktion Napoleons in Bezug auf Italien durchschaute er aber kaum rechtzeitig, und durch den bekannten ihm zu teil gewordenen Neujahrsempfang 1859 ward die österreichische Regierung sehr überrascht. Nach dem Krieg von 1859 erhielt H. im Ministerium Goluchowski 21. Aug. das Portefeuille des Polizeiministers, welches er jedoch schon 22. Okt. niederlegte. Von Ende September 1865 bis November 1867 bekleidete er den Botschafterposten in Rom. Seit 1879 ist H. konservatives Mitglied des Herrenhauses. Auch widmete er sich litterarischen Arbeiten; seine Geschichte des Papstes Sixtus V. ("Sixte-Quint. D'après des correspondances diplomatiques inédites etc.", Par. 1870, 3 Bde.; neue Ausg. 1883, 2 Bde.; deutsche Ausg., Leipz. 1871, 2 Bde.) und seine ebenfalls zuerst in französischer und englischer Sprache erschienenen Reisebeschreibungen: "Ein Spaziergang um die Welt" (1873; 5. Aufl., Leipz. 1885) und "Durch das britische Reich 1883-84" (das. 1886) fanden viel Beifall.

4) Karl, Maler, geb. 17. Juni 1814 zu Königsberg, wo er seine künstlerischen Studien bei Professor J. Wolf begann, die er von 1837 bis 1841 auf der Düsseldorfer Akademie bei Schadow und Sohn fortsetzte. Seitdem blieb er in Düsseldorf ansässig. Er gehörte zu den Gründern des Vereins Düsseldorfer Künstler und des Vereins Malkasten. 1874 unternahm er eine Reise nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Als Künstler machte er sich durch seine in die Ideen des Zeitgeistes einschlagenden sozialistischen Tendenzbilder einen gefeierten Namen. Unter seiner allzu großen Produktivität litt jedoch häufig die Feinheit in Zeichnung und Durchführung; indessen sind seine Gemälde stets gut komponiert und mitunter von ergreifender Wirkung. Hervorzuheben sind: die schlesischen Weber (1845), das Jagdrecht (Berlin, Galerie Ravené, lithographiert von Wildt), die Auswanderer (1846, im Museum zu Christiania, lithographiert von Wildt), die Auspfändung (1847, im Museum zu Königsberg, lithographiert von Wildt), Rettung aus Feuersgefahr (1853, sein größtes und bedeutendstes Bild), die Waisenkinder, des jungen Seemanns Rückkehr, die Zwillinge, die Witwe, die Sünderin an der Kirchthür (1867, Nationalgalerie zu Berlin). Er starb 5. Dez. 1879 in Düsseldorf.

5) Otto, Statistiker und Volkswirt, geb. 22. Juli 1818 zu Leipzig, war ursprünglich für den Kaufmannsstand bestimmt, wandte sich zuerst in Paris und London den wirtschaftlichen Studien zu und gehörte seit 1842 zu den thätigsten Gliedern der deutschen Freihandelspartei. Nach einigen Jahren von der Dampfschiffahrtsgesellschaft des Österreichischen Lloyd zum Bevollmächtigten ernannt, betrieb er die Verhandlungen wegen Durchfuhr der englisch-ostindischen Überlandpost und des damit verbundenen Verkehrs durch Deutschland, zu welchem Zweck er mit allen beteiligten kontinentalen Eisenbahnen Verträge abschloß. Beim Ausbruch der Bewegung von 1848 ward er von Österreich in den Fünfzigerausschuß gewählt; die Verhandlungen über seinen Eintritt in den österreichischen Staatsdienst zerschlugen sich aber, und Ende 1849 wurde er seiner deutschen Gesinnung wegen aus Österreich ausgewiesen. H. siedelte nach Berlin über und gründete daselbst das "Statistische Zentralarchiv", welches von allen Regierungen der Welt statistische Mitteilungen erhielt. Von seinen zahlreichen übrigen statistischen Arbeiten ist namentlich sein Werk "Die Banken" (Leipz. 1854, 2 Bde.) zu erwähnen. Am bekanntesten ist Hübners "Statistische Tafel aller Länder" (zuerst Leipz. 1851; seitdem jährlich erscheinend, jetzt bearbeitet von Juraschek). 1862 gründete er die erste Hypothekenbank in Preußen unter der Firma Preußische Hypothekenversicherungs-Gesellschaft, welcher er bis zu seinem Tod (3. Febr. 1877) vorstand.

6) Emil, namhafter Philolog, Sohn von H. 2), geb. 7. Juli 1834 zu Düsseldorf, auf dem Vitzthumschen Gymnasium in Dresden gebildet, studierte seit 1851 in Berlin und Bonn, reiste zu wissenschaftlichen Zwecken 1855-57 in Italien, habilitierte sich 1859 zu Berlin und wurde daselbst 1863 außerordentlicher, 1870 ordentlicher Professor der klassischen Philologie; inzwischen hatte er für das "Corpus inscriptionum latinarum" 1860-61 Spanien und Portugal, 1866-1867 England, Schottland und Irland bereist. H. hat sich besonders um Archäologie und lateinische Epigraphik verdient gemacht. Er veröffentlichte zuerst: "Epigraphische Reiseberichte aus Spanien und Portugal" (Berl. 1861) und "Die antiken Bildwerke in Madrid" (das. 1862). Sodann lieferte er für das "Corpus inscriptionum latinarum" die Indices des 1. Bandes (Berl. 1863), Bd. 2 ("Inscriptiones Hispaniae", das. 1869) und Bd. 7 ("Inscriptiones Britanniae", das. 1873). Im Anschluß daran erschienen: "Inscriptiones Hispaniae christianae" (Berl. 1871); "Inscriptiones Britanniae christianae" (das. 1876); "Exempla scripturae epigraphicae latinae a Cae-^[folgende Seite]