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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hummel; Hummelshain; Hummer

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Hummel - Hummer.

schon ausgeschlüpft sind, erscheinen durch Ausstreichen mit Wachs in Honigbehälter und Pollenbecher umgewandelt; daneben sieht man noch eine große Menge von eigentlichen Honigtöpfchen, die aus Wachs hergestellt sind. An sonnigen Tagen verlassen mitunter die jungen Weibchen das Nest und werden von Männchen desselben oder auch andrer Nester im Flug befruchtet, gewöhnlich aber findet dieser Akt im Neste statt. Die Gründerin des Staats stirbt an Altersschwäche, sobald hinreichend junge Weibchen und Männchen vorhanden sind. Bald darauf beginnt die ganze Familie sich zu zerstreuen, und alle gehen zu Grunde (die Männchen zuerst) bis auf die befruchteten Weibchen, welche Winterquartiere beziehen. Von den verschiedenen Arten ist die Erdhummel (B. terrestris L., s. Tafel "Hautflügler") bis 2,6 cm lang, schwarz, auf den drei letzten Hinterleibsgliedern weiß, auf dem zweiten und dem Prothorax goldgelb, in ganz Europa und Nordafrika gemein. Ähnlich ist die Gartenhummel (B. hortorum Faber). Die Mooshummel (B. muscorum Ill.), 1,8-2 cm lang, gelb, am Thorax und an der Wurzel des Hinterleibes rötlich, bedeckt ihr Nest locker mit Moos und Genist und kleidet es innen mit einer papierdünnen Schicht aus. Der Zugang zum Nest, oft in einen gewundenen Gang verlängert, wird in der Regel mit einer Wache besetzt. Einige Hummeln (Schmarotzerhummeln) legen ihre Eier in die Nester andrer Hummeln; auch leben andre Schmarotzer in den Nestern der Hummeln, und Wiesel, Maus und Iltis zerstören dieselben. Vgl. Hoffer, Die Hummeln Steiermarks. Lebensweise und Beschreibung (Graz 1882-83).

Hummel, 1) Johann Erdmann, Maler, geb. 1769 zu Kassel, war ein Zögling der Akademie seiner Vaterstadt, ging 1792 nach Italien und neigte sich mit Vorliebe landschaftlichen Darstellungen zu. Im J. 1809 zurückgekehrt, ward er Professor der Architektur, Perspektive und Optik an der Akademie zu Berlin, wo er 26. Aug. 1852 starb. H. hat sich als Künstler und Lehrer gleich große Verdienste erworben. Seine historischen Gemälde, Bildnisse, Genrestücke, Landschaften und Architekturstücke sind namentlich in der Perspektive und Farbengebung vortrefflich. Er verfaßte auch ein "Lehrbuch der freien Perspektive für Maler und Architekten" (Berl. 1824) und stach zwölf Blätter nach eigner Komposition: Luthers Leben und Apotheose (das. 1806).

2) Johann Nepomuk, Klavierspieler und Komponist, geb. 14. Nov. 1778 zu Preßburg, erhielt seine Ausbildung in Wien, wohin seine Familie bald darauf übergesiedelt war, durch Mozart, vervollkommte sich später, nachdem er von 1788 bis 1795 mit Erfolg in Deutschland, England etc. konzertiert hatte, unter Albrechtsbergers und Salieris Leitung in der Komposition und trat 1803 als Kapellmeister in den Dienst des Fürsten Esterházy, in welcher Stellung er Gelegenheit fand, sich als dramatischer und Kirchenkomponist zu versuchen. Nachdem er dieselbe 1811 verlassen und wiederum in Wien festen Fuß gefaßt hatte, widmete er sich vorwiegend seinem Instrument, und seine um diese Zeit entstandenen Werke, unter andern die Polonäse "La bella capricciosa" und das Rondo in A, bezeichnen eine neue Entwickelungsstufe seines Klavierspiels, auf welcher an Stelle der Mozartschen Technik eine neue, glänzendere erscheint, das Kennzeichen der modernen Wiener Schule, als deren erster Repräsentant H. von nun an gelten durfte. 1816 wurde er als Kapellmeister nach Stuttgart und 1820 in gleicher Eigenschaft nach Weimar berufen, wo er 17. Okt. 1837 starb, nachdem er noch auf zahlreichen Kunstreisen durch sein Spiel, seine Kompositionen und namentlich auch durch seine Improvisationen ganz Europa entzückt hatte. Von seinen zahlreichen Kompositionen jeglicher Gattung haben sich nur die für Klavier als lebensfähig erwiesen; diese aber verdienen in vollem Maß die Achtung, welche ihnen noch jetzt gezollt wird, und besonders dürfen seine Konzerte sowie sein Sextett für Klavier, Bratsche, Kontrabaß und Blasinstrumente zu den Meisterwerken ihrer Gattung gezählt werden.

3) Karl, Maler, Sohn des vorigen, geb. 1821 zu Weimar, studierte bis 1841 unter Preller, mit dem er auch Studienreisen nach England, Norwegen, Rügen und später nach Tirol machte, verweilte 1842-46 in Italien und Sizilien und ließ sich dann in Weimar nieder, wo er Professor wurde. Seine (Öl- und Aquarell-) Bilder, deren Motive meist den Tiroler und italienischen Alpen entnommen sind, zeichnen sich durch feines Naturgefühl und romantisch-poetische Auffassung aus. Die Museen von Leipzig und Stuttgart besitzen Bilder von ihm, andre sind in Berlin, Meiningen, Petersburg etc. Im Schloß zu Weimar befindet sich das Bild: die Gärten der Armida.

4) Fritz, Maler, geb. 1822 zu Berlin, war dort Schüler von H. 1) und Begas und später von Bendemann in Dresden. Im J. 1858 machte er eine Reise nach dem südlichen Frankreich und Spanien. Anfangs der Historienmalerei zugewendet, widmete er sich später ausschließlich der Porträtmalerei. Seine Bildnisse verbinden mit geistreicher Schärfe der Charakteristik ein vornehm kühles, an Holbein erinnerndes Kolorit.

5) Ferdinand, Komponist, geb. 6. Sept. 1855 zu Berlin, spielte bereits mit sieben Jahren die Harfe mit solcher Fertigkeit, daß er mit seinem Vater Konzertreisen durch Europa unternehmen konnte, und begann dann geregelte Kompositionsstudien, zunächst 1868-71 an Kullaks Akademie und von da bis 1875 an der königlichen Hochschule für Musik und der Kompositionsschule der Akademie. Unter seinen Kompositionen befinden sich unter anderm drei Cellosonaten (Op. 2, 9, 12), Phantasiestücke für Cello und Klavier ("Märchenbilder", Op. 10, und "Waldleben", Op. 11 und Op. 31), ein Notturno für Cello, Harfe und Harmonium, ein Klavierquartett, eine Suite für Klavier zu vier Händen, Ouvertüre (Op. 17), Konzertstücke für Pianoforte etc. Eine Spezialität Hummels sind die Märchendichtungen für dreistimmigen Frauenchor und Solo: "Rumpelstilzchen", "Frau Holle", "Hänsel und Gretel".

Hummelshain, Dorf im sachsen-altenburg. Westkreis, mit einem Schloß nebst Park und Tiergarten, einer Badeanstalt und (1885) 399 Einw.; häufig Sommerresidenz des Herzogs von Sachsen-Altenburg, auch von Touristen vielbesucht. Etwa 5 km davon bei Wolfersdorf das von schönen Waldungen umgebene, neuerlich restaurierte Jagdschlößchen Fröhliche Wiederkunft, wo Johann Friedrich nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft (1552) mit seinen Kindern zusammentraf (daher der Name).

Hummer (Homarus Edw.), Krebsgattung aus der Ordnung der Dekapoden, der Horde der Langschwänze und der Familie der Krebse (Astacina), vom Flußkrebs wenig, fast nur durch die Größe verschieden. Der gemeine H. (H. vulgaris Edw.), 45 cm lang und armsdick, blauschwärzlich marmoriert, lebt in den europäischen Meeren, besonders an der norwegischen Küste, und wird hier mit großen Körben gefangen. Das Hummerweibchen trägt an 12,000 Eier