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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Hydrographisches Amt - Hydromedusen.

der Hydrographer steht, in Frankreich das Dépôt des Cartes et Plans mit einem Stab von wissenschaftlich gebildeten Marinebeamten, welche als Ingénieurs-hydrographes bezeichnet werden). In Amerika allein ist die Küstenvermessung vom hydrographischen Amt getrennt und die ihrer wissenschaftlichen Arbeiten wegen rühmlichst bekannte Coast survey dem Schatzamt unterstellt.

Hydrographisches Amt, s. Hydrographie und Marine.

Hydrographisches Papier, Papier, auf welchem man mit reinem Wasser deutlich schreiben kann. Zu seiner Anfertigung taucht man Papier in eine schwache Abkochung von Galläpfeln oder in eine Lösung von gelbem Blutlaugensalz und reibt nach dem Trocknen gepulverten kalcinierten Eisenvitriol gut in das Papier ein. Bei Berührung mit Wasser entstehen dann schwarze, resp. blaue Schriftzüge. Natürlich muß das hydrographische Papier höchst sorgfältig vor Feuchtigkeit geschützt werden.

Hydroictinia, s. Weihen.

Hydroiden, s. Hydromedusen.

Hydroidpolypen, s. Hydromedusen.

Hydroidquallen, s. Hydromedusen.

Hydrojodsäure, s. v. w. Jodwasserstoffsäure.

Hydrokarbonprozeß, s. Leuchtgas.

Hydrokarbür, s. v. w. Kohlenwasserstoff; namentlich Bezeichnung der flüssigen Kohlenwasserstoffe, welche als Leuchtmaterial benutzt werden, und speziell der sehr flüchtigen Kohlenwasserstoffe, die zur Erzeugung von Luftgas dienen.

Hydrologie (griech.), Lehre vom Wasser, besonders auch von den Mineralwässern.

Hydrologium (griech.), s. Wasseruhr.

Hydrolyte (griech.), nach vielen Mineralogen eine Klasse des Mineralsystems, welche die im Wasser löslichen natürlichen Säuren, Sauerstoff- und Haloidsalze, auch Oxyde umfaßt.

Hydromantie (griech., "Wahrsagekunst aus dem Wasser"), eine aus dem Orient (von den Magiern) stammende, bei den Griechen nur spärlich angewandte Kunst, die in der Beobachtung von Erscheinungen in und über dem Wasser in Quellen, Strudeln, Becken, Gläsern, Flaschen etc. bestand. Der heil. Augustin versichert, daß Numa einer der ersten Hydromanten gewesen sei. Pausanias erzählt von mehreren Tempeln mit Quellen, an denen regelmäßige hydromantische Beobachtungen angestellt wurden. Noch heute sehr verbreitet in Arabien, Persien und Ägypten, wobei regelmäßig Knaben (wie durch Cagliostro) angewandt werden, die durch das Anstarren der glänzenden Wasseroberfläche vielleicht hypnotisch werden. Vgl. Hypnotismus.

Hydromechanik (Hydraulik, griech.), die Lehre von dem Gleichgewicht (Hydrostatik, s. d.) und der Bewegung der Flüssigkeiten (Hydrodynamik). S. Hydraulik.

Hydromedusen, Klasse der Cölenteraten (s. d.), Polypen oder Polypenstöcke von einfacherm Bau als die Korallpolypen (s. d.), aber von einer ganz eigentümlichen Fortpflanzungsart. Neben den für die Ernährung sorgenden Individuen des Stockes (der Kolonie) gibt es nämlich solche, die mehr oder minder ausschließlich auf die Erhaltung der Art bedacht sind und nun entweder sofort Eier und Samen produzieren, oder sich zuvor vom Stock loslösen und eine geraume Zeit im Meer umherschwimmen. In diesem Zustand heißen sie Medusen (s. d.) oder Quallen (Hydroidquallen) und haben eine auf den ersten Blick ganz andre Form als die festsitzenden Polypen; die von ihnen erzeugten Jungen gleichen aber nicht ihnen, sondern werden zunächst wieder zu Polypen. Indessen fällt bei einem Teil der H., den sogen. Scheibenquallen, dieser Generationswechsel (s. d.) völlig aus, und so werden die Jungen direkt Scheibenquallen. Auf der andern Seite jedoch gibt es auch einige wenige H., die zeitlebens Polypen bleiben und nie Medusenform annehmen. Im einzelnen gestalten sich die erwähnten Vorgänge folgendermaßen.

Aus dem befruchteten Ei entsteht unter allen Umständen eine frei schwimmende Larve von Schlauchform; sie ist an dem einen Ende geschlossen, an dem andern offen und nimmt hier die Nahrung auf. Wird sie nun zu einem Polypen (und dies ist der ursprüngliche Fall), so wächst sie mit dem geschlossenen Ende auf einem Stein, einer Pflanze, Muschel etc. fest, erhält um den Mund herum Tentakeln und ist in dieser Form als Hydroidpolyp einem einfachen Korallpolypen sehr ähnlich. Als solcher kann sie sich nun auch durch Knospung und unvollständige Teilung zu einem Polypenstock umgestalten, der so unter Umständen eine große Anzahl Individuen enthält. Zur Korallenbildung kommt es hierbei allerdings nur selten, vielmehr beschränkt sich das Skelett meist auf hornige Röhren, aus denen die Einzeltiere hervorragen. Von den letztern sind die meisten sogen. Freßpolypen, d. h. sie nehmen Nahrung auf und lassen sie dem ganzen Stock zu gute kommen; andre hingegen bilden in sich, indem ihr Mund und Magen unentwickelt bleiben, Eier oder Samenfäden aus, fungieren demnach als Eierstöcke oder Hoden. Es sind dies die sogen. Geschlechtsknospen oder Geschlechtspolypen. Bei dem Süßwasserpolypen Hydra, welcher als einfachster Vertreter der Gruppe betrachtet werden darf, ist übrigens auch dies noch nicht der Fall, vielmehr entstehen die Geschlechtsprodukte direkt in der Wand des Polypen (s. Hydra). Vielfach jedoch geht die Entwickelung noch einen Schritt weiter: die Geschlechtsknospen gestalten sich zu scheibenförmigen Körpern, reißen sich vom Polypenstock ab und schwimmen als Medusen fort. In dieser Form erinnern sie an ihren Ursprung ebensowenig wie der Schmetterling an die Raupe. Wäre nun der Polyp, aus dem sie hervorgegangen, ein Einzeltier und könnte sich nicht auch durch Teilung etc. auf ungeschlechtlichem Weg fortpflanzen, so würde das eben gebrauchte Gleichnis völlig am Platze sein. Indessen gibt es keine Raupe, die als solche schon Junge hervorbrächte, und auch keinen Schmetterling, der bei seiner Entwickelung das Raupenstadium überspränge, während beide Erscheinungen bei den H. auftreten. Denn viele größere Medusen (die sogen. Akalephen) machen in ihrer Jugend das Polypenstadium in einer ganz außerordentlich raschen Weise ab und erinnern hierbei nur eben noch an die ehemalige weitläufigere Fortpflanzungsart. Wieder in andrer Beziehung eigentümlich sind die Siphonophoren oder Röhrenpolypen, die nicht gleich der Mehrzahl der H. festgewachsen sind, sondern im Meer umherschwimmen (s. unten).

Die Einteilung der H. ist in vorstehendem kurz angedeutet. Man unterscheidet Hydroiden, Siphonophoren und Akalephen. 1) Die Hydroiden sind entweder Einzeltiere, wie der gewöhnliche Süßwasserpolyp (s. Hydra), oder sie bilden Stöcke. Letztere verkalken entweder und können dann zu den Korallen gerechnet werden (Milleporidae, Stylasteridae), oder bleiben weich und scheiden höchstens eine hornige Hülle ab. Die sich von ihnen ablösenden Medusen gehören zu den sogen. Craspedota. Eine kleine Gruppe,