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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hygrometrie; Hygrometrograph; Hygrophorus; Hygroskop; Hygroskopische Feuchtigkeit

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Hygrometrie - Hygroskopische Feuchtigkeit.

man bei der hierbei erzeugten Temperaturerniedrigung den Taupunkt erreicht, so wird die Luft, welche die Silberoberfläche berührt, mit Wasserdampf gesättigt sein. Bei der geringsten weitern Abkühlung wird ein Betauen oder Beschlagen der versilberten Fläche stattfinden. In diesem Augenblick wird das Thermometer abgelesen, und die so gefundene Temperatur ist die des Taupunktes. Das dem Taupunkt entsprechende Druckmaximum des Wasserdampfes gibt ebenso wie beim Danielschen H. den Dampfdruck für den Augenblick der Beobachtung, und dieser Druck, dividiert durch den der Lufttemperatur entsprechenden Maximaldruck, gibt die relative Feuchtigkeit der Luft. Hierbei ergibt sich der Vorteil, daß der Aspirator sehr weit vom Instrument entfernt sein und der Beobachter die Thermometerangaben mit einem Fernrohr ablesen kann. Ein dritter derartiger Apparat, der sich durch größere Billigkeit und leichtere Handhabung auszeichnet, ist Lambrechts (in Göttingen) Taupunktspiegel.

Eine andre Methode, den Feuchtigkeitsgehalt der Luft zu bestimmen, besteht in der Anwendung des Psychrometers. Dies von August angegebene Instrument besteht aus zwei Thermometern, die gleichzeitig beobachtet werden müssen, und von denen das eine an der Kugel mit einem feinen Leinwandläppchen umgeben ist, welches in ein untergestelltes Gefäß mit Wasser herabhängt, so daß die Hülle dieser Thermometerkugel stets befeuchtet ist. Das Wasser verdunstet von dem Leinwandläppchen desto schneller, je trockner die Luft ist, und dem entsprechend wird die durch die Verdunstung hervorgerufene Temperaturerniedrigung des sogen. feuchten Thermometers bald stärker, bald schwächer sein. Aus dem Unterschied der durch die beiden Thermometer angezeigten Temperaturen sowie aus der durch das trockne Thermometer angezeigten Lufttemperatur und dem Barometerstand im Zeitpunkt der Beobachtung kann auf den Feuchtigkeitszustand der Luft geschlossen werden. Um denselben ohne zeitraubende Rechnungen ableiten zu können, sind Psychrometertafeln zusammengestellt, aus denen sowohl die absolute als auch die relative Luftfeuchtigkeit unmittelbar aus den beobachteten Größen abgelesen werden kann. Die verbreitetsten sind von Suhle und von Jelinek herausgegeben. In Bezug auf die Psychrometerbeobachtungen selbst ist noch hervorzuheben, daß bei der Aufstellung des Instruments für einen genügenden Luftwechsel gesorgt sein muß, weil die Beobachtungen unrichtige Resultate liefern, wenn die Thermometer von einer stagnierenden Luftmasse umgeben sind.

Durch die Volumhygrometer wird der Raum bestimmt, welchen der in einem bestimmten Volumen Luft enthaltene Wasserdampf unter dem Druck der Atmosphäre einnehmen würde, und aus seinem Volumen kann dann auch sein Gewicht berechnet werden. Alle Instrumente dieser Art basieren auf der Thatsache, daß, wenn in ein geschlossenes Gefäß eine stark hygroskopische Flüssigkeit, wie z. B. Schwefelsäure, gebracht wird, diese den Wasserdampf absorbiert und dadurch die Luft eine Verkleinerung des Volumens erfährt, welche groß genug ist, um gemessen werden zu können (Schwackhöfer). Statt der Veränderung im Volumen kann auch die Veränderung des Druckes gemessen und daraus der Druck des ursprünglich vorhanden gewesenen Wasserdampfes ermittelt werden (Edelmann und Rüdorff). Vgl. Suhle, Psychrometertafeln (nach Augusts Psychrometertafeln berechnet, Köthen 1866); Jelinek, Psychrometertafel für das 100teilige Thermometer nach den von Wild berechneten Tafeln (Wien 1871); Klinkerfues, Theorie des Bifilarhygrometers mit gleichteiliger Prozentskala (Götting. 1875); Koppe, Die Messung des Feuchtigkeitsgehalts der Luft mit besonderer Berücksichtigung des neuen Prozenthygrometers mit Justiervorrichtung (Zürich 1878).

Hygrometrie (griech.), die Lehre von der Bestimmung der Luftfeuchtigkeit.

Hygrometrograph, s. Registrierapparat.

Hygrophorus, Pilzgattung, s. Agaricus IV.

Hygroskop (griech., "Feuchtigkeitszeiger"), s. Hygrometer.

Hygroskopische Feuchtigkeit, das Wasser, welches die Körper, die einen mit größerer, die andern mit geringerer Begierde, aus der Luft aufsaugen, ohne sich chemisch damit zu verbinden. Körper, welche dies thun, nennt man hygroskopisch. Dieselben sind an freier Luft, welche stets Wasserdampf enthält, niemals völlig trocken, und wenn man sie bei erhöhter Temperatur oder in einer künstlich getrocknetem Luft vollständig trocknet, so nehmen sie an freier Luft alsbald wieder Feuchtigkeit auf und zwar um so mehr und um so schneller, je größer die relative Feuchtigkeit der Luft ist. Wird die Luft bei Witterungswechsel erheblich trockner, so verlieren auch die hygroskopischen Körper Feuchtigkeit, sie setzen sich stets mit dem relativen Feuchtigkeitsgehalt der Luft ins Gleichgewicht, und der Zustand, den man lufttrocken nennt, bezeichnet also je nach der Natur des betreffenden Körpers, der Beschaffenheit der Luft und der Temperatur einen sehr verschiedenen Feuchtigkeitsgehalt. In gewissem Grad sind wohl alle Körper hygroskopisch, selbst Metall und Glas verdichten auf ihrer Oberfläche eine wägbare Menge Feuchtigkeit. Sehr auffallend ist die Hygroskopizität bei manchen Salzen, die, wie das Chlorcalcium, in kurzer Zeit so viel Wasser aus der Luft aufnehmen, daß sie sich darin vollständig auflösen können: sie zerfließen an der Luft. Andre Körper erleiden durch die aufgenommene Feuchtigkeit eine Volumvergrößerung, wie z. B. das menschliche Haar, welches seine Kräuselung verliert und sich so stark verlängert, daß man es zum Messen des Feuchtigkeitsgehalts der Luft benutzen kann. Die Darmsaiten der musikalischen Instrumente verlängern sich in der feuchten Luft des gefüllten Konzertsaals so stark, daß die Instrumente umgestimmt werden müssen. Gleich dem Haar und dem Darm sind die meisten organisierten Substanzen stark hygroskopisch. Holz, Stärkemehl, Baumwolle, Leinen, vor allem Federn, Wolle und Seide nehmen eine große Menge Feuchtigkeit auf und können bei einem Wassergehalt von 10-20 Proz. noch völlig trocken erscheinen. Man kommt in der Praxis in die Lage, wenn man diese Körper nach dem Gewicht kauft, statt derselben eine mehr oder weniger bedeutende Menge Wasser zu bezahlen. Um der hieraus sich ergebenden Unreellität zu begegnen, sind "Konditionierungsanstalten" begründet worden, in welchen der Feuchtigkeitsgehalt der betreffenden Ware amtlich festgestellt wird. Auch Flüssigkeiten sind hygroskopisch und Alkohol z. B. in so hohem Grade, daß es sehr schwer hält, ihn völlig wasserfrei zu erhalten. Die starke Hygroskopizität der konzentrierten Schwefelsäure benutzt man zum Austrocknen der Luft, und wenn man z. B. unter einer Glasglocke ein flaches Gefäß mit konzentrierter Schwefelsäure aufstellt und auf einem Dreifuß ein Schälchen mit einer Salzlösung, so entzieht die Säure letzterer allmählich das Wasser, die Lösung verdampft, u. das Salz kristallisiert.