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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Hypnum

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Hypnotismus - Hypnum.

durch bald hypnotisch und bietet eine Reihe von Erscheinungen dar, die höchst merkwürdig sind. Man kann sie im allgemeinen dahin charakterisieren, daß die Thätigkeit des bewußten Denkens und Wollens, der Vernunft, eingeschläfert ist, während die Sinnesthätigkeiten und ohne Zweifel auch ein ihnen spezieller zugehörendes Gebiet des Denkorgans fortfahren, zu funktionieren und in beständiger Wechselwirkung mit der Außenwelt zu bleiben. Durch das offene oder halbgeschlossene Auge, durch das Ohr, Gefühl, Geruchs- und Geschmacksorgan werden allerlei Eindrücke aufgenommen, ohne zum Bewußtsein zu kommen, weshalb mit den höhern Graden des H. vollständige Schmerzlosigkeit verbunden ist; selbst tiefe Nadelstiche u. dgl. werden nicht empfunden. Gleichwohl bringen diese Eindrücke bestimmte dunkle Vorstellungen hervor, deren sich der Hypnotisierte später überhaupt nicht oder höchstens wie aus einem Traum erinnern kann, durch deren Vermittelung er jedoch zu dem vollkommenen Sklaven eines fremden Willens gemacht werden kann. Befehle, bestimmte Thätigkeiten auszuführen, oder zugeflüsterte Ideen, die zu solchen führen, werden aufgenommen und befolgt, und vor allem werden sicht- oder hörbare Thätigkeiten, die man dem Hypnotisierten vormacht, willenlos nachgeahmt. Geht der Experimentator vor ihm her, kniet er nieder, tanzt er etc., so wird der Hypnotische dies alles nachahmen, vorausgesetzt, daß er diese Thätigkeiten sehen oder hören kann. Selbst eine rohe Kartoffel oder ein Stück Asa foetida werden, in den Mund gesteckt, von ihm verzehrt, wenn er zugleich hörbare Kaubewegungen vernimmt und die Idee erweckt wird, es sei eine Birne od. dgl., da der schlechte Geschmack oder Geruch nicht zum Bewußtsein kommt. Selbst die Hervorrufung eines automatischen Nachsprechens vorgesagter Worte gelang Berger und Weinhold, wenn sie zugleich einen leisen Reiz in der Nackengegend ausübten und damit wahrscheinlich gewisse Nervenstränge reizten, die mit den Sprachwerkzeugen in Verbindung stehen. Es ist somit bei solchen Personen der Nachahmungstrieb in einem Grad lebendig, wie wir ihn sonst nur bei ganz kleinen Kindern und gewissen Tieren zu finden gewohnt sind, eine Thatsache, auf deren psychologische und philosophische Bedeutung besonders E. Krause hingewiesen hat. Es wird dadurch offenbar, daß die Nachahmung eine Art Fundamentalphänomen der psychischen Mechanik ist, sofern durch die Thätigkeit fremder Personen erregte Vorstellungen sofort, und ohne zum klaren Bewußtsein zu gelangen, dieselben Thätigkeiten hervorrufen, natürlich nur, soweit sie zu den dem Individuum geläufigen gehören.

Mit dieser Ausschaltung der bewußten Geistesthätigkeit kontrastiert auffallend die Leistungsfähigkeit der einzelnen Sinnesorgane in diesem Zustand. Durch die Versuche von Braid, Preyer und andern Physiologen kann es für ausgemacht gelten, daß der Haut-, Gesichts-, Gehörs- und Geruchssinn hierbei sogar eine beträchtliche Steigerung über das gewöhnliche Maß erfahren können, obwohl diese Steigerung dem Individuum selbst nicht klar bewußt wird, sondern sich nur in dessen Benehmen gegen die Umgebung verrät. Damit in verständlichem Zusammenhang scheint es zu stehen, daß die Muskelthätigkeit durch leise, wiederholte Striche in eine solche Überreizung versetzt werden kann, daß dauernde Kontraktion, Muskelstarre und Starrkrampf hervorgerufen werden. Die Glieder bleiben dabei biegsam und behalten die Richtung, die man ihnen gibt, solange der H. andauert. Vielleicht hängt es auch mit derselben Überempfindlichkeit zusammen, daß gewisse leichte Eindrücke, z. B. ein Anhauchen oder sanftes Hinwegstreichen über das Gesicht, am schnellsten zum Erwachen aus diesem Zustand führen. Anderseits können aber von solchen Erregungen üble Nachwirkungen auf das Nervensystem zurückbleiben, weshalb solche Versuche von Laien nicht angestellt werden sollten, zumal sich die Empfänglichkeit für den H. mit jedem Versuch zu steigern scheint und leicht zu einer krankhaften Nervendisposition führen kann. Unter gewissen Umständen, z. B. bei. Krampfzuständen, kann nach den Erfahrungen Braids auch Heilung durch solche erregende Manipulationen herbeigeführt werden, was die sogen. Magnetischen Kuren (s. d.) wieder in einzelnen Fällen zu Ehren bringen würde.

Das Wesen und die Erklärung des H. glaubte Braid wohl mit Recht in einer vorübergehenden totalen Ermüdung oder Lähmung eines Gehirnteils durch die lange Fixierung der Aufmerksamkeit auf einen bestimmten Sinneseindruck suchen zu sollen. Gleich den optischen Eindrücken, kann ein gleichmäßig fortdauerndes Geräusch oder die bloße Konzentration der Gedanken auf die Striche eines Magnetiseurs, ja bei empfänglichen Personen schon die bloße Überzeugung, daß sie zur Zeit aus der Ferne "magnetisiert" werden, wirken. Da die neuere Psychologie den Sitz der bewußten Thätigkeit des Gehirns in den Ganglienzellen der grauen Substanz der Gehirnrinde sucht, so hat man vermutet, daß diese im besondern der Gegenstand jener vorübergehenden Lähmung oder Thätigkeitsausschaltung würden. Jedenfalls bleiben andre Gehirnteile der Hypnotisierten in vollster Thätigkeit, namentlich die Organe der Sinnesempfindungen, Bewegungskontrolle, des Gleichgewichts etc.; ja, es scheint aus zahlreichen Versuchen hervorzugehen, daß man sogar nur die eine Hälfte des Gehirns durch Beschränkung des anhaltenden Sinneseindrucks auf eine Seite hypnotisieren kann, wodurch sehr merkwürdige Erscheinungen halbseitiger Unempfindlichkeit etc. hervorgerufen werden könnten. Man darf bei alledem nicht vergessen, daß das Bewußtsein vielfach nur eine Begleiterscheinung der Körperthätigkeiten ist und verschwindet, wenn wir die betreffende Thätigkeit durch Übung vollkommen unserm Nervenapparat eingeprägt haben, um dann ohne Bewußtsein gehen, tanzen, schreiben und alle Handfertigkeiten ausüben zu können. Umgekehrt rufen Körperzustände bestimmte Vorstellungen hervor, und es wird behauptet, daß die künstlichen Stellungen, welche man Hypnotischen erteilt, analoge Traumvorstellungen: Niederknieen z. B. andächtige Gefühle, erzeugen. Auf diese Weise kann man demnach auch die Traumvorstellungen, die gewöhnlich nicht die Schwelle des Bewußtseins überschreiten, den Hypnotischen gewissermaßen soufflieren, und dadurch erklären sich manche Erscheinungen des sogen. magnetischen Schlafs, wie denn das ganze Gebiet dieser dunkeln Erscheinungen des Nervenlebens durch das Studium des H., welcher eins der Hauptphänomene desselben bildet, bedeutend an Verständlichkeit gewonnen hat. Vgl. Preyer, Der H. Ausgewählte Schriften von J. Braid (Berl. 1882); Derselbe, Die Entdeckung des H. (das. 1881); Heidenhain, Der sogen. tierische Magnetismus (Leipz. 1880); Weinhold, Hypnotische Versuche (Chemn. 1880); Rieger und H. Virchow, Der H. (Jena 1884).

Hypnum Dill. (Astmoos), Laubmoosgattung der pleurokarpen Moose, meist größere, perennierende Moose mit dichotom oder zerstreut oder regelmäßig fiederförmig verzweigten, kriechenden oder aufsteigen-^[folgende Seite]