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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: In nomine; Innominatkontrakt; Innovation; Innsbruck

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Innominatkontrakt - Innsbruck.

Nunzius in Frankreich in Haft setzen und Avignon in Beschlag nehmen, und eine 1681 von Ludwig XIV. berufene Versammlung des französischen Klerus stellte die gegen die Infallibilität des Papstes gerichteten "IV Propositiones Cleri Gallicani" auf. Um in seiner eignen Stadt unabhängig von den fremden Gesandten zu sein, hob I. die Quartierfreiheit (la franchise) derselben auf und rief dadurch neuen Streit mit dem französischen Hof hervor. Trotz der protestantenfeindlichen Haltung Ludwigs XIV. war I. ein entschiedener Gegner der gewaltthätigen Politik und der Weltherrschaftspläne desselben und ließ sogar den Sturz der katholischen Stuarts in England geschehen, um die Bildung einer großen Koalition aller europäischen Mächte gegen Frankreich zu ermöglichen. Er starb 11. Aug. 1689. Vgl. Bonamici, De vita et rebus gestis Innocentii XI. (Rom 1776; deutsch von Le Bret, Frankf. 1791); Michaud, Louis XIV et Innocent XI (Par. 1882-83, 4 Bde.).

13) I. XII., vorher Anton Pignatelli, aus einem Adelsgeschlecht von Neapel, 1615 daselbst geboren, ward nacheinander Bischof von Faenza, Legat von Bologna, 1681 Kardinal und Erzbischof und 12. Juli 1691 Nachfolger Alexanders VIII. auf dem päpstlichen Stuhl. Unter seiner Regierung löste sich der Streit mit Frankreich dadurch, daß er an dasselbe alle beanspruchten Rechte abtrat, Frankreich dagegen die "IV Propositiones Cleri Gallicani" zurücknahm. Als Feind der Quietisten sprach er über Fénelons "Maximes des saints" das Verdammungsurteil aus. Dagegen suchte er auch dem Nepotenunwesen, der Simonie und andern kirchlichen Mißbräuchen zu steuern. Er starb 27. Sept. 1700.

14) I. XIII., vor seiner Thronbesteigung Michael Angelo Conti, der achte Papst aus der Familie Conti, geb. 1655 zu Rom, ward 1693 Gouverneur von Viterbo, 1695 Erzbischof von Tarsos und Legat in der Schweiz, 1698 in Lissabon, 1706 Kardinal und bestieg 8. Mai 1721 den päpstlichen Stuhl. Er belehnte Kaiser Karl VI. mit Neapel, erhob gegen die Verleihung von Parma und Piacenza als Reichslehen eine unwirksame Protestation und zeigte sich als ein entschiedener Gegner der Jesuiten. Er starb 7. März 1724. Vgl. Mayer, Die Wahl I.' XIII. (Wien 1874).

Innominatkontrakt (lat. Contractus innominatus), im röm. Recht ein "unbenannter" Vertrag, welcher dadurch klagbar wurde, daß der eine Teil leistete und so den andern zur Gegenleistung verpflichtete. Heutzutage ist jeder Vertrag (s. d.) klagbar.

In nomine (lat.), im Namen, im Auftrag, in Vollmacht; i. n. Dei oder Domini, im Namen Gottes oder des Herrn.

Innovation (lat., "Verjüngung"), die im Pflanzenreich überaus verbreitete Erscheinung, daß die vegetative Thätigkeit, von ältern Teilen fortgesetzt, auf neue Ausgliederungen, z. B. von absterbenden Sprossen auf junge, übergeht.

Innsbruck (im Volke Spruck), Hauptstadt des österreich. Kronlandes Tirol, liegt in prachtvoller Hochgebirgslandschaft unweit der Mündung der Sill in den Inn zu beiden Seiten des letztern, zwischen 2300-2600 m hohen, meist steilen Bergen (Solstein, Brandjoch, Frauhütt, Hoher Sattel im N., Patscher Kofel, Waldraster Spitze und Saile im S.), in der größten Breite des Unterinnthals, am nördlichen Ausgang der von jeher für den Handel zwischen Deutschland und Italien wichtigen Brennerstraße (jetzt Eisenbahn), 574 m ü. M. und besteht aus der eigentlichen Stadt (Altstadt) und aus den Vorstädten Neustadt, Innrain, Mariahilf, St. Nikolaus und Dreiheiligen mit der Kohlstadt, zu denen auch noch die angrenzenden Ortschaften Wilten und Hötting gerechnet werden müssen. Die Stadt, Station der Arlberg- und der Südbahn, ist freundlich gebaut und enthält vier öffentliche Plätze, worunter der Rennweg mit dem benachbarten Hofgarten der belebteste ist; die Straßen sind meist breit und mit guten Trottoirs, in der Altstadt mit Arkaden (Lauben) versehen. Die neuen Stadtteile, namentlich gegen den Bahnhof hin, haben einen ganz modernen Anstrich. Unter den Kirchen steht die Hofkirche zum heiligen Kreuz (Franziskanerkirche) obenan, die unter Ferdinand I. durch Nikolaus Thuring und Marx della Bolla 1553-63 im Renaissancestil erbaut wurde. Sie enthält das berühmte Grabdenkmal des allerdings in Wiener-Neustadt ruhenden Maximilian I., einen Sarkophag aus Marmor, auf dessen Deckel der Kaiser im Ornat, lebensgroß aus Erz gegossen (vom Sizilier Ludwig del Duca, 1582), betend kniet, umgeben von den allegorischen Gestalten der Gerechtigkeit, Klugheit, Stärke und Mäßigkeit. Die Seitenflächen sind mit schönen Alabasterreliefs von Alexander Colins geziert. Ringsum stehen zwischen zehn Marmorsäulen 28 überlebensgroße Erzstatuen von Fürsten, Helden und fürstlichen Frauen, meist aus dem Haus Habsburg, Meisterwerke der Plastik, hervorgegangen aus den Werkstätten von Peter Vischer in Nürnberg, Stephan und Melchior Godel, Gregor Löffler und Hans Lendenstrauch in Mühlau bei I. An der linken Seitenwand der Kirche lehnen die Grabstätte und das Denkmal Andreas Hofers, daneben die Grabstätten und einfachen Denksteine Speckbachers und Haspingers; auf der andern Seite steht das Monument der in den Befreiungskämpfen von 1796-1809 gefallenen Tiroler. In der sogen. silbernen Kapelle befinden sich die Grabmäler des Erzherzogs Ferdinand (gest. 1594) und seiner Gemahlin Philippine Welser, beide von Alex. Colins, nebst 23 Heiligenstatuen. Andre beachtenswerte Kirchen sind: die Stadtpfarrkirche zu St. Jakob (1721 vollendet) mit Marienbild von L. Cranach und Grabmal des Deutschmeisters Erzherzogs Maximilian (gest. 1618), die Universitäts- oder Jesuitenkirche (1640), die Servitenkirche (1614), die Kirche des heil. Johannes von Nepomuk (1735) mit Fresken von Schöpf, die neue gotische Kirche in der Vorstadt St. Nikolaus und die evangelische Kirche. Unter den Profangebäuden zeichnen sich aus: die kaiserliche Burg (von Maximilian I. aufgeführt, von Maria Theresia 1766-70 umgebaut), dem Rennweg zugekehrt, mit weitem Hofraum und den sogen. kaiserlichen Prunkgemächern (darunter der Riesensaal mit Gemälden von Maulbertsch und die Hofkapelle, von Maria Theresia an der Stelle erbaut, wo ihr Gemahl Franz I. 1765 verschied); das "Goldendachlgebäude" (ehemalige Fürstenresidenz) mit einem schönen gotischen Erker, dessen Dach mit kupfernen, stark vergoldeten Platten gedeckt ist; die alte Ottoburg, das Rathaus, das Mauthaus, die Universität, das Theater, das Museum, das Landhaus mit einer zierlichen Kapelle, das Postgebäude, der Landeshauptschießstand, das Schloß Büchsenhausen u. a. In der Mitte der Maria Theresien-Straße befindet sich die Annensäule, ein Votivdenkmal der tirolischen Landstände für die Räumung des Landes

^[Abb.: Wappen von Innsbruck.]