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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Irazú; Irbis; Irbit; Irchel; Irdene Waren; Ireg; Irenäus; Irene

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Irazú - Irene.

Hauptstrom parallel fließenden Kiendwen, und zieht darauf in fortgesetzt südlicher Richtung zum Meerbusen von Pegu, schon unterhalb Prome in mehrere Arme zerspalten, die sich weiter abwärts vervielfältigen und zwischen dem westlichsten Arm von Bassein und dem östlichsten von Rangun, auf einer Entfernung von 200 km, ein Delta von 46,000 qkm durchziehen. Der Wasserstand des I. ist sehr wechselnd; von März bis September beginnen die Wasser bis 10 m über den Sommerstand zu wachsen, im Oktober zu fallen. Bei vollem Wasserstand beträgt die Schnelligkeit des Laufs 8 km die Stunde. Schiffbar für Dampfer ist der I. bis Bhamo (1000 km), das sie von Rangun aus in neun Tagen erreichen; die Thalfahrt erfordert drei Tage. Einen regelmäßigen Verkehr vermittelt eine englische Gesellschaft. Der wichtigste Mündungsarm ist der Rangunfluß; der unterhalb Bassein mündende Arm ist regelmäßig nur bis zu dieser Stadt (48 km) für große Schiffe fahrbar. Das Thal des I. ist in der Geschichte des westlichen Hinterindien von der höchsten Bedeutung gewesen, denn in ihm allein hat sich die birmanische Zivilisation entwickelt, und alle Städte, welche im Reich Birma seit ältesten Zeiten eine Rolle gespielt haben, liegen an seinen Ufern. Die Engländer hoffen in ihm eine bequeme Straße nach den Westprovinzen Chinas und nach Tibet gewonnen zu haben.

Irazú, Vulkan in Costarica, s. Cartago 1).

Irbis, s. Pantherkatzen.

Irbit, Kreisstadt des russ. Gouvernements Perm, mit (1880) 4212 Einw., hat 4 Kirchen, eine Bank, ein Theater und nächst dem Nishnij Nowgorodschen den größten Jahrmarkt Rußlands (1. Febr. bis 1. März). Wichtigste Handelsartikel sind: Pelzwerk, rohe Häute, Leinwand, baumwollene, wollene und seidene Fabrikate, Galanteriewaren, Geschirre, Apotheker- und Kolonialwaren, Früchte, Wein, Zucker und Thee. 1885 wurden für 68,957,800 Rubel Waren zu Markt gebracht und für 65,692,700 Rubel Waren verkauft. I. ist 1633 gegründet, wahrscheinlich tatarischen Ursprungs und hieß anfangs Irbeïsk; schon in der Mitte des 17. Jahrh. war es der bedeutendste Platz für den Tauschhandel Rußlands mit Asien, erhielt aber erst 1775 Stadtrechte zum Lohn für seinen Widerstand gegen Pugatschews Scharen. Der wenig bevölkerte Kreis enthält hügeliges, mineralreiches Land; namentlich findet man Marmor, Schwefel, Bergkristall, Marienglas, Gold, Malachit und Edelsteine. Der südliche Teil des Kreises enthält schöne Weiden, in ihm werden die besten Kirgisenpferde gezüchtet. Die meisten Bauern sind zugleich Leinweber.

Irchel, ein Hügelzug in der Hochebene des schweizer. Kantons Zürich, 696 m hoch, am Fuß beider Abhänge mit Weinbergen und Feldern, oben mit Wald bedeckt. Der Südabhang steigt rasch und steil von der Töß empor, während der nördliche nach der Thur zu in ein breites Halbthal, das Flaachthal, ausläuft. Auf den Vorsprüngen der Berghänge thronten einst die Burgen der Geschlechter von Wart und Radegg, Ebersberg und Schollenberg, Berg und Goldenberg; jüngern Datums sind die Schlösser und Edelsitze von Teufen, Eigenthal und Flaach.

Irdene Waren, s. Thonwaren.

Ireg (Irig), Markt im kroatisch-slawon. Komitat Syrmien, mit 2 Kirchen, (1881) 4719 Einw., starkem Wein- und Seidenbau und Bezirksgericht.

Irenäus ("Friedfertiger"), hervorragender Kirchenvater und Heiliger der katholischen Kirche, aus Kleinasien gebürtig, war in Smyrna Schüler Polykarps und seit 177 Bischof der Gemeinden zu Lyon und Vienne bis zu seinem 202 erfolgten Tod. Sein Gedächtnistag ist der 28. Juni. I. war Repräsentant der praktisch-christlichen Geistesrichtung im Gegensatz zu den gnostischen Theorien, welchen er mit den Erinnerungen seiner noch von der apostolischen Zeit erfüllten Jugend entgegentrat. Von unschätzbarem Wert für die ältere Kirchengeschichte sind seine fünf Bücher gegen die Gnostiker ("Contra haereticos"), freilich meist nur in alter lateinischer Übersetzung erhalten. Die besten Ausgaben sind von Stieren (Leipz. 1851-53, 2 Bde.) und Harvey (Cambridge 1857). Vgl. Ziegler, I., der Bischof von Lyon (Berl. 1871); Gouilloud, Saint-Irénée et son temps (Lyon 1876).

Irene (Eirene), die "Friedensgöttin" der alten Griechen, eine der vielen Personifikationen sittlicher Begriffe und Zustände, die Schützerin der gesetzlichen Ruhe, ward dargestellt in matronaler Gestalt, als Pflegerin des kleinen Plutos (s. d.), den sie auf dem Arm hält, mit der Rechten ein Zepter aufstützend. In dieser Auffassung zeigt sie die in mehreren Kopien (die besterhaltene in der Glyptothek zu München) auf uns gekommene Statue des Kephisodot, des Vaters des berühmten Praxiteles (s. Tafel "Bildhauerkunst II", Fig. 5). Auf Vasenbildern erscheint sie auch geflügelt und mit dem Schlangenstab des Hermes. In Rom, wo sie den Namen Pax führte, wurde ihr zuerst 13 v. Chr., als Augustus die Unruhen in Spanien und Gallien glücklich beigelegt hatte, ein Altar auf dem Marsfeld errichtet. Vespasianus erbaute ihr einen prächtigen Tempel nahe am Forum, der aber unter Kaiser Commodus abbrannte.

Irene, 1) griech. Kaiserin, bekannt durch Geist und Schönheit ebenso wie durch Lasterhaftigkeit, aus Athen gebürtig, ward 769 mit dem nachmaligen Kaiser Leo IV. vermählt und bestieg nach dessen Tod 780 als Vormünderin ihres neunjährigen Sohns Konstantin VI. den Thron. Sie führte mit den Arabern unglückliche Kriege und erkaufte 782 den Abzug ihres Heers von Harun al Raschid durch einen schimpflichen Frieden. Auf ihre Veranstaltung ward das siebente ökumenische Konzil 787 zu Nicäa abgehalten und durch dasselbe der Bilderdienst (s. d.) wieder eingeführt. 791 entwand ihr zwar ihr Sohn Konstantin mit Hilfe der Truppen die Herrschaft; doch gelang es ihr, sich derselben 797 abermals zu bemächtigen. Ihren Sohn ließ sie einkerkern und blenden. Sie übertrug die höchsten Ämter an Eunuchen und führte ein verschwenderisches Regiment, bis 802 Nikephoros gegen sie zum Kaiser erhoben und sie durch denselben auf die Insel Lesbos verbannt ward, wo sie 803 in einem Kloster starb. Als Wiederherstellerin des Bilderdienstes wurde sie von der orthodoxen Kirche hoch geehrt und unter die Zahl der Heiligen erhoben.

2) Tochter des byzantin. Kaisers Isaak Angelos, wurde zuerst mit Roger, dem Sohn Tankreds von Lecce, Königs beider Sizilien, verlobt, geriet 1194 nach dessen Tod und der Eroberung des Königreichs durch Kaiser Heinrich VI. in dessen Gewalt, der sie 1195, nachdem sie zur römisch-katholischen Kirche übergetreten war und den Namen Maria erhalten hatte, mit seinem jüngern Bruder, Philipp von Schwaben, vermählte. 1205 wurde sie mit Philipp in Aachen gekrönt. Durch Anmut und feine Sitte ausgezeichnet, "eine Rose ohne Dorn, eine Taube sonder Galle", erlag sie bald der Not der harten Zeit; wenige Monate nach Ermordung ihres Gemahls starb sie 25. Aug. 1208 in Kindesnöten auf dem Hohenstaufen und ward im Kloster Lorch begraben.