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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Irland

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Irland (Geschichte bis 1833).

der Hand Sturmpetitionen unternommen. Die Regierung sah mit Schrecken diesmal sogar Protestanten sich den Katholiken anschließen: im irischen Parlament vertraten Männer wie Henry Grattan (s. d.), Lord Charlemont u. a. mit Entschiedenheit die Rechte Irlands. Man verlangte die Aufhebung der Strafgesetze, die Selbständigkeit des irischen Parlaments, eine völlige Reform des verrotteten Wahlgesetzes und gänzliche Befreiung des irischen Handels. Nun endlich wurde vom Parlament, da ein allgemeiner Aufstand drohte, die Poynings-Akte 1782 aufgehoben; die Strafgesetze wurden nochmals gemildert, und die Katholiken erhielten die Erlaubnis, Schulen zu errichten, Grundeigentum zu erwerben und ihren Kultus ungehindert auszuüben. Die Last des Zehnten, den die Katholiken an die protestantischen Pfarrer entrichten mußten, rief 1786 den geheimen Verein der Right Boys ("Rechtsburschen") hervor, welche den Katholiken Eide auferlegten, den Zehnten nicht zu bezahlen, und alle Wortbrüchigen züchtigten.

Mit dem größten Enthusiasmus wurde die erste französische Revolution in I. begrüßt. Im November 1791 bildete sich zu Dublin der Bund der vereinigten Irländer (United Irishmen), welcher, die Pariser Jakobiner nachahmend, die Verwandlung Irlands in eine unabhängige Republik erstrebte, indem er mit dem französischen Konvent in geheimes Einverständnis trat. Dem gegenüber entschloß sich das britische Parlament, vorzugsweise infolge der Thätigkeit Edmund Burkes, der unermüdlich in diesem Sinn wirkte, zu einigen wichtigen Zugeständnissen, indem es die gesetzlichen Hindernisse der Gewerbthätigkeit und des Handels sowie die meisten der berüchtigten Strafgesetze aufhob und den Katholiken das Recht der Sachwalterschaft vor Gericht und das Eingehen von Ehen mit Protestanten zugestand. 1793 fiel auch das Gesetz, welches die Katholiken zum Besuch der protestantischen Kirchen zwang; gleichzeitig erhielten sie die Zulassung zu Ämtern niedern Ranges und das aktive Wahlrecht zum Parlament, aber noch nicht das Recht, gewählt zu werden. Weitere Forderungen des Bundes blieben unerfüllt, und als derselbe hierauf eine drohendere Stellung einnahm, schritt die Regierung zu Gewaltmaßregeln. Sie legte in die Städte Besatzungen, hob die Habeaskorpusakte (seit 1782 in I. eingeführt) wieder auf und verhängte über den Bund, der sich ganz militärisch organisiert hatte und 1796 an 100,000 Mitglieder zählte, Entwaffnung und Auflösung. Endlich im Dezember 1796 erschien die von letzterm erwartete französische Hilfe. General Hoche landete mit 20,000 Mann, mußte aber unverrichteter Sache wieder umkehren. Das Parlament ließ hierauf das Standrecht auf der ganzen Insel verkünden. Die Irländer erneuerten daher 1797 ihren geheimen Bund, der bereits mehr als 500,000 Verschworne zählte, als ein Verräter, Th. Raynolds, die Existenz desselben Anfang 1798 der Regierung denunzierte. Nichtsdestoweniger entbrannte der Aufruhr 23. Mai 1798; doch konnte er sich nicht gehörig entwickeln, da eine starke Militärmacht sein Aufkommen verhinderte. Schrecklich wurde nun von den bewaffneten Kolonnen, welche die ganze Insel durchstreiften, gegen die Iren gewütet: gegen 30,000 Menschen fielen als Opfer. Zwar erfolgten von Frankreich aus noch einige bewaffnete Expeditionen zu gunsten Irlands, die eine im August unter Savary, welcher etwa 1000 Mann unter dem General Humbert in der Killalabai an die irische Küste setzte, die andre im Oktober mit 9 Schiffen und etwa 3200 Mann; beide Expeditionen waren jedoch ohne Erfolg, ja letztere Flotte wurde vom Admiral Warren beinahe ganz weggenommen. Um nun die Revolutionsgelüste in I. einigermaßen niederzuhalten, versuchte die Regierung eine Verschmelzung des irischen Parlaments mit dem britischen, ein Plan, den Pitt und Castlereagh nur durch unerhörte Bestechung durchzuführen vermochten, da die Iren die Vereinigung mit Entrüstung von sich wiesen. So trat 1. Jan. 1801 die sogen. Finalunion zwischen I. und Großbritannien in Kraft, wonach I. fortan von 28 gewählten weltlichen Peers und 4 Bischöfen im Oberhaus und von 100 Deputierten der Grafschaften, Städte und Flecken im Unterhaus vertreten werden sollte. Gegen die Verpflichtung, für die ersten 20 Jahre 2/15 der gesamten Staatslasten zu tragen, sollte I. im übrigen gleiche Rechte mit Großbritannien genießen und zwischen beiden ungehinderter Verkehr stattfinden. 1801 trat das vereinigte Parlament ins Leben; die Geschichte von I. bildet von nun an einen Teil der großbritannischen, auf deren Darstellung zu verweisen ist, indem hier nur eine kurze Skizze der insbesondere I. betreffenden Ereignisse gegeben werden soll.

O'Connell und die Repealagitation.

Die von Pitt verheißene völlige politische Emanzipation der Katholiken scheiterte an Georgs III. Bigotterie, und die schon ausgearbeitete Akte kam nicht zur Beratung. Dies rief 1802 zu Dublin einen neuen Bund der Katholiken (Catholic Association) hervor. Ihm gegenüber traten auch die alten protestantischen Orangelogen alsbald wieder ins Leben, und so begannen die Reibungen zwischen beiden Parteien von neuem. 1825 löste die Regierung zwar beide Vereine auf, doch setzte die katholische Association, von O'Connel (s. d.) neugestaltet, ihre Thätigkeit fort und organisierte sich in allen Grafschaften, vornehmlich auf die Wahlen, die von den kleinen Landwirten entschieden wurden, ihren Einfluß ausübend. Die Regierung sah sich daher endlich genötigt, die Frage der Emanzipation vor das Parlament zu bringen, und wirklich ward dieselbe trotz heftiger Gegenbestrebungen beschlossen und 13. April 1829 von Georg IV. genehmigt. O'Connell, der nun ins Parlament eintreten konnte, agitierte dort zunächst für Abschaffung des Zehnten, welchen die katholische Bevölkerung an die protestantischen Kirchen entrichten mußte. Als endlich Lord Stanley, der Staatssekretär für I., 1832 mit dem verheißenen Gesetz hervortrat, wonach die zwangsweise Auflösung des Zehnten erfolgen sollte, nahmen beide Häuser die Bill zwar an, allein die irischen Katholiken verwarfen diese Maßregel, da sie keine wesentliche Erleichterung biete. Als nun O'Connell als Ziel seiner Bestrebungen den Widerruf der Union zwischen I. und Großbritannien offen proklamierte, brachte er damit eine gewaltige Bewegung hervor: die Aufhebung der Union wurde die Losung der von O'Connell gestifteten Repeal Association, die bald der Mittelpunkt der irischen Opposition ward. Trotz aller Bemühungen vermochte O'Connell nicht, die Menge auf der gesetzlichen Bahn zu erhalten. Daher setzte 1833 das Ministerium Grey die sogen. irische Zwangsbill (Irish Coercion-Bill) trotz heftigen Widerspruchs durch, die dem Lord-Statthalter von I. die Befugnis einräumte, Volksversammlungen zu verbieten und das Kriegsrecht zu proklamieren. Ein Heer von 36,000 Mann und 6000 bewaffnete Polizeidiener, die man nach I. sendete, mußten der Akte Nachdruck geben. Um aber die allgemeine Erbitterung einigermaßen zu besänftigen, gewährte das Ministerium die irische