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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Irrumpieren; Irrwahn; Irrwisch; Irsee; Irtisch; Irun; Irvine; Irving

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Irrumpieren - Irving.

verwechseln ist aber damit der Fall des sogen. wesentlichen Irrtums (error essentialis) beim Abschluß von Rechtsgeschäften. Befindet sich nämlich ein Kontrahent über einen wesentlichen Umstand des Vertrags, z. B. über die Identität der Ware beim Abschluß eines Kaufs, in Unkenntnis, so gilt das ganze Geschäft, resp. der Vertrag als nicht abgeschlossen; denn was man nicht weiß, kann man auch nicht wollen. Es sind dies die Fälle, in welchen Savigny von einem sogen. uneigentlichen I. spricht, da hier der I. eigentlich nur Beweismoment für den fehlenden Willen sei. Dies ist die Bedeutung des Rechtssprichworts: errantis non est voluntas (beim I. ist der Wille ausgeschlossen). Auch in strafrechtlicher Beziehung wird der Rechtsirrtum, die Unkenntnis strafrechtlicher Bestimmungen oder einzelner Strafandrohungen, von dem Strafrichter nicht berücksichtigt. Dagegen kann der faktische I. unter Umständen von Bedeutung werden. Es gehört hierher namentlich die Bestimmung des deutschen Reichsstrafgesetzbuchs (§ 59), wonach, wenn jemand bei Begehung einer strafbaren Handlung das Vorhandensein von Thatumständen nicht kannte, welche zum gesetzlichen Thatbestand gehören oder die Strafbarkeit erhöhen, ihm diese Umstände nicht zugerechnet werden sollen. Wenn also z. B. ein Unverheirateter mit einer Ehefrau den Beischlaf vollzieht, ohne zu wissen, daß diese Frauensperson verheiratet ist, so kann er nicht wegen Ehebruchs bestraft werden. Handelt es sich jedoch um fahrlässige Vergehen, so soll jene Bestimmung nur dann Platz greifen, wenn diese Unkenntnis selbst nicht durch Fahrlässigkeit verschuldet war. Vgl. außer den Lehrbüchern des römischen Rechts und des Strafrechts Zitelmann, I. u. Rechtsgeschäft (Leipz. 1879).

Irrumpieren (lat.), in feindlicher Absicht in ein Land einbrechen; Irruption, Einbruch.

Irrwahn, s. Delirium und Manie.

Irrwisch, s. v. w. Irrlicht.

Irsee, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, Bezirksamt Kaufbeuren, an der Wertach, hat eine kath. Pfarrkirche, eine Oberförsterei, eine Kreisirrenanstalt im ehemaligen Benediktinerkloster, eine Braunkohlengrube und (1885) 1045 meist kath. Einw.

Irtisch (Irtysch), Fluß in Westsibirien, entspringt auf chinesischem Gebiet als Schwarzer I. am Ostende des Altai, durchfließt, in nordwestlicher Richtung strömend, den Saisansee, bricht dann durch den westlichen Altai in einer wilden Bergschlucht, tritt bei Ustkamenogorsk in die weiten Steppen Sibiriens (links die Kirgisen-, rechts die Barabasteppe) und mündet unterhalb Tobolsk bei Samarow links in den Ob, 1830 m breit. Sein Lauf wird zu 2600 km, sein Stromgebiet zu 1,676,000 qkm (30,440 QM.) berechnet. Von Anfang November bis Ende April friert der I. zu, dann ersetzt die Schlittenfahrt die sonst von Semipalatinsk abwärts betriebene Dampfschiffahrt. Letztere erscheint nach den 1880 gemachten Untersuchungen sogar bis zum Saisansee möglich. Die Ufer des I. sind ziemlich dicht bewohnt, und der Fluß leistet dem Verkehr zwischen den Städten und den zahlreichen Etablissements der Montanindustrie an seinen Ufern die wesentlichsten Dienste. Seine Gewässer sind sehr fischreich; von Omsk bis zum Saisansee gehören die Fischereigerechtsame den Kosaken. Die wichtigsten Zuflüsse des I. sind rechts: die Buchtarma, der Om, Tara; links: der Ischiln, Tobol, Konda. Am untern I. sind Semipalatinsk, im mittlern Lauf Omsk, im obern Tobolsk Handels- und Regierungsmittelpunkte. Oberhalb Tobolsk, am kleinen Sihirkabach, stand einst die Zarenburg Sibir, welche der Kosak Jermak erstürmte, und nach welcher das ganze Land den Namen erhielt.

Irun, Stadt in der span. Provinz Guipuzcoa, an der Bidassoa, dem französischen Ort Hendaye gegenüber, Endstation der von Madrid kommenden Eisenbahn, an die sich hier die französische Südbahn anschließt, hat eine schöne Kirche, eine Mineralquelle, (1878) 7040 Einw., Maisbau, Eisenbergwerk, Ziegeleien und Gerbereien. I. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Südlich von I. erhebt sich der aussichtsreich Berg La Haya (987 m), östlich der Hügel San Marcial, der Schauplatz blutiger Kämpfe zwischen den Franzosen und den Spaniern sowie zwischen den Karlisten und den königlichen Truppen.

Irvine (spr. irrwin), Hafenstadt im nördlichen Ayrshire (Schottland), mit bedeutender Kohlenausfuhr und (1881) 8517 Einw.

Irving, 1) Washington, nordamerikan. Schriftsteller, geb. 3. April 1783 zu New York, wo sich sein aus Schottland stammender Vater als Kaufmann niedergelassen hatte, begann 1800 auf dem Columbia College daselbst das Studium der Rechte, gab es aber aus Gesundheitsrücksichten wieder auf und bereiste zwei Jahre lang das westliche Europa. Nach seiner Rückkehr nahm er seine Studien wieder auf; aber weder sie noch das kaufmännische Geschäft, welches er später in Verbindung mit seinen Brüdern betrieb, sagten ihm zu. Als 1812 der Krieg mit England ausbrach, übernahm er daher unter dem amerikanischen General Tompkins die Stelle eines Adjutanten. Nach dem Eintritt der Waffenruhe ging er wieder an sein Handelsgeschäft, büßte aber durch dasselbe sein ganzes Vermögen ein. Nun warf er sich auf das Feld der Litteratur und verarbeitete den 1815 auf einer Handelsreise nach England gesammelten Stoff in seinem "Sketchbook of Geoffrey Crayon" (Lond. u. New York 1820, 2 Bde.). Schon früher war er der Leserwelt durch die "Letters of Jonathan Oldstyle" (enthalten in der von seinem ältern Bruder zu New York herausgegebenen Zeitschrift "Morning Chronicle", später gesammelt und von Spiker, Berl. 1824, ins Deutsche übersetzt), durch die Herausgabe des humoristischen Blattes "Salmagundî" (zum Teil abgedruckt unter dem Titel: "Salmagundî; or the whimwams and opinions of Lancelot Longstaff and others", Lond. 1823, 2 Bde.) und durch die "Humorous history of New York by Dietrich Knickerbocker" bekannt geworden. Er besuchte Europa abermals und schrieb in Paris die "Bracebride-Hall, or the humorists" (Lond. 1823, 2 Bde.). Den Sommer 1822 brachte er in den Rheingegenden zu, hielt sich sodann längere Zeit in Prag und Dresden auf und ging 1824 nach England, wo er seine "Tales of a traveller" (Lond. 1824, 2 Bde.; deutsch, Berl. 1825) veröffentlichte. Nach einer kurzen Reise in Südfrankreich begab er sich 1825 nach Spanien, wo er im Escorial die auf die Entdeckung Amerikas bezüglichen Handschriften und Bücher durchforschte und sich während eines vierjährigen Aufenthalts eine genaue Kenntnis der spanischen Sitten und Gebräuche erwarb. Die Früchte dieses Studiums sind sowohl die historischen. Arbeiten: "History of the life and Voyages of Christopher Columbus" (Lond. 1828-30, 4 Bde.), die "Voyages and discoveries of the companions of Columbus" (das. 1831) und die aus Handschriften des Antonio Agapida und spanischen Chroniken zusammengetragene Schrift "Chronicle of the conquest of Granada" (das. 1829, 2 Bde.), als auch die später aus Enthusiasmus für die Glanzperiode der Araber in Spanien, für ihre Sitten und