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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Isjum; Iskander

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Isjum - Iskander.

I. auch das Meer; sie erfindet das Segel, wird besonders an Handelsplätzen verehrt, und die durch sie vom Schiffbruch Geretteten stiften ihr Votivtafeln (daher ihr Name Pelagia, Pharia). Auch ist sie Beraterin in Liebesintrigen, die sie in ihren Tempeln begünstigt, so daß dieselben oft berüchtigte Häuser der Wollust werden. Endlich wird sie zur Fortuna, aber nicht zur blinden, sondern zur sehenden, die das verwickelte Netz der Geschicke mit weiser Umsicht entwirrt und die verderblichen Einflüsse der Gestirne abwehrt. Ihre Hauptverehrungsstätte war Memphis; in Sais hatte sie ein verschleiertes Bild mit der Inschrift: "Ich bin das All, das gewesen, das ist und das sein wird; kein Sterblicher hat meinen Schleier gelüftet". Zeugnisse der Alten, Namenbildungen mit I., zahllose Inschriften beweisen, daß sie auch allenthalben, wo hellenisches Wesen Eingang fand, verehrt wurde. In Rom kam der Isisdienst zu Sullas Zeiten auf. Zwar wurde derselbe wegen des dadurch gegebenen Anstoßes durch einen Senatsbeschluß vom Kapitol wieder verbannt, später auch der Privatkult der I. und des Serapis verboten, sogar der Tempel derselben niedergerissen; aber eben diese öfters wiederholten gewaltsamen Reaktionen beweisen, welchen Anklang der Isiskult in Rom gefunden. Gleichwohl kam erst mit den Kaisern aus dem Flavischen Haus eine günstigere Zeit für den ägyptischen Kult. Domitian gründete ein Iseum und Serapeum, und seitdem wetteiferten die Kaiser in Begünstigung und Verherrlichung des Isisdienstes, den erst das aufkommende Christentum, wenn auch nur langsam, verdrängte. Der Kult der Göttin bestand in Lustrationen, Festzügen, geheimen, oft zu sinnlicher Lust mißbrauchten Weihen. Griechen wie Römer pflegten im Frühling, sobald das Meer wieder schiffbar geworden war, einen feierlichen Umzug zu halten und der Göttin ein Schiff darzubringen (Navigium Isidis, 5. März). Tacitus berichtet, daß auch die Sueven der I. geopfert hätten, wobei natürlich nur eine germanische Gottheit anzunehmen ist, deren Name uns verloren gegangen (Grimm denkt an Berchta oder Holda). Das Dienstpersonal der Göttin zerfiel in mehrere Grade und Klassen: einfache Eingeweihte, niedere Ministranten und Pastophoren oder eigentliche Priester. Die Lebensweise derselben war vielen Geboten der Enthaltsamkeit unterworfen; sie durften kein Schweine- und Schaffleisch, keine Bohnen und Zwiebeln essen, auch keine Fische, mußten oft baden, hatten die Tonsur und trugen leinene Kleidung. Auf ägyptischen Denkmälern trägt I., die oft mit dem jungen Horos auf dem Schoß dargestellt wird (Fig. 1), eine Geierhaube, Kuhhörner und dazwischen die Mondscheibe. Da ihr heiliges Tier die Kuh ist, tritt sie auch kuhhäuptig auf. Die alexandrinisch-römische Kunst hat sie wesentlich umgeformt, ihr die steif gefaltete Tunika und ein mit Fransen besetztes, auf der Brust geknotetes Obergewand gegeben, dazu das Sistrum (s. d.) und auf dem Haupte die Mondscheibe. Neben ihr steht gewöhnlich der Knabe Horos (Harpokrates) mit dem Zeigefinger auf dem Mund und dem Füllhorn in der Linken. So z. B. in der Münchener Gruppe (Fig. 2). S. auch Tafel "Bildhauerkunst IV", Fig. 15.

^[Abb.: Fig. 1. Isis mit Horos (Berliner Museum).]

^[Abb.: Fig. 2. Isis und Horos (Harpokrates). München.]

Isjum (Isum), Kreisstadt im russ. Gouvernement Charkow, rechts am nördlichen Donez und an der Donez-Kohlenbahn, mit 5 Kirchen, Wollwäscherei, Talg- und Wachsfabriken, einer Kreditbank, einem Gymnasium, Theatergebäude und (1881) 17,854 Einw. Die Bewohner des Kreises I. beschäftigen sich mit Ackerbau und Vieh-, namentlich Schafzucht (1879: 160,130 Merinos, 96,508 gewöhnliche Schafe), Tabaksbau und Salzsiederei (s. Slawiansk). In den Dörfern Jampol und Sakotny bildet die Kultur des spanischen Pfeffers einen einträglichen Erwerbszweig. Im ganzen Kreis gibt es 1623 Windmühlen und 156 Ölschlägereien. Die Bewohner der dem Bachmutschen Kreis benachbarten Dörfer befassen sich vorzugsweise mit dem Transport der Steinkohlen von den Gruben bis zur Eisenbahn.

Iskander (arab., "Alexander"), Pseudonym des russischen Schriftstellers Alex. Herzen (s. d.).