Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Italienische Sprache; Italienischer Krieg 1859 und 1866

103

Italienischer Krieg - Italienische Sprache.

grafici di contemporanei italiani (Pal. 1864; neue Folge, das. 1868); Camerini, Nuovi profili letterarii (Mail. 1875, 3 Bde.); Gaspary, Die sizilische Dichterschule des 13. Jahrhunderts (Berl. 1875); Rubieri, Storia della poesia popolare italiana (Flor. 1877). Über die Hauptrichtungen der italienischen Litteratur von den Anfängen bis auf die neuere Zeit handelt Fornaciari, Disegno storico della letteratura italiana (3. Aufl., Flor. 1876). Eine Übersicht derselben in neuer und neuester Zeit findet man bei Roux, Histoire de la littérature italienne contemporaine (die Zeit von 1800 bis 1883 umfassend, Par. 1870-83, 3 Bde.). Ein "Giornale storico della letteratura italiana", herausgegeben von A. Graf u. a., erscheint seit 1883 in Turin. Über die neuesten Erscheinungen berichtet die "Bibliografia italiana" (Mail. 1835-47, 14 Bde. und seit 1867 halbmonatlich.)

Italienischer Krieg 1859 und 1866, s. Italien, S. 79 und 82.

Italienische Sprache. Die zu den romanischen Sprachen gehörige Sprache Italiens ist, gleich ihren Schwestersprachen, nicht unmittelbar aus der alten lateinischen Sprache, wie sie in den Denkmälern der römischen Litteratur vorliegt, entstanden, sondern hat ihre Wurzeln in der seit frühster Zeit bestehenden römischen Volkssprache, der sogen. Lingua romana rustica. Das Eindringen germanischer Stämme in die Halbinsel mußte den Untergang der gebildeten Sprache und die Entwickelung einer neuen aus den in dem Volksidiom liegenden Keimen beschleunigen, ohne daß indessen die germanischen Sprachen einen wesentlichen Einfluß auf den grammatischen Bau der neuen Sprache äußerten, während sie dagegen den Sprachschatz derselben mit einer Anzahl germanischer Wörter bereicherten. Da aber diese Umwandlung des rustikalen Lateins in das Italienische sehr langsam vor sich ging und Jahrhunderte bis zu ihrer Vollendung verflossen, da ferner fortwährend die lateinische Schriftsprache als die Sprache der Gebildeten neben oder über der neuen Sprache bestand, so gab es für diese nur die Bezeichnung Lingua vulgaris (volgare) im Gegensatz zum Latein, der Lingua grammatica. Daher erklärt sich das späte Auftreten der ältesten Denkmäler dieser Sprache, nämlich um die Mitte des 12. Jahrh. Sie war seit früher Zeit verzweigt in eine große Zahl mehr oder weniger verschiedener Mundarten, von denen mehrere später selbst zu Schrift- und Litteratursprachen ausgebildet worden sind. Dante zählt in seiner Schrift "De vulgari eloquentia" 14 Mundarten auf, erklärt sie aber alle, ohne selbst die florentinische auszunehmen, für untauglich zum Ausdruck höherer geistiger Produktionen und weist dieses Gebiet einer andern, nirgends einheimischen, aber allen Gebildeten gemeinsamen Hochsprache zu, die er als vulgare, illustre, aulicum, curiale, cardinale bezeichnet. Die jetzigen italienischen Dialekte haben nun allerdings seit Dantes Zeit bedeutende Umänderung erlitten, doch sind in den meisten die von jenem angegebenen Grundcharaktere noch deutlich genug zu erkennen. Während in den Idiomen des nördlichen Italien die Konsonanten, selbst in den Endungen der Wörter, und Umbildungen ursprünglich römischer Laute vorherrschen, werden in der Volkssprache des Südens die Vokale, namentlich die Laute u, a, o, bevorzugt; im mittlern Italien aber, wo die germanischen Eindringlinge am wenigsten zur Herrschaft gelangten, ist die Sprache der altrömischen in Beziehung auf Wortformen und Betonung am ähnlichsten geblieben, daher die dortigen höhern Stände mit Recht sich rühmen dürfen, das reinste Italienisch zu sprechen. Im nördlichen Italien machen sich wieder drei Dialektgruppen bemerklich, eine mittlere mit vorherrschenden germanischen Härten und Verstümmelungen, eine östliche (venezianische) von weichlichem, ja kindlichem Charakter, die aber am weitesten verbreitet und litterarisch am meisten ausgebildet worden ist, und eine westliche, französischen Einfluß kundgebende, der namentlich im Piemontesischen so mächtig hervortritt, daß man dasselbe nicht für eine italienische, sondern vielmehr für eine eigentümliche französische Mundart zu halten geneigt ist. Neben diesen Mundarten findet sich aber seit dem 12. Jahrh. eine edlere, d. h. dem Altrömischen näher stehende und daher bildsamere, Sprache, die zuerst in Sizilien, am Hof des Hohenstaufen Friedrich II., bald aber auch von den meisten Dichtern Italiens gebraucht wurde. Mit dem 14. Jahrh. verlieren sich, besonders in der poetischen Sprache, Dialektverschiedenheiten sowie französische und provençalische Formen oder Ausdrücke, welche sich bei den ältesten italienischen Schriftstellern noch häufig finden. Diese poetische Sprache wurde vornehmlich von Dante und nach ihm von Petrarca gereinigt, ausgebildet und, wie es scheint, für alle Zeiten fixiert, so daß sie noch jetzt im wesentlichen die nämliche ist wie zu Dantes Zeiten. Weniger vorteilhaft entwickelte sich die Sprache der Prosa, in welcher Boccaccio eine tonangebende Rolle spielte, indem er, den alten Klassikern nachstrebend, der Sprache eine von Natur nicht in ihr liegende Fülle zu geben und sie zu ausgedehnterm Periodenbau geeignet zu machen suchte. Doch hat Boccaccio sowenig wie irgend ein andrer Prosaiker einen so überwiegenden Einfluß auf die Entwickelung der italienischen Prosa ausgeübt, daß er allein als mustergültig betrachtet worden wäre, und daher darf man sich nicht wundern, daß man bei neuen Erscheinungen auf dem litterarischen Gebiet in Italien noch jetzt über den stilistischen Wert derselben sehr verschiedenen Ansichten begegnet. Das 14. Jahrh., in welchem Dante und Petrarca dichteten, wird von den Italienern als das erste goldene Zeitalter ihrer Sprache bezeichnet, daher il gran secolo, auch wohl il trecento genannt. Nachdem sie im 15. Jahrh. infolge der Bevorzugung der klassischen Sprachen vernachlässigt worden war, erhob sie sich im 16. durch Ariostos, Guarinis, Tassos Schöpfungen zum höchsten Gipfel formeller Ausbildung. Im 17. und 18. Jahrh., namentlich durch französische Einflüsse verunreinigt, näherte sie sich einer Entartung, um erst seit sechs oder sieben Jahrzehnten einer neuen Regeneration entgegenzugehen. Eine genaue Bestimmung, wie weit die i. S. sich erstreckt, ist nicht wohl anzugeben; außerhalb Italiens ist sie im schweizerischen Kanton Tessin, im südlichen Tirol, im österreichischen Kreis Görz (in Illyrien), im Gebiet von Triest sowie in den Küstenstrichen von Istrien und Dalmatien Volkssprache, als Verkehrssprache (lingua franca) aber auf den Inseln und an den Küsten des östlichen Teils des Mittelländischen wie auch an denen des Schwarzen Meers verbreitet.

[Grammatiken.] Die Italiener haben sich erst spät einer gründlichen Bearbeitung der Grammatik ihrer Sprache unterzogen. Beobachtungen über die i. S. sammelte zuerst der Kardinal Bembo in seinem Werk "Prose" (1525), welches, in Gesprächsform abgefaßt und wenig gründlich und vollständig, sich ausschließlich an Petrarca und Boccaccio hält. Der Graf Giangiorgio Trissino regte durch seine Bemühungen um Regelung der Orthographie und Fixierung der-^[folgende Seite]